Ess-Brech-Sucht und Binge-Eating-Störung

nervBulimia nervosa und Binge-Eating-Störung

Veranstaltungsdaten

Datum
21. 2. 2017
Veranstalter
Mini-Med Studium
Ort
Van-Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien
Veranstaltungsart
Vortrag
Teilnehmer
Ao. Univ.-Prof. Dr. Ursula Bailer, FAED, Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitung der Ambulanz für Essstörungen, AKH Wien

Frau Prof. Ursula Bailer, FAED, hielt am Abend des 21.2.2017 im Van-Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien den zweiten Teil der Veranstaltung mit dem Titel „Zu wenig und zu viel – haben wir ein gestörtes Verhältnis zum Essen?“ ab. Als Leiterin der Ambulanz für Essstörungen am AKH Wien (seit 2001) konzentrierte sie sich auf Essstörungen, bei denen ein „Zuviel“ an Ernährung aufgenommen wird, insbesondere also die Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung.

Sie begann ihren Vortrag mit dem Hinweis darauf, dass auch diese Störungen in den meisten Fällen mit einer Diät bzw. einem übermäßig rigiden Essverhalten beginnen würden, obwohl bei beiden eine übermäßige Nahrungsaufnahme im Vordergrund stehe.
In diesem Zusammenhang verweist sie auf die eventuell  persönlich gemachte Erfahrung, dass, wenn eine Diät begonnen werde, die Gedanken sehr stark um das Essen zu kreisen beginnen bzw. eine übermäßige Beschäftigung mit Nahrungsmitteln auftrete.

Das eigentlich zu Vermeidende werde somit zum zentralen Gedankeninhalt.

In weiterer Folge führe dies sowohl psychopathologisch als auch klinisch und im Alltag zum Kontrollverlust; Essanfälle könnten davon die Folge sein, d.h. in sehr kurzer Zeit werde eine übermäßige Menge an Nahrung aufgenommen.

Auch das Halten einer Diät per se könne zu einer sehr selektiven Nahrungsaufnahme wie dem speziellen Zerteilen von Nahrungsmitteln führen sowie einer spezifischen ungewöhnlichen Kombination von Nahrungsmitteln (bspw. salzig und süß). Weitere Folgen eines Diäthaltens können Depressivität, Gereiztheit und bei längerer Dauer sozialer Rückzug, Isolation sowie Beeinträchtigung schulischer bzw. beruflicher Leistungen sein.

Das Diäthalten gehe somit nicht spurlos an einer Person vorbei – möglich seien auch Veränderungen der Familienstruktur, potenzielle sekundäre Krankheitsgewinne für die Patienten und auch die bereits im ersten Teil erwähnte Veränderung neuronaler Regulationsstrukturen durch die Nahrungseinschränkung.

Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)

Die Charakteristik dieser Erkrankung seien insbesondere die unkontrolliert stattfindenden Essanfälle. Im Rahmen dieser Anfälle würden große Nahrungsmengen in sehr kurzer Zeit gegessen, was mit einem Gefühl des Kontrollverlustes einhergehe. Trotz dieser Anfälle bestehe in den Zeiten dazwischen eine übermäßige Beschäftigung mit der Nahrungsaufnahme, eine Gier bzw. ein Zwang zu essen.

Ähnlich des Subtyps des „Purging-Typs“ bei Anorexiepatienten, bei denen ebenfalls Essanfälle auftreten, versuchten Bulimiepatienten einer Gewichtszunahme durch die Anfälle entgegenzuwirken.

Bei den einzelnen Anfällen würden häufig bis zu 8000 Kalorien aufgenommen. Zu den häufigsten Kompensationsmechanismen gehörten das selbstinduzierte Erbrechen, ein stark restriktives Essverhalten zwischen den Essanfällen (was diese in der Folge wiederum provoziere), Missbrauch von Laxantien, Diuretika, Schilddrüsenmedikation oder Appetitzüglern.

