Alkoholabhängigkeit und ihre Auswirkungen

Betunkene_auf_dem_Oktoberfest_an_der_Wand_der_Festleitung
Meinung

Der übermäßige Konsum von Alkohol verursacht jedes Jahr den Tod von 3,3 Millionen Menschen, und es gibt sechzig verschiedene Krankheiten, bei deren Entstehung Alkohol eine signifikante Rolle spielt. Wenn ich mich in der Gesellschaft umsehe, fällt mir immer wieder der hohe Alkoholkonsum auf. Sehr oft gibt es sogar Menschen, die bereits morgens kurz nach dem Aufstehen ihren ersten Schluck zu sich nehmen. Sie sind abhängig davon. Das hat mich dazu motiviert, diesen Text darüber zu schreiben.

Alkoholkonsum ist ein Teil unseres täglichen Lebens. Er wird in den meisten Ländern der Erde, entwickelten und weniger entwickelten, konsumiert. Alkohol wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem, wird aber dennoch üblicherweise als Stimulans benutzt. Mit dem Begriff „Alkohol“ bezeichnen wir üblicherweise das in Getränken enthaltene Ethanol. Andere Formen von Alkohol, wie etwa Methanol, sind für Menschen weitaus toxischer und für den Konsum daher nicht geeignet. Alkohol wird erzeugt, indem bestimmte Nahrungsmittel, wie etwa Gerste, Hopfen oder Weintrauben, durch die Zugabe von Hefe und Zucker fermentiert werden.

Menschen trinken Alkohol aus ganz verschiedenen Gründen und in unterschiedlichem Zusammenhang, etwa zur Erfüllung sozialer oder kultureller Normen, infolge von religiösen Vorschriften oder als Ergebnis von Gruppendruck. Manche trinken auch aus anderen Gründen: zum Vergnügen, zur Entspannung oder Stimmungsveränderung, zur Steigerung der Kreativität, um einen Rausch zu bekommen, aufgrund einer Sucht, aus Langeweile, um Hemmungen zu überwinden oder um irgendetwas zu vergessen.

Aus welchem Grund auch immer, die meisten von uns haben schon irgendeine Art von alkoholischem Getränk an irgendeinem Punkt ihres Lebens konsumiert. Eine der gefühlten Vorzüge des Alkoholkonsums ist das Gefühl von Befreiung und Stärkung. Die sofortigen und erfreulichen Effekte alkoholischer Getränke sind Entspannung, die Reduzierung von Hemmungen und ein Gefühl von Freiheit und Wohlbefinden. Oft wird dies als gesteigertes Selbstvertrauen erlebt.

Moderater Gebrauch von Alkohol wird allgemein akzeptiert, doch wird er oft missbraucht. In diesem Fall kann er drastische Auswirkungen auf den Konsumenten haben. Auch wenn dies zwischen verschiedenen Menschen unterschiedlich sein kann, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Alkoholkonzentration im Blut und bestimmten Auswirkungen.

Psychische Effekte
Langwieriger Alkoholmissbrauch kann psychische Schäden verursachen. Untersuchungen haben einen deutlichen Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und Befindlichkeitsstörungen ergeben, insbesondere Depressionen und Angstgefühle. So haben Studien zum Beispiel gezeigt, dass Menschen mit Alkoholabhängigkeit oft an depressiven Störungen leiden. Um deren Symptome zu dämpfen, neigen sie häufig zu exzessivem Alkoholkonsum, der wiederum die Depression verstärkt. Die Verbreitung von Depressionen unter Alkoholabhängigen beträgt zwischen 15 und 70 Prozent.

Persönlichkeitsveränderungen wie etwa gesteigerte Reizbarkeit, beeinträchtigtes Denkvermögen und schlechte Urteilsfähigkeit gelten als Folgen exzessiven Alkoholkonsums. Es wird vermutet, dass der Konsum großer Mengen von Alkohol die üblichen Symptome von Schizophrenie, wie etwa Halluzinationen, steigern kann.

Alkoholkonsum kann ungünstige soziale und wirtschaftliche Auswirkungen auf den Trinker selbst, seine nähere Umgebung und auf die Gesellschaft insgesamt haben. So können auch Menschen, die mit dem Trinker gar nichts zu tun haben, betroffen werden, etwa durch Verkehrsunfälle oder als Gewaltopfer.

Soziale Auswirkungen
Übermäßiger Genuss von Alkohol kann negative Auswirkungen nicht nur auf den individuellen Konsumenten, sondern auch auf die Gesellschaft insgesamt haben. Schwerer Alkoholkosum steht in Zusammenhang mit vielen Vorfällen von Gewaltkriminalität. Meist sind ganze Familien betroffen, wenn eines ihrer Mitglieder alkoholabhängig ist. Familiäre Probleme wie das Zerbrechen von Beziehungen, häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch von Partnerinnen stehen in einer starken Verbindung mit gesteigertem Alkoholkonsum.

