Gemeinwohl, Umweltschutz, Nachhaltigkeit

Nachhaltige Wirtschaft und sozialer Zusammenhalt

Veranstaltungsdaten

Datum
28. 6. 2017
Veranstalter
Haus der Europäischen Union mit dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss
Ort
Haus der europäischen Union, Wien
Veranstaltungsart
Vortrag
Teilnehmer
Carlos Trías Pinto, Mitglied im europäischen Komitee für Soziales und Wirtschaft
Christian Felber, Initiator der Gemeinwohlökonomie und Buch-Autor
Jennifer Klink, Gemeinwohl-Beauftragte im Hotel Auersperg in Salzburg
Herbert Thumpser, Bürgermeister der Gemeinde Traisen
Michael Müller-Camen, Professor am Institut für Human Resource Management an der Wirtschaftsuniversität Wien
Peter Zimmerl, Vorstand der Genossenschaft für Gemeinwohl und Cay Urbanek, kaufm. Direktor des Volkstheaters

Am Mittwoch, den 28. Juni, fand ich mich im Haus der Europäischen Union ein, um einem wichtigen Thema zu lauschen: Wie können Wirtschaft und Nachhaltigkeit konkret miteinander verknüpft werden? Dazu kam ein Einblick in den Status quo und welche Probleme vorhanden seien. Darüber berichtete der Vertreter des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), Carlos Trías Pinto. Es wurde hierbei besonders das Konzept einer Gemeinwohlökonomie als Lösungsansatz zu einer nachhaltigeren, sozialeren Wirtschaft erörtert. Als Moderator fungierte Thomas Wagnsonner, ebenfalls Mitglied des EWSA.

Dieser erklärte zu Beginn kurz die Aufgabe der EWSA und führte aus, dass diese Organisation eine Plattform für den Sozialpartnerdialog mit der Europäischen Union sei, die grundsätzlich ein Expertenorgan sei und kein Politikorgan. Hier übergab Thomas Wagnsonner an Carlos Trías Pinto, der nun die Gemeinwohlökonomie als nachhaltiges Wirtschaftsmodell erörterte.

Unter Gemeinwohlökonomie verstehe man ein alternatives Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten wie Kooperation und Solidarität statt auf Konkurrenz und Gewinnmaximierung aufgebaut sei. Basis des Modells seien die Gemeinwohl-Bilanz und zwanzig inhaltliche Eckpunkte.

Hinter der Gemeinwohl-Bilanz stecke die Idee, unternehmerischen Erfolg nicht mehr als monetären Gewinn zu messen, sondern als Fortschritt eines Unternehmens zur Gemeinwohl-Ökonomie. Die Gemeinwohl-Bilanz sei  ein freiwilliges Instrument, das von Unternehmen selbst erstellt würde, später aber verpflichtenden Charakter annehmen solle.

Die zwanzig inhaltlichen Eckpunkte der Gemeinwohl-Ökonomie würden Vorschläge beinhalten wie ein Gemeinwohl-Produkt, das das Bruttoinlandsprodukt als Erfolgsindikator ablösen solle. Durch die Deckelung der Weitergaben von Erbvermögen solle eine demokratische Mitgift für Folgegeneration geschaffen werden. Die Initiierung einer fairen Handelszone würde ebenso angestrebt wie ein Schul- und Bildungssystem, das gemeinwohlorientierte Werte vermittle. Mit Hilfe von Volksabstimmungen sollten Teile des Modells auch in den Verfassungen verankert werden.

Carlos Trías Pinto begann zunächst, zum Vertrag über die europäische Union zu sprechen.

Dort würden im Artikel 3 Schlüsselbegriffe wie „Wohlergehen ihrer Völker“, nachhaltige Entwicklung , ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum, in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, Vollbeschäftigung und so weiter stehen.

Doch wie schaue das alles in der Realität aus? Hier würde nur teilweise umgesetzt werden, was im Artikel 3 stehe. Aber es gebe die Umsetzungen dieser Forderungen, wie etwa das Europäische Semester, welches die Wirtschaftspolitik Europas koordinieren soll. Dieses enthalte vor allem makroökonomische Indikatoren sowie Haushaltsindikatoren.

Es sollten aber auch soziale Indikatoren miteinbezogen werden. Es müsse das Prinzip etabliert werden, dass etwa der Verursacher für Verschmutzungen bezahlen solle und diejenigen, die Verschmutzungen entfernen, dafür belohnt werden müssten. Also ein Weg hin zum Belohnungssystem.

In Spanien etwa sei im Jahr 2014 ein Gesetz zu Aktiengesellschaften geschaffen worden. Mit dem Gesetz „31/2014“ habe man die Haftung für riskante Entscheidungen von Mitgliedern des Geschäftsführungsorgans („Board of Directors“ und in einigen Fällen für die „Managing Directors“) deutlich ausgeweitet.

