Wohnwagon – Unterwegs in die Autarkie

Christian Frantal

Ich besuchte diesmal den ehemaligen Wohnungsplaner und jetzigen „Herz-Hirn-Handwerker“ Christian Frantal in seiner Werkstatt. Gemeinsam mit Theresa Steininger gründete Frantal das erfolgreiche, Crowdfunding-finanzierte Projekt wohnwagon.at, dessen Unternehmensziel der Bau von Wohnwagons ist. Grundziele sind die weitgehende Autarkie von Strom- und Wassernetzen, aber auch die Reduktion des Wohnraumes auf das Wesentliche:

Viele Häuser und Wohnungen würden heutzutage zwar immer größer gebaut, dann aber nur teilweise genutzt. Die Wohnwagons würden mit dem Blick auf Nachhaltigkeit und Regionalität hergestellt, natürliche Ressourcen (z.B. Holz) und Kreisläufe würden genutzt. Um das Ziel der Autarkie zu erreichen, habe sich das Projekt vielfach vernetzt und stelle sein Wissen als Open Source zur Verfügung – und habe im Gegenzug Zugriff auf die Informationen der beteiligten Firmen und Menschen. Diese Form der Kooperation sei viel fortschrittsfördernder als die klassische patentgetriebene Forschung und mache auch viel mehr Spaß. Im Arschtritt-Workshop solle den Leuten die Scheu von Werkzeugen und von komplexen Planungsschritten genommen werden. Durch die direkte Beziehung zu selbst hergestellten Gegenständen gehe der Mensch auch viel verantwortungsvoller mit diesen um.

Das Vertrauen in bzw. das sich Verlassen auf den Fortschritt der Technik sei nicht immer sinnvoll, denn viele Verbesserungen würde man nicht benötigen, wenn man bei der Herstellung oder beim Verbrauch die Ressourcen schonen würde. Im Wohnwagon sei nur die notwendigste Technik eingebaut, Energie per Sonne oder Wind gewonnen, der Wohnwagon ließe sich aber auch an das herkömmliche Stromnetz anschließen. Auf Details wie die innovative Nutzung der Kompost-Trenntoilette wird im Gespräch ebenso eingegangen, wie auf die unterschiedlichen Modelle des Wohnwagons. Immer wieder würden rechtliche Hürden auftreten, die es zu meistern gelte, v.a. in der Standortfrage der fertigen Produkte. Die meisten Wohnwagons würden als Zweitwohnsitze genutzt.

Große Fortschritte in der Akkutechnik würden laut Frantal in etwa zehn Jahren dazu führen, dass man mit einem Akku um 1.000 Euro den Energieverbrauch eines Kleinfamilienhauses abdecken könne. Dadurch ließen sich auch die momentan überlasteten Energienetze entlasten, da die Ein- und Ausspeisung nur mehr in Spitzenzeiten notwendig sein würde. Frantal ist sