Haselsteiner: Dreimal danebengeschossen

Darts - drei mal daneben

Vorab: Bei der Wahl zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen beziehe ich keine Position. Ich halte mich von Lagerwahlkämpfen grundsätzlich fern, und fast ausschließlich darum geht es schlussendlich in dieser Wahl.

Die bisher unerträglichste Zuspitzung jedoch kam jüngst ausnahmsweise nicht von rechts, nein von, nun, wie nennen wir das andere Lager… nicht links, liberal auch nicht so recht, konservativ sowieso nicht, dann noch mit einem kleinen, aber auch zu dünnem Schuss 68-er-Geist und homoöpathischen Ökospuren? – Ja, vom Nicht-FPÖ-Lager eben, nennen wir das Lager „alles außer Blau“.

Mit absolutem Negative-Campaining wirbt Hans-Peter Haselsteiner massiv gegen Norbert Hofer. Der lässt uns nämlich, so inseriert Haselsteiner, alle arbeitslos und isolierter als die Nordkoreaner werden, weil Hofer ja, was ihm zwar als Präsident gar nicht möglich wäre, aber ja vielleicht als „Zauberer“, aus der EU austritt – ganz allein mit dem wehrlosen Österreich im Schlepptau.

Doch, wohlgemerkt nicht um Norbert Hofer in Schutz zu nehmen, sondern die Kontraproduktivität dieser Aktion zu kritisieren: Haselsteiner schießt scharf aus allen Rohren, doch seine geballte Artillerie geht voll daneben:

  1. Zu früh geschossen: Gut, das konnte Hans-Peter Haselsteiner nicht wissen: Die Wahl wird verschoben. Und doch, wer so negativ vorgeht, wird zum Schaden den Spott erhalten. Wenn er die Kampagne im November nochmals startet, zieht sie nicht mehr. Mein Mitleid ist endenwollend.
  2. Auf den Falschen geschossen: Wenn Haselsteiner sich jetzt wildentschlossen auf Norbert Hofer einschießt, verpulvert er die gesamte Munition doppelt falsch, denn ein zweites Mal, bei der Nationalratswahl, wirkt die Kampagne nicht mehr. Jetzt will er mit allen Mitteln den ohnehin gegenüber Strache zahmer und flexibler wirkenden Norbert Hofer für das ohnehin zahme Amt des Bundespräsidenten verhindern. So verbraucht Haselsteiner alle Energie, welche er, wenn er sachpolitisch den Öxit verhindern will, einem anderen Gegner widmen sollte: Heinz-Christian Strache als möglichen Bundeskanzler. Überdies ist es taktisch für jeden FPÖ-Gegner gut, wenn Hofer für fast 12 Jahre in der Hofburg verräumt ist, denn die FPÖ hätte mit einem Kanzlerkandidaten Hofer statt Strache bessere Chancen auf die Macht.
  3. Sich selbst ins Knie geschossen: Hat er das nicht bemerkt? Vom Öxit spricht doch keiner mehr. Hofer ist ja ein schlaues Kerlchen. Er hat schon längst bemerkt dass ihm die früheren Öxit-Szenarien wahltaktisch gar nichts bringen und hat dem EU-Austritt öffentlich abgeschworen. Jetzt gibt es nur mehr einen, der große Werbeflächen mit dem Öxit füllt: Ausgerechnet Hans-Peter Haselsteiner setzt uns den EU-Austritt in die Köpfe. „Denken Sie nicht an den Öxit!“… Woran denken Sie jetzt?

Österreich hat schon viele Tiefpunkte in Wahlkämpfen erlebt. Der Graben, den Hans-Peter Haselsteiner gerade geschaufelt hat, ist jedenfalls der tiefste bisher entdeckte Punkt in der Politiklandschaft: Ein Superreicher mischt sich mit hunderttausenden Euro in einen Wahlkampf ein, in dem er nicht kandidiert, ein und fährt eine eigenwillige, destruktive und noch dazu kontraproduktive Linie.

Hinweise: http://diepresse.com/home/politik/bpwahl/5080160/HaselsteinerKampagne-warnt-wegen-Oxit-vor-Hofer

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Darts - drei mal daneben Drei mal daneben Thomas Fellinger CC BY-SA 4.0