Auch in der Europäischen Union gebe es in den letzten Jahren Regulierungsfortschritte: So sei die Richtlinie 2014/95/EU eingeführt worden, wo große Firmen in den Lagebericht eine nicht-finanzielle Erklärung aufnehmen müssten. Diese Erklärung habe Angaben zu enthalten, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Unternehmens sowie der Auswirkungen seiner Tätigkeit erforderlich seien und die sich mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen sollten.

Dennoch müsse die EU den Unternehmen mehr soziale Verantwortung abverlangen. Eine Möglichkeit dazu sei die Gemeinwohlökonomie. Diese habe die Maxime, dass Unternehmen dem Gemeinwohl verpflichtet seien und ihren Beitrag dazu auch erklären und dokumentieren.

Eine Orientierung dazu könne die soziale Wirtschaft sein, welche ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus deklarierten Werten und Prinzipien entstand. Es müssten Unternehmensstrategien anerkannt werden, welche der Ethik neue Impulse verleihen. Die Überwindung der Freiwilligkeit und Selbstregulierung bewege sich in Richtung obligatorischer Teilnahme und objektiver Definition von Parametern. Daher brauche es eine externe Prüfung, um die Ergebnisse bewerten zu können, ebenso wie eine Konditionalität, welche reale Rechtfolgen einführe und Belohnungen in Form von besseren Zugängen zu öffentlichen Aufträgen oder Unterstützung bei der Internationalisierung von Unternehmen.

Die Herausforderungen in der Umsetzung einer solchen Gemeinwohlökonomie bestünden darin, die EU-Institutionen, also die Europäische Kommission, das EU-Parlament sowie den EU-Rat und als auch die 28 Mitgliedsstaaten, davon zu überzeugen. Hilfreich dabei sei aber das Phänomen der neuen Ökonomie, das man ausnutzen könne.

Neue Ökonomie sei eine schlagwortartige Bezeichnung des Wirtschaftsbereichs, der in starkem Maße auf dem Internet und damit verbundenen Informations- und Kommunikationstechnologien aufbaue. Produziert und gehandelt würden in erster Linie immaterielle Güter, aber auch bei materiellen Gütern könne die neue Ökonomie etwa im Vertrieb oder in der Organisation und Vernetzung der Produktionsprozesse eine wichtige Rolle spielen. Weitere Ansatzpunkte, denen man begegnen müsse, seien die Etablierung des Gemeinwohls durch lokale und autonome Verwaltungen sowie die Stimulierung der öffentlichen Unterstützung für das Gemeinwohl.

Hier beendete Carlos Trías Pinto seinen Vortrag, und es wurde eine Podiumsdiskussion über die Gemeinwohlökonomie weitergeführt.

Beteiligte der Diskussion waren Werner Kogler, Finanzsprecher der Grünen, Fred Luks, Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien, Christian Felber, Initiator der Gemeinwohlökonomie und Buch-Autor, Jennifer Klink, Gemeinwohl-Beauftragte im Hotel Auersperg in Salzburg, Herbert Thumpser, Bürgermeister der Gemeinde Traisen, Michael Müller-Camen, Professor am Institut für Human Resource Management an der Wirtschaftsuniversität Wien, Peter Zimmerl, Vorstand der Genossenschaft für Gemeinwohl, und Cay Urbanek, kaufmännischer Direktor des Volkstheaters.

Die wichtigsten Aussagen aus dieser Diskussion sind hier nochmal zusammengefasst:

Aus der Sicht von Werner Kogler wurde geschildert, dass BIP-Gläubigkeit mit der Erkennbarkeit der Knappheit der Ressourcen weniger geworden sei, die Messmethode des Bruttoinlandsprodukt sei ungenügend, Österreich sei auch kein Vorreiter in der Ökologie. Zudem sei bis jetzt noch keine einzige ökologische Steuerreform erfolgt.

Jennifer Klink gab anhand des Hotels, bei dem sie arbeitet, das Beispiel, dass Unternehmen mit gemeinnütziger und nachhaltiger Ausrichtung sich mit dem immer bekannter werdenden Konzept der Gemeinwohlökonomie bei ihren Investoren wesentlich besser erklären könnten. Da Mehrausgaben vorliegen würden, die bei einem nicht nachhaltigen Unternehmen nicht vorhanden seien, sei es ohne dieses Konzept schwieriger, bei Investoren und Kreditgebern diese Mehrausgaben gut zu begründen.

Erwähnenswert ist auch, dass sowohl Peter Zimmerl, Vorstand der Genossenschaft für Gemeinwohl, als auch Cay Urbanek, kaufmännischer Direktor des Volkstheaters, und Herbert Thumpser, Bürgermeister der Gemeinde Traisen, die Etablierung der Gemeinwohlökonmie in ihren Instituitionen beziehungsweise in Traisen zu etablieren planen.

Weiters gab es nichts zu dem Event hinzufügen. Ich persönlich hoffe, dass sich die Gemeinwohlökonomie langsam aber sicher verbreitet.

Credits

Image Title Autor License
Gemeinwohl, Umweltschutz, Nachhaltigkeit Gemeinwohl, Umweltschutz, Nachhaltigkeit Patryk Kopaczynski CC BY-SA 4.0

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