Ebenfalls sehr häufig sei ein exzessives zwanghaftes Betreiben von Sport in der Intention, die aufgenommene Kalorienmenge zu verbrennen (siehe Kriterien der Bulimia nervosa laut amerikanischem Diagnosemanual). Eine weitere Besonderheit seien Patienten mit sowohl einer Diabetes mellitus als auch einer Essstörung, welche oftmals sogenanntes „Insulin-Purging“ zur Gewichtsabnahme betreiben würden (das Auslassen entsprechender Insulinapplikation). Eine entsprechende Einstellung bzw. Behandlung der Zuckerkrankheit sei bei diesen Patienten kaum möglich.

Analog den anorektischen Patienten läge auch bei Bulimikerinnen eine Gewichtsphobie vor, d.h. eine extreme Angst davor, dick zu sein bzw. Gewicht zuzunehmen, obwohl Normalgewicht bestehe. Häufig käme auch ein Pendeln zwischen Anorexia und Bulimia nervosa vor, die Übergänge seien fließend.

Die Kriterien der Bulimia nervosa laut amerikanischem Diagnosemanual (DSM-IV)

  1. Wiederkehrende Episoden von Essanfällen. Eine Episode ist charakterisiert durch: Essensaufnahme in einer kurzen Zeitspanne (bis zu 2 Stunden), die Nahrungsmenge ist definitiv größer, als die meisten Menschen in einer vergleichbaren Zeit unter ähnlichen Umständen essen würden. Ein Gefühl des Kontrollverlustes während des Essanfalles (das Essen nicht stoppen oder nicht kontrollieren zu können, was bzw. wie viel gegessen wird).
  2. Wiederkehrendes, unangemessenes Kompensationsverhalten, um eine Gewichtszunahme zu verhindern, wie selbst induziertes Erbrechen, Abusus (Missbrauch) von Laxantien, Diuretika, Klistieren oder anderer Medikation, Fasten oder exzessive sportliche Übungen.
  3. Essanfälle und unangemessene Kompensationsmechanismen treten im Schnitt mindestens zweimal wöchentlich für drei Monate auf.
  4. Die Selbstwahrnehmung ist unangemessen stark durch die Figur und das Gewicht beeinflusst.
  5. Die Störung tritt nicht ausschließlich während Episoden einer Anorexia nervosa auf (in dem Fall handelt es sich um Anorexia nervosa: bulimischer Typ).
Auch im Rahmen der Bulimia nervosa werde zwischen einem „Purging-Typus“ und einem „Non-Purging-Typus“ unterschieden. Der Purging-Typus kompensiere dabei eine potenzielle Gewichtszunahme durch Erbrechen bzw. den Gebrauch von Laxantien, der Non-Purging-Typus durch extremen Sport oder Hungerperioden zwischen den Essanfällen.

Indirekte Hinweise

Während es sich bei der Anorexia nervosa oft um eine Blickdiagnose handele, werde die Bulimie häufig nicht erkannt. Frau Prof. Bailer gibt an, selbst immer wieder erstaunt zu sein, wie häufig und lange Patienten eine Bulimie vor ihrer Familie geheim halten könnten. Die Patienten bräuchten oft sehr lange, um das Schamgefühl zu überwinden und sich Hilfe zu suchen.

Für die Bulimie gäbe es häufiger indirekte Hinweise. Dazu gehörten eine Hypertrophie (Anschwellung) der Speicheldrüsen (Parotiden), was zu einem mumpsartigen Aussehen führe. Häufig werde der Verdacht auch von Zahnärzten gestellt, welche Zahnschäden (Schmelzdefekte, Kariesentwicklung, Lockerung von Füllungen) durch den sauren Mageninhalt feststellten. Häufig sehe man auch Mundwinkelrhagaden (Einrisse an den Mundwinkeln) und eine Hornhautbildung (Kallus) an der Streckseite des Zeigefingers (durch Kontakt der Schneidezähne mit dem Finger beim Auslösen des Würgereflexes, auch als „Russel Sign“ bekannt). Je nach Erfahrung mit dem Erbrechen könnten auch Petechien (Anm. d. Autorin: punktförmige Einblutungen) an verschiedensten Körperstellen vorkommen.

Binge-Eating-Störung (Störung mit Essanfällen)

Die Binge-Eating-Störung sei ebenfalls durch extreme Essanfälle charakterisiert, die mit einem großen Leidensdruck seitens der Patienten einhergingen. Ähnlich der Bulimia nervosa würden diese Anfälle oft heimlich und alleine geschehen. Das Verhalten sei für die Betroffenen meist sehr schambehaftet.