Auch Risikoverhalten wie etwa Autofahren unter Alkoholeinfluss und sexuelle Übergriffigkeit ist eine häufige Folge von Alkoholkonsum. Alkohol wird als ursächlicher Faktor für die meisten Verkehrsunfälle angesehen. Auch finanzielle Probleme und Verlust des Arbeitsplatzes sind mit risikoreichem Alkoholkonsum verbunden: Die Arbeitskraft ist beeinträchtigt, weil exzessives Trinken nachteilige Auswirkungen auf die Persönlichkeit und das Urteilsvermögen hat.

Alkoholmissbrauch kann nicht nur das Verhalten einer Person gegenüber ihren Kindern oder ihrem Partner beeinträchtigen, sondern auch, wie gut sie zum Funktionieren eines Haushaltes beitragen kann. Es kann einen nachhaltigen Effekt auf Partner und Kinder haben, etwa durch Haushaltsunfälle und Gewaltneigung.

Kinder können schon vor der Geburt Schädigungen erleiden, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol zu sich nimmt. Nach der Geburt kann elterlicher Alkoholkonsum zu Kindesmissbrauch und anderen Auswirkungen auf die sozialen, psychischen und wirtschaftlichen Bedingungen führen, unter denen das Kind aufwächst. Der Einfluss des Trinkens auf das Familienleben kann substanzielle mentale Gesundheitsprobleme für andere Familienmitglieder, etwa Ängste oder Depressionen, mit sich bringen.

Wenn man außerhalb des Zuhauses trinkt, kann das bedeuten, dass man weniger Zeit mit der Familie verbringt. Die finanziellen Kosten des Alkoholkaufs und der dadurch nötigen medizinischen Behandlung können ebenso wie verloren gegangenes Einkommen zur Mittellosigkeit von Familienmitgliedern führen. Wenn Männer trinken, haben oft in erster Linie ihre Mütter oder ihre Frauen darunter zu leiden, die dadurch möglicherweise mehr zum Haushaltseinkommen beitragen müssen und ein höheres Risiko haben, mit HIV infiziert zu werden oder von Gewalt betroffen zu sein.

Die sozialen und wirtschaftlichen Kosten schließen die negativen ökonomischen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die gesamte Gesellschaft mit ein. Dies beinhaltet beide Richtungen – sowohl der Wert an Gütern und Dienstleistungen, die durch die schädlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums erbracht werden müssen, als auch die indirekten Kosten: Der Wert der persönlichen Produktivitätsleistung, die als Konsequenz des Trinkens nicht erbracht wird. Eine Einschätzung der Kosten, die durch die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf den materiellen Wohlstand einer Gesellschaft entstehen, ist oft nicht einfach, denn sie verlangt Schätzungen der sozialen Kosten der Behandlung, der Prävention, der wissenschaftlichen Arbeit, der Durchsetzung von Gesetzen, der verlorenen Produktivität sowie einen Maßstab für die verlorene Lebenszeit und -qualität.

Für die effektive Kontrolle von Alkohol in einer Gesellschaft ist eine ganzheitliche Herangehensweise nötig, die gleichermaßen soziale, ökonomische, kulturelle, traditionelle und andere Faktoren berücksichtigt. Damit in irgendeiner Gesellschaft eine Veränderung sichtbar wird, muss eine gesunde Balance zwischen Regeln und Infrastruktur, zwischen der Durchsetzung von Gesetzen und den soziokulturellen Erwartungen der Menschen gefunden werden.

Eine Kontrolle des Alkoholkonsums ist eine Sache von veränderten Einstellungen, die beschleunigt werden kann durch realistische Regulationen, angemessene Bildung sowie eine Selbstwertsteigerung der Menschen. Damit eine Restriktion des Alkoholkonsums erfolgreich sein kann, muss auf der Ebene der Regelwerke ein funktionierender Mechanismus zur Umsetzung, Beobachtung und Auswertung installiert werden. Ein nationaler Konsens muss gefunden werden, um dieser bedeutenden sozialen Aufgabe Gewicht zu verleihen.

Damit eine Bewegung in Richtung alkoholkontrollierender Aktivitäten dauerhaft erfolgreich sein kann, sollten die Menschen und die Gesellschaft insgesamt bereit sein, den Konsum von Alkohol zu stoppen. Die Alkoholabhängigen selbst müssen ihre Gewohnheiten grundlegend ändern. Eine Veränderung in Richtung eines gesunden, alkoholfreien Lebens ist nur durch das Eigeninteresse einer Person, nicht aber durch Zwang möglich.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

Credits

Image Title Autor License
Betunkene_auf_dem_Oktoberfest_an_der_Wand_der_Festleitung Betunkene_auf_dem_Oktoberfest_an_der_Wand_der_Festleitung Usien CC BY-SA 3.0