How & why Joe Biden won the Democratic primary

Im 5. Teil unserer Podcastserie zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2020 beschäftigen wir uns mit Joe Biden und analyiseren, wie und warum es dem ehemaligen Vizepräsidenten gelungen ist, die Vorwahlen der demokratischen Partei de facto für sich zu entscheiden.

Dabei wird klar, dass der Ex-Senator aus Delaware vor allem von seinem seit Jahren in der Öffentlichkeit etablierten working class Image und von seiner engen Beziehung zu Barack Obama, dem er ein treu ergebener Vice President gewesen ist, profitiert hat.

Biden, der bei den ersten 3 Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und Nevada deutlich unter den Erwartungen geblieben ist, gewann in South Carolina – getragen von der Unterstützung des sehr einflussreichen afro-amerikanischen Politikers James Clyburn, der als eine Art Königsmacher fungierte – überlegen. Dieser Sieg brachte ihm extrem viel “Momentum” ein, sprich die öffentlichen Medienberichte zu Biden waren damit 3 Tage vor dem Super Tuesday extrem positiv. Leidtragender dieser Entwicklung war Bernie Sanders, unabhängiger Senator aus Vermont, der nach seinen Siegen in Iowa, New Hampshire und Nevada Biden massiv unterschätzt hatte und sich nicht ausreichend bemühte, jene vor allem älteren Wähler zu erreichen, die mit der von Sanders seit Jahren geforderten politischen Revolution nichts anfangen konnten.

Zwischen dem Sieg von Biden in South Carolina am 29. Febuar und dem Super Tuesday am 3. März lagen zwar nur 3 Tage, doch diese hatten es in sich. In einer von Barack Obama und seinem Umfeld hinter den Kulissen perfekt orchestrierten und umgesetzten Kommandoaktion traten zuerst Pete Buttigieg, der sich in Iowa und New Hamshire überraschend mit Sanders duellierte hatte, und unmittelbar darauf Amy Klobuchar, die moderate Senatorin aus Minnesota, von ihren jeweiligen Wahlkampagnen zurück und erklärten am Wahlabend vor dem Super Tuesday in Texas zusammen mit Ex-Präsidentschaftskandidat Beto O´Rourke öffentlich Ihre Unterstützung für Biden.

Bidens Sieg in South Carolina, die Unterstützung der moderaten Kandidaten Buttigieg & Klobuchar und die enorm positive Medienberichterstattung wurde von der großen Mehrheit der demokratischen Wählerschaft als Signal interprätiert, sich mit Ihrer Stimme nun für Biden auszusprechen, und so gelang es Biden, am Super Tuesday Sanders in zahlreichen wichtigen Bundesstaaten wie Texas, Massachusetts und Minnesota zu schlagen und entgegen den Erwartungen Sanders in Delegiertenstimmen zu überholen.

Unmittelbar nach den Super Tuesday stieg Milliardär Michael (Mike) Bloomberg aus dem Vorwahlkampf aus und empfohl seinen Anhängern Biden zu wählen. Elizabeth Warren setzte Ihre Wahlkampagne ebenso aus und entschloss sich vorläufig weder Biden noch Sanders zu unterstützen.

Damit war aus dem größten Kandidatenfeld in der Geschichte der demokratischen Partei ein two person race zwischen Biden und Sanders geworden.

Während Sanders 2016 im Zweikampf mit Hillary Clinton dieser bis zum Ende der Vorwahlen noch hatte Paroli bieten können, stand er dieses Mal gegen Biden auf verlorenem Posten.

Biden gewann mit großer Mehrheit Wähler ab 50 Jahren aus allen sozio-ökonomischen Schichten und es gelang ihm Wähler der weißen Arbeiterklasse, die 2016 noch Sanders gegenüber Clinton bevorzugt hatten, kulturell und emotional anzusprechen, und diese vor allem auch in ländlichen Regionen beheimateten Wähler für sich zu gewinnen.

Sanders hatte seine Kampagne auf seine Popularität bei jüngeren Wählern aufgebaut, doch wie so oft blieb die Wahlbeteiligung dieser Gruppe hinter den Erwartungen zurück. Der demokratische Sozialist aus Burlington fand keinerlei Rezept mehr gegen Biden und verlor am 10. März u.a. die Vorwahl in Michigan, ein Bundesstaat, den er 2016 noch überraschend gegen Hillary Clinton gewonnen hatte.

Biden gewann auch am 17. März in Florida, Arizona und Illinois & setzte sich damit in Delegiertenstimmen von Sanders ab. Anfang April entschloss sich Sanders daher, seine Wahlkampagne auszusetzen – und wenige Tage später erklärte er in einem gemeinsamen Videochat mit Biden, diesen auch öffentlich zu unterstützen. Biden kann sich damit die Nominierung seiner Partei nur mehr selbst zerstören.

Aufgrund seines Alters und manch eher bedenklichem Wahlkampfauftritt gibt es zwar Spekulationen, dass das demokratische Establishment – das Biden aufs Schild gehoben hatte – diesen auch wieder fallen lassen würde, und durch Hillary Clinton, Andrew Cuomo oder Michelle Obama ersetzen würde, doch das ist derzeit nicht anzunehmen.

Mehr Sorgen muss sich Biden da schon machen, dass er über einen Sex-Skandal stolpert, denn seine ehemalige Mitarbeiterin Tara Raede beschuldigt Ihn, dass er sie sexuell attackiert haben soll und Bidens Eigenart, vor allem Frauen physisch bei öffentlichen Auftriffen zu nahe zu kommen, ist bestens bekannt. Nach derzeitigem Stand dürfte Biden diesen Skandal aber überstehen und sich daher im Herbst mit Donald Trump um den Einzug ins Weiße Haus duellieren…

Bildrechte – Weißes Haus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fes_Haus#/media/Datei:WhiteHouseSouthFacade.JPG

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Biden won Wolfgang Müller CC BY SA 4.0

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