Dr. Beate Großegger – Leisure is pleasure – Die Jugendfreizeitstudie

Jugendfreizeitkulturen haben immer schon fasziniert – und wurden ebenso oft von den Beobachtern falsch verstanden, so Dr. Beate Großegger, wissenschaftliche Leiterin und stellvertretende Vorsitzende des Instituts für Jugendkulturforschung. Wie Jugendliche mit ihrem Freizeitverhalten Zeitgeist definieren und in ihrer Freizeitkultur Lebensgefühl finden ist Teil der Studie, die die Publizistik- und Kommunikationswissenschafterin mit ihrem Team durchgeführt hat.

Seit den 1950erjahren beschäftigen sich Wissenschaft und Wirtschaft mit Jugendfreizeitkulturen. In dieser Zeit begann auch die Amerikanisierung der Jugendkultur, mit Rock’n‘Roll und Music-Box. In den 60ern bildet sich die Radikalisierung im politischen Denken auch in der Freizeitkultur ab. „Live fast, die young“ bleibt als Prinzip bis in die 90erjahre erhalten. Danach setzen sich die Freestyle-Kulturen durch: „mach Dein Ding, aber bleib locker.“ Mitte der 2010erjahre übernimmt die Generation Z das Zepter: sie ist der permanent wechselnden Livestyle-Moden überdrüssig. Neue Gemütlichkeit zu Hause und Energie tanken sind gefragt, unspektakulär und draußen in der Natur.

Freizeit bedeutet für die heutige Jugend: Zeit für sich zu haben. Diese Eigenzeit steht im Spannungsverhältnis zwischen Aktivität und Nichtstun: Sport und Bewegung outdoor sind die beliebteste Freizeitgestaltung, gefolgt von Zeit mit Freunden oder Familie verbringen. Nur einer von 100 nennt das Internet bzw die Computernutzung als Hauptziel der Freizeitgestaltung – auch deshalb, weil das Internet allgegenwärtig und entsprechend nicht mehr so faszinierend ist. Geographisch gesehen sitzen die couch-potatoes eher im Osten, während die Jugend im Westen ins Freie strebt.

Da die Welt, in der die heutige Jugend aufwächst, sehr widersprüchlich ist – viel mehr ist möglich, aber viel wenig ist fix – ist auch das Verhalten der Jugendlichen entsprechend divers: während man über Social Media mit der ganzen Welt verbunden sein will, sehnt man sich dennoch nach Geborgenheit in der Familie oder im Freundeskreis. Die zahllosen Möglichkeiten, die das Leben zweifellos bietet, wirken auf viele beängstigend.

Weitere Untersuchungsgegenstände der Studie sind: Stressoren für Jugendliche, leistungsorientierter Substanzkonsum (Red Bull, Haschisch etc), Veränderungen in der Leitästhetik („Mom Jeans“), die Fokussierung der Jugend auf pragmatisches Handeln und die Suche nach nachhaltiger Lebensfreude („ikigai“): die einfachen Freudendes Lebens werden wiederentdeckt, die Suche nach dem ultimativen Abenteuer tritt mehr und mehr in den Hintergrund.

Im Folgenden beantwortet Dr. Großegger die zahlreichen spannenden Fragen des Publikums.

Credits

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Jugendfreizeitstudie Wolfgang Müller CC BY SA 4.0

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