Immuntherapie – eine neue Chance im Kampf gegen Krebs

Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Imhof, Leiter der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe im Landesklinikum Korneuburg-Stockerau und Gründer des Kinderwunschzentrums imi, ist zum Kamingespräch bei Doris Peczar zu Gast und beschreibt die von ihm durchgeführte Studie zur alternativen Therapie des Eierstockkrebses.

Im Mittelpunkt der Methode stehen dendritische Zellen des Immunsystems, welche  die körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger steuern. Dendritische Zellen haben die Aufgabe, feindliche respektive potenziell krankmachende Zellen wie Bakterien und Viren zu identifizieren, indem sie von deren Oberfläche Antigene aufnehmen und diese den Killerzellen des Immunsystems präsentieren. Daraufhin attackieren die Killerzellen die solcherart identifizierten Feindzellen.

Die Zelltherapie macht sich diesen Vorgang zunutze. Die dendritischen Zellen werden aus dem Blut der Krebspatienten gewonnen und im Labor mit Informationen des jeweiligen individuellen Tumors beladen.

Da Krebszellen körpereigene Zellen sind, die vom Immunsystem nicht als fremd oder feindlich erkannt und daher auch nicht attackiert werden und zudem auch ständig ihr Erscheinungsbild wechseln, ist jeglicher immunologische Ansatz, sie als feindlich oder krankmachend zu identifizieren, zum Scheitern verurteilt.

Dennoch zeigen Krebszellen Charakteristika, die allen bösartigen Zellen gemeinsam sind und die sie von jeder gesunden Körperzelle unterscheiden: Erstens der programmierte Zelltod, typisch für gesunde Körperzellen, ist bei Krebszellen blockiert, sodass sie sich immerzu teilen. Zweitens teilen sich Krebszellen ungleich schneller als gesunde Zellen.

Bei der Immuntherapie werden die dem Patienten entnommenen dendritischen Zellen im Labor mit diesen beiden Informationen beladen und vermehrt. Anschließend werden sie dem Patienten injiziert, wandern ins Immunsystem, das dann mit der Jagd auf den Krebs beginnt.

Die Patienten zeigen meist im ersten Schritt ein spezifisches Fieber als Reaktion des Immunsystems. Darüber hinaus gibt es keine Nebenwirkungen.

Im Rahmen der Studie Phase I wurden 20 Patientinnen mit Ovarialkarzinom operiert und im Anschluss mit einem Durchlauf Chemotherapie behandelt. Danach ist der Tumor beseitigt, allerdings ist auch das Immunsystem immens geschwächt. Die Immuntherapie mittels dendritischer Zellen beschleunigt den Wiederaufbau des Immunsystems und verhindert das Wachstum eines neuen Tumors.

Ovarialkarzinom rezidiviert üblicherweise innerhalb von 13 Monaten. Die im Rahmen der Studie mittels Immuntherapie behandelten Patientinnen sind großteils auch nach mittlerweile 7 Jahren rezidivfrei. (Eine diesbezügliche Publikation wurde gerade fertiggestellt und eingereicht.)

Je früher der Tumor erkannt wird  und je stärker das Immunsystem noch ist, umso größer ist der Behandlungserfolg. Daher wäre als Perspektive in Zukunft eine „Krebsschutzimpfung“ auf Basis dieser Methode denkbar.

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Imhof Wolfgang Müller 1

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