Die im Anfall aufgenommene Kalorienmenge sei oft noch größer als bei der Bulimie.

Nach einem Essanfall fühlten sich die Patienten von sich selbst angeekelt, deprimiert und hätten große Schuldgefühle. Die Patienten würden massiv unter der Binge-Eating-Störung leiden.

Definiton der Binge-Eating-Störung laut amerikanischem Diagnosemanual (DSM-IV)

  • Wiederholte Episoden von „Essanfällen“, die folgendermaßen charakterisiert sind:
  1. Essen einer Nahrungsmenge in einem abgrenzbaren Zeitraum, die definitiv größer ist, als die meisten Menschen in einem ähnlichen Zeitraum unter ähnlichen Umständen zu sich nehmen würden.
  2. Ein Gefühl des Kontrollverlustes über das Essen während des Anfalls.
  • Die Essanfälle treten zusammen mit mindestens drei der folgenden Symptome auf:
  1. Wesentlich schneller essen als normal.
  2. Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl.
  3. Essen großer Nahrungsmengen, obwohl man sich nicht hungrig fühlt.
  4. Alleine essen aus Verlegenheit über die Menge, die man isst.
  5. Ekelgefühle gegenüber sich selbst, Deprimiertheit oder Schuldgefühle nach übermäßigem Essen.
  • Es besteht ein deutliches Leiden im Bezug zu den Essanfällen.
  • Die Essanfälle treten im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen in der Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auf.
  • Die Essanfälle gehen nicht mit dem Einsatz von unangemessenen kompensatorischen Verhaltensweisen einher, wie:
  • Fasten
  • Medikamentöser Missbrauch (Laxanzien oder Diuretika)
  • Exzessives Sporttreiben
  • Sie treten ebenfalls nicht ausschließlich auf im Verlauf von:
  1. Anorexia nervosa
  2. Bulimia nervosa
Der große Unterschied zur Bulimie bestehe darin, dass diese Patienten keine kompensatorischen Maßnahmen nach einem Essanfall ergreifen würden. Aufgrund der großen unverbrauchten Kalorienmengen führe eine Binge-Eating-Störung über einen längeren Zeitraum zu Übergewicht.

Häufigkeit der Bulimie und Binge-Eating-Störung

In der Hochrisikogruppe der 15- bis 35-Jährigen (Altersgipfel um das 18. Lebensjahr) sei die Bulimie etwas häufiger als die Anorexie anzutreffen.

Die Punktprävalenz (Häufigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt) liege bei ca. 1%, wiederum seien 90-95% der Patienten weiblichen Geschlechts. Subsyndromale Ausprägungen (hier liegt nicht das Vollbild der Erkrankung vor) seien um einiges häufiger anzutreffen, Fr. Prof. Bailer spricht von einer Prävalenz von bis zu 20%. Das Diäthalten als Risikofaktor für die Entstehung einer Essstörung sei insbesondere unter Mittelschülerinnen sehr verbreitet und stelle oft ein Gruppenereignis dar.

Die Binge-Eating-Störung habe mit 2-5% eine noch höhere Punktprävalenz in der Bevölkerung. Bei dieser Störung seien mit fast einem Drittel der Patienten auch wesentlich mehr Männer betroffen. Nur ein kleiner Teil der übergewichtigen Population jedoch leide an einer Binge-Eating-Störung.

Im Rahmen von Abnehmprogrammen gäbe es jedoch häufig eine Anzahl von Personen mit Binge-Eating-Störung. Wichtig wäre laut Fr. Prof. Bailer hier das Erkennen und Diagnostizieren der Erkrankung. Auch unter Patienten, welche sich einer bariatrischen Operation (Übergewichtschirurgie) unterziehen, seien Binge-Eating-Störungen durchaus verbreitet.

