Das Hornbill Festival

Hornbill_Festival,_Pix_by_Vikramjit_Kakati

Ich hatte von meinen Freunden viel über das Hornbill Festival gehört. Es wird „das Festival der Festivals“ genannt und findet jedes Jahr in der ersten Dezemberwoche im indischen Bundesstaat Nagaland statt. Sehr viele meiner Freunde hatten es schon besucht, und von allen erhielt ich verlockende Berichte. Nachdem ich von den verschiedenen Erlebnissen gehört und Fotos des Festivals gesehen hatte, entschloss ich mich endlich zu einem Besuch in Nagaland im Dezember, um das Hornbill Festival selbst zu erleben.

Das Hornbill Festival ist ein großes Ereignis im Nordosten Indiens und zieht nicht nur Menschen aus ganz Indien, sondern auch viele Touristen aus anderen Ländern an. Daher ist klar, dass Flug und Unterkunft ziemlich früh geplant werden müssen. Ich wollte das Festival auf keinen Fall verpassen und buchte daher sowohl die Tickets als auch mein Hotelzimmer schon sechs Monate vorher.

Ich flog zunächst nach Assam und von Guwahati (der Hauptstadt Assams) weiter nach Dimapur, einer Stadt in Nagaland. Von Dimapur musste ich ein Taxi nehmen nach Kohima, der Hauptstadt von Nagaland. Das Hornbill Festival findet in Kisama statt, einem zehn Kilometer von Kohima entfernt gelegenen Dorf. Die Fahrt nach Kohima war wirklich schön, und die zwei Stunden flogen kaum merklich dahin wie Sekunden. Während der Fahrt sah ich viele Kriegerhütten oben auf den Felsen, die über die üppig grünen Täler wachten. In Kohima traf ich zwei Freunde aus Nagaland, und zusammen ging es weiter nach Kisama.

Es war mein erstes Mal in Nagaland, und daher war ich wirklich sehr aufgeregt. Ich wurde in Assam geboren, dem direkt benachbarten Bundesstaat, und wuchs daher mit vielen Geschichten auf über die Folklore des Nagalands und der verschiedenen Stämme, die den Staat bewohnen. Für mich bedeutete der Besuch in Nagaland ein Erleben all dessen, was ich zuvor über die Menschen und die Kultur dort gehört hatte.

Mein Freund erzählte mir, dass das Festival nach dem majestätischen Doppelhornvogel benannt ist, der auf Englisch „Great Hornbill“ heißt. Dieser Vogel wird in Nagaland verehrt und ist Mittelpunkt der Folklore, die während des Festivals zu sehen ist. Ich war froh, meine Naga-Freunde als Begleitung bei diesem Ereignis zu haben.

Das Hornbill Festival wird vom staatlichen Tourismusamt und dem Art & Culture Department of Nagaland organisiert. Mir wurde gesagt, dass beim Festival traditionelle Stammestänze, Volkskunst, Volksmusik und Spiele aufgeführt und gezeigt würden. Ich war wirklich gespannt und aufgeregt, als ich Kisama erreichte!

Als wir dort ankamen, konnte ich große Plakate sehen, die Naga-Leute in ihren traditionellen Trachten zeigten. Ihre Bilder wirkten so exotisch und bezaubernd! Tatsächlich würde ich sagen, dass es mich schon beim Blick auf diese Plakate gepackt hat. Und so begann ich mich zu fragen, wie ich mich wohl fühlen würde, wenn ich erst mitten in den Festlichkeiten wäre.

Als ich den Veranstaltungsort erreichte, sah ich, dass es ein riesiges Amphitheater war. Es war umgeben von etlichen traditionellen Hütten, die als Pausenräume für die Teilnehmer sowie als Restaurants, Museen und Gemeinschaftsräume dienten.

Ich war besonders beeindruckt von den Pausenräumen: Es waren „Morungs“, traditionelle Hütten. Diese Hütten überall um das Veranstaltungsgebäude herum gaben uns das Gefühl, in einem Naga-Dorf zu sein. Auf dem Gelände standen eine ganze Reihe von Morungs, weil jede teilnehmende Gemeinschaft ihre eigene Hütte zugewiesen bekam. Meine Freunde erzählten, dass es in vielen Naga-Dörfern traditionell ein Morung  gibt, in dem die Jungen von einem Mentor ins Erwachsenenleben der Naga eingeführt werden.

Das Hornbill Festival feiert die Traditionen und das kulturelle Erbe des Nagalandes. Alle großen Stammesgemeinschaften, die das Nagaland bewohnen, kommen dabei zusammen und vermischen und vergnügen sich gemeinsam bei Tanz, Gesang, Essen und Trinken. Man könnte sagen, dass sie auf diese Art ihr uraltes Ethos unsterblich machen. Ich spürte, dass das Festival nicht nur zur Präsentation der traditionellen Kultur der verschiedenen Stämme abgehalten wird, sondern auch ein Weg ist, um die Einigkeit und Solidarität zwischen den verschiedenen Gemeinschaften zu stärken.

Während der mehrtägigen Veranstaltung sah ich die Stammesgemeinschaften, die ihre traditionellen Trachten und Tänze vorführten und ihr tägliches Leben sowie die Bräuche ihrer jeweiligen Stammesfeste zeigten. Diese Stammesgemeinschaften sind normalerweise Kriegergemeinschaften, und daher kann man bei diesem Festival auch Kriegstraditionen erleben wie die Schlachtrufe der verschiedenen Naga-Stämme und den pulsierenden Rhythmus ihrer Kriegstrommeln. Der schwere, hämmernde Klang der Trommeln, die aus ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt werden, war elektrisierend!

Die Stammestänze waren Darstellungen der heroischen Geschichten vom Sieg, und die Tänzer trugen farbenfrohe Aufmachungen, dekoriert mit bunten Perlen und vielfarbigen Speeren.

Als Feinschmeckerin genoss ich besonders die Delikatessen der Naga. Ich ging von einem Essensstand zum anderen und probierte fast alles. Ich möchte vor allem den Naga King Chili erwähnen, der 2007 vom Guinness Buch der Rekorde als schärfster Chilipfeffer der Welt anerkannt wurde. Und ihr werdet nicht glauben, dass während des Festivals ein Esswettbewerb mit King Chilis stattfindet! Es war verrückt, den Leuten dabei zuzusehen, wie sie eine dieser superscharfen Chilis nach der anderen aßen.

Eine andere Spezialität, die ich liebte, war das lokale Reisbier, das an den Ständen serviert wurde. Eine weiterer interessanter Wettbewerb, den ich beim Festival kennenlernte, war der Wettkampf im Bambusstangen-Klettern. Es war sehr unterhaltsam, weil die Bambusstangen mit Schweinefett eingerieben worden waren, was es extrem schwierig macht, hinaufzuklettern. Es war sehr lustig zu sehen, wie die Teilnehmer ihr Bestes gaben, aber immer wieder herunterrutschten!

Obwohl ich nicht ganz dieser Meinung bin, sehen viele das Hornbill National Rock Concert als den Höhepunkt des Festivals an. Es ist das größte Rockfestival Indiens und zieht Bands aus dem ganzen Land an. Die Abende waren voller lauter Musik und Tanz. Es steht außer Frage, warum das Hornbill Festival das „Festival der Festivals“ genannt wird!

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

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Hornbill_Festival,_Pix_by_Vikramjit_Kakati Hornbill_Festival,_Pix_by_Vikramjit_Kakati Vikramjit Kakati CC BY-SA 4.0