Daniel Landau

KITCHEN TALKS: Daniel Landau zu Gast bei Johannes Tschohl

Bildungsaktivist, Cafetier, Dirigent – authentisch und echt erzählt Daniel Landau aus seinem facettenreichen Leben. Vor dem Hintergrund der Idealism prevails-Küche spricht Landau über sehr persönliche Erinnerungen, die er nie zuvor preisgegeben habe. Sein Sinn für künstlerisches Schaffen habe sich sehr früh in seiner Kindheit entwickelt: beim Puppentheater zuhause mit seinem Bruder und mit der einzigen Marionettenfigur, die er je besessen hat – einem Dirigenten. Mit einem Orchester, einer Gemeinschaft verantwortungsvoll vorzustehen und damit einen Raum mit zu erschaffen, in dem jeder eine optimale Leistung im Moment erbringen könne. Dabei sein zu dürfen, wenn dieser Moment entsteht. Gemeinsam etwas zu erreichen. Darin sieht Daniel Landau als Musiklehrer und Dirigent die Schnittmenge seiner Berufungen.

„Wir sind ein kleines Land, dessen größte Ressource letztlich der Mensch ist. Und wo, wenn nicht in den Menschen, sollten wir von Anfang an g‘scheit investieren?“

Sein Beruf ist für den Wiener zur Passion geworden. So hat er sich als Mathematik- und Musiklehrer karenzieren lassen, um sich nach zwanzig Jahren Initiativen-Tätigkeit komplett der aktiven Bildungspolitik widmen zu können. In der Überzeugung, eine Veränderung nur aus einer politischen Bewegung heraus und auf der Basis eines breiten Schulterschlusses herbeiführen zu können, war Landau zuletzt für die Grünen in Wien aktiv. Im Jahr 2011 initiierte er das Bildungsvolksbegehren gemeinsam mit Hannes Androsch, Nikolaus Glattauer und anderen namhaften Persönlichkeiten mit. Die Bewegung zielte auf eine Schulreform ab, die das Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Universität den modernen Anforderungen anpasst. Mehr als 380.000 Unterstützerinnen und Unterstützer haben das Volksbegehren mitgetragen. Auf die Frage, welche Forderungen von damals umgesetzt worden seien, konnte man Landau einen Anflug von Entgeisterung ansehen: „eigentlich so gut wie nichts“.

Eine seiner zentralen Anforderungen an das Bildungssystem ist es, für die bestmögliche individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern Mittel, Personal und Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Auch auf die zunehmende kulturelle Vielfalt nehme „das System“ zu wenig Rücksicht, sagt Landau. Mit „System“ meint er freilich zum einen „die Haltung in unser allen Köpfen“, zum anderen strukturelle Fragen, wie etwa die Ausbildung des Lehrpersonals.

„Von Anfang an war es so, dass wir leichter Leute fanden, die etwas geben, als jene, die etwas holen.“

Gegen Armut aufzutreten, heißt für ihn, an den Rändern der Gesellschaft nachzuschauen. Aber bedeutet Armut wirklich nur, etwa kein Dach über dem Kopf zu haben? Oder beginnt Armut schon dort, wenn sich Menschen keinen Lokalbesuch leisten und damit nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können? Das Cafe Tachles-Team um Landau bietet gesellschaftlichen Raum für weniger gut Situierte – und Kaffee. Cafe Sospeso um genau zu sein. Der studierte Betriebswirt lächelt, wenn er vom „abgegriffenen“, sich „an der Grenze zum Schmuddeligen“ befindlichen Kulturcafe in der Leopoldstadt spricht. Im besten Sinne. Wie man sich ein gutes, altes Wiener Kaffeehaus eben vorstellt. Die Gäste sind bunt gemischt. Von der Oberärztin bis hin zum Studenten in Geldnöten zu Monatsende. Letzteren beispielsweise soll das Sospeso-Prinzip zugute kommen. Ein wohlwollender Gast kann dabei einen Kaffee für jemand anderen im Voraus bezahlen. Die erfolgreiche Initiative wurde mittlerweile insofern ausgeweitet, als dass die Tachles-Besucher die Möglichkeit haben, Anteile an Monatsfahrkarten für Menschen mit Fluchthintergrund zu spenden. Unsere Idealism prevails Kitchentalks-Crew nützte die Gelegenheit bei einem Drehtermin vor Ort und beteiligte sich mit einer Monatskarte an dieser Aktion.

„Taxifahren bringt mit sich, meine geliebte Stadt Wien jeden Tag auf’s Neue zu erleben.“

Je größer die Gruppe, je mehr Menschen er in seinem beruflichen Leben um sich hat, desto wohler fühlt sich Landau. Er habe aber auch schon Jobs gemacht, bei denen man oft alleine ist – etwa als Taxifahrer in Wien während seiner Studienzeit. Die einsame Stehzeit am Taxistandstand sei trotzdem nie von Dauer. In der Begegnung mit Fahrgästen kann sich Landau an den ein oder anderen hochemotionalen Moment erinnern, der durch eine ungewohnte Nähe zu einem fremden Menschen entstehen kann. Von diesen und anderen Augenblicken erzählt Daniel Landau – und lässt dabei sein feingeistiges Wesen erkennen.

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Daniel Landau Daniel Landau Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
Daniel Landau-Video Daniel Landau-Video Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
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