Prognose und Verlauf von Bulimie und Binge-Eating-Störung

Bei der Bulimie handele es sich um eine Erkrankung, die zwar gut auf die Therapie anspreche, jedoch mit einer recht hohen Rückfallsrate vergesellschaftet sei. Es handele sich im wahrsten Sinne um ein Geduldsspiel mit einer langjährigen Betreuung der Patienten, in der insbesondere die Rückfallprophylaxe von Bedeutung sei. Man müsse insbesondere auch die Patienten schulen, entsprechendes Verhalten frühzeitig zu erkennen und abzuwenden.

Die Erfolgschancen der Therapien (aus psychotherapeutischer Sicht, insbesondere Verhaltenstherapie und interpersonelle Therapie) seien dennoch recht gut, 50% der Patienten erreichten danach eine Remission, 70% würden nach der Therapie nicht mehr die Kriterien einer Essstörung erfüllen.

Die Binge-Eating-Störung, bei der Übergewicht ein prognostisches Problem darstelle, könne auch zum metabolischen Syndrom (setzt sich zusammen aus Diabetes Mellitus, arterieller Hypertonie und der Hyperlipidämie) führen. Weiters neige diese Erkrankung zur Chronifizierung und unglücklicherweise ebenfalls zu Rückfällen. Viele Patienten würden erst als Folge der Gewichtszunahme durch die Erkrankung Hilfe aufsuchen, anstatt bereits im Rahmen der Essanfälle.

Komorbiditäten (begleitende Erkrankungen)

Insbesondere die Bulimia nervosa, aber auch die Binge-Eating-Störung kommen gehäuft mit anderen psychiatrischen Erkrankungen vor. Nur sehr selten sei jemand isoliert von einer der Essstörungen betroffen. Zu den Aufgaben des Klinikers gehöre bei solchen Störungen immer eine schnelle und gründliche Abklärung potenzieller weiterer Leiden.

Sowohl affektive Störungen (z.B. Depression) als auch Angststörungen seien unter Essgestörten weit verbreitet, bei Bulimikerinnen zeige sich zusätzlich häufig eine Substanzabhängigkeit (z.B. Alkohol) bzw. impulshaftes Verhalten (z.B. selbstverletzendes Verhalten). Dies bedürfe in der Folge einer fokussierten Therapie.

Ursachen der Essstörungen

Wie bereits im ersten Teil des Vortrags erwähnt, handele es sich um Erkrankungen mit einer multifaktoriellen Genese, welche nicht nur auf das zeitgenössische Schönheitsideal geschoben werden könnten. Ähnlich wie die Anorexie gäbe es auch die Bulimie bereits wesentlich länger und schon seit einer Zeit, als das Ideal noch einem völlig anderen Körpertyp entsprochen habe. Die Faktoren (Genetik, Neurobiologie, psychotherapeutische Theorien) seien wesentlich komplizierter, als man oftmals annehme, und würden zudem untereinander interagieren.

Bei jedem Patienten sei auch der Einfluss der verschiedenen Faktoren unterschiedlich stark ausgeprägt, die Ausarbeitung dieser sei auch eine große Aufgabe in der Therapie.

Risikofaktoren für Bulimie und die Binge-Eating-Störung

Zu den unspezifischen Risikofaktoren gehörten ein sexueller Missbrauch in der Vorgeschichte und eine negative Selbstbewertung, insbesondere gepaart mit perfektionistischen Ansprüchen. Zu den spezifischen Risikofaktoren der Bulimie gehöre eine elterliche Adipositas sowie eigenes Übergewicht in der Kindheit. Dahinter stehe oft der Wunsch, nicht wie die eigenen Eltern zu enden.

Prof. Bailer über die Therapie der Essstörungen

Therapie von Bulimie und Binge-Eating-Störung

Es sei zwar häufig ein starker Leidensdruck bei Bulimikerinnen und Patienten mit Binge-Eating-Störung vorhanden, deren Therapieideen seien jedoch dennoch oftmals nicht mit jenen der Kliniker vereinbar. Häufig bestünde der Wunsch, lediglich die Essanfälle zu reduzieren/eliminieren, ein regelmäßiges Essverhalten würden viele Patienten jedoch nicht anstreben.

Der Wunsch nach einer Gewichtsabnahme, der häufig noch bestünde, passe mit der Therapie nicht zusammen (diese lehrt ein regelmäßiges Essverhalten).

Beim Patienten die richtige Motivation und Einsicht herzustellen, könne oft länger dauern (Stichwort Geduldsspiel).

Im Rahmen der Bulimie führe oft das häufige Erbrechen zu zahlreichen Folgekomplikationen, wozu beispielsweise Elektrolytentgleisungen (Veränderungen der Körpersalze) gehörten, welche einer entsprechenden Behandlung bedürften.

Die Selbsthilfe habe in der Behandlung dieser Essstörungen einen großen Stellenwert als erster Schritt der Therapie. Manchmal sei dies die einzige Hilfe, die für Patienten notwendig sei.

Die Therapie der Wahl jedoch sei gewiss eine Psychotherapie, die je nach Schweregrad ambulant oder stationär durchzuführen sei.

Wichtig sei ebenfalls, dass die Therapie von entsprechend geschulten Personen mit Fachwissen über Essstörungen durchgeführt werde. Dies sei in der Praxis häufig nicht der Fall. Die medikamentöse Therapie habe insbesondere bei diesen Essstörungen einen großen Stellenwert.

Gerade bei der Bulimie habe sich ein stufenbasiertes Programm als besonders hilfreich erwiesen. An erster Stelle gäbe es hier Selbsthilfeprogramme in Buchform sowie Psychoedukation sowohl der Betroffenen als auch der Familie. Die Selbsthilfe werde von den Patienten persönlich durchgeführt, könne jedoch auch angeleitet sein. Diese könne auch von Nicht-Fachleuten angeboten werden.

Je nach Schweregrad könne auch eine kognitive Verhaltenstherapie vonnöten sein. Mit dieser erreiche man durchaus passable Remissionsraten, die jedoch durch eine kombinatorische Medikamentengabe noch gesteigert werden können.

Hier würden insbesondere Antidepressiva Verwendung finden, im Vordergrund stehen hier die selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer, da diese zudem eine appetitregulierende Wirkung hätten und somit antibulimisch wirkten. Mit diesen Medikamenten sei es möglich, die Anzahl der Essanfälle zu reduzieren, sie sollten jedoch über einen längeren Zeitraum angewendet und keinesfalls plötzlich abgesetzt werden.

Bild: Prof. Bailer berichtet über die Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Bulimie

Prof. Bailer berichtet über die Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Bulimie

Bei der Binge-Eating-Störung gäbe es ebenfalls ein Selbsthilfeprogramm mittels eines Buches. Auch habe sich bei dieser Erkrankung die kognitive Verhaltenstherapie als besonders wirksam erwiesen.

Bei den Patienten stehe oftmals der Wunsch nach Gewichtsreduktion im Vordergrund, aus therapeutischer Sicht jedoch habe eine Normalisierung des Essverhaltens Priorität und erst in weiterer Folge die Gewichtsreduktion.

Mögliche medikamentöse Therapien der Binge-Eating-Störung umfassen ebenfalls selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (Antidepressiva) sowie Antikonvulsiva (Anmerkung der Autorin: Bei Antikonvulsiva handelt es sich um Medikamente gegen Epilepsie). Eine erfolgreiche Reduktion der Essanfälle sei oftmals mittels kombinatorischer Psychotherapie und medikamentöser Therapie möglich, die Störung neige unglücklicherweise jedoch ebenfalls zu Rückfällen.

Das Interesse an der Thematik ließ sich am beinahe vollständig gefüllten Van-Swieten-Saal ablesen. Die Experten standen im Anschluss an den Vortrag noch für Fragen zur Verfügung, auch diese Möglichkeit wurde vom Publikum ausgiebig genutzt. Beiden Vortragenden gelang es sehr gut, fachlich komplexe Informationen auf verständlichem Niveau zu vermitteln.

Credits

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nervBulimia nervosa und Binge-Eating-Störung nervBulimia nervosa und Binge-Eating-Störung Johanna Bickel CC BY-SA 4.0
Prof. Bailer über die Therapie der Essstörungen Prof. Bailer über die Therapie der Essstörungen Johanna Bickel CC BY-SA 4.0
Prof. Bailer berichtet über die Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Bulimie Prof. Bailer berichtet über die Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Bulimie Johanna Bickel CC BY-SA 4.0