Ende der Negativwahlkämpfe in Sicht?

Negativwahlkampf #1: USA

Wahlkampf um den US-Präsidenten: Die Eindrücke für den Europäer mögen durch den Weg über den Atlantik verfälscht worden sein, und doch bleibt mir klar der Eindruck: Einen Wahlkampf, der so sehr durch Negativwerbung gegen den jeweiligen Konkurrenten geprägt war, habe ich noch nie beobachtet.

Selbst die jeweiligen Lager scheinen gar nicht an Vorzüge ihrer eigenen Kandidaten zu glauben. Im Wissen, dass sie mit Hillary Clinton und Donald Trump außergewöhnlich unbeliebte Kandidaten aufgeboten haben, scheinen mir Demokraten und Republikaner nur durch ein Ziel für die Wahl motiviert: Nicht, damit ihr eigener Kandidat Präsident wird, sondern damit der jeweils andere bloß nicht ins Weiße Haus einzieht, unterstützen sie Clinton oder Trump.

Die Kandidaten scheinen Bescheid zu wissen. Fast möchte man meinen, Hillary und Donald opfern sich geradezu auf, damit den USA ihr Konkurrent als Präsident erspart bleiben möge. So wird dieser Wahlkampf zur Parodie eines demokratischen Wahlkampfes, in dem ja an sich die jeweils Besten ihrer Parteien mit den besten Konzepten und sachpolitischen Ideen um Wählerstimmen werben sollten, statt sich E-Mails und Sexskandale gegenseitig um die Ohren zu klatschen.

Endgültige Abgründe sind die Offenbarung Donald Trumps in seinen Sexskandalen und die Enthüllungen über Hillary Clintons Vorwahlkampf.

Dass die Sexgeschichten Donald Trumps an die Öffentlichkeit gehen, werfe ich den Demokraten nicht vor, sofern sie stimmen. Es sieht so aus, als ob Trump den unreifen Charakter, der sich aus all seinen Auftritten erahnen lässt, in den Sexskandalen einfach nur noch deutlicher offenlegt. Doch jedem, dem der feministische Habitus Hillarys suspekt ist, sollten Charaktere wie Donald Trump umso mehr verdächtig sein. Gerade die heimlichen Grabscher, die Wohnzimmermachos und verklemmten Triebmenschen unter den Männern sind es, welche politisch und gesellschaftlich mit gezeigtem Mütterkult und mit Männerbenachteiligungen kompensieren wollen.

Solche Typen haben die Lage der Männer im hier und heute zuerst verschuldet, nur in zweiter Reihe die Feministen.

Dass Donald Trump nichts Besseres einfällt, als mit ähnlichen Beschuldigungen wie gegen ihn Bill Clinton zu attackieren, lässt den Wahlkampf zunehmend ins Blödsinnige abdriften und zeigt, dass Donald Trump vor unbewiesenen sexuellen Beschuldigungen gegen andere Männer nicht zurückschreckt.

Umgekehrt taucht bei Hillary auf, was mir sehr zu denken gibt. Nein, nicht die ausgelutschte E-Mail-Affäre, welche ihr Trump am liebsten noch auf den Grabstein sprayen würde, die vermutliche Beeinflussung des Vorwahlkampfes der Demokraten ist der wahre, große Skandal.

Mit Wehmut denke ich daher an US-Wahlkämpfe zurück, welche unvergleichlich bessere Angebote hatten. In Wahlkämpfen wie Barack Obama gegen Mitt Romney erlebten wir schon deshalb ein spannendes Duell zweier Profis, weil beide es zustande brachten, die gegnerischen Lager nicht abzuschrecken. Ist bloß meine Erinnerung verklärt, oder sind die Schmutzkübel damals gar nicht ausgeleert worden?

Negativwahlkampf #2: Österreich

Bleibt nur zu hoffen, dass sich Van der Bellen und Hofer jetzt nicht von der US-Wahl dabei anstecken lassen, schon wieder den anderen als Beginn von Österreichs Untergang darzustellen.

Norbert Hofer soll sich bitte diesmal sparen, die Wähler glauben zu machen, Alexander Van der Bellen würde alleine für Österreich das Abkommen TTIP unterschreiben. Zum einen könnte er das nicht, zum anderen sehen wir an CETA, dass die Kritik der Europäer selbst bei diesem vergleichsweise harmlosen Abkommen nicht mehr übergangen werden kann. Norbert Hofer soll sich lieber auf seine Stärken besinnen und sich geschickt jedem Lager außerhalb der FPÖ öffnen.

Alexander Van der Bellens Plakate, die sagen wollen, nur er rette das Ansehen Österreichs, sind ein Seitenhieb auf Norbert Hofer. Unsere Freunde aus den EU-Staaten mögen zwar Norbert Hofer jetzt nicht. Doch auch sie werden Hofer freundlich das Patschhändchen geben, wenn sie etwas von Österreich wollen, daher kann sich das VdB-Lager den Seitenhieb sparen. Alexander Van der Bellens Auftritt als „Alm-Öhi“ ist zwar zum Schmunzeln, doch immerhin sympathisch. Zwar will seine plötzlich entdeckte Urigkeit noch nicht so recht ankommen, doch allein der Versuch ist ein wichtiger Schritt: Ein urbaner Intellektueller zeigt Bemühen um Menschen, die er bisher noch nicht erreichen konnte.

Möglicherweise hat die Wiederholung dieser Stichwahl ein Gutes: Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Parteien und Kandidaten sich auf ihre Stärken und Vorzüge besinnen, damit um Wähler werben und nicht zuletzt aus diesem Grund an ihren Stärken arbeiten, statt Schwächen des Gegners zu suchen.

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four-presidents Patryk Kopaczynski CC BY-SA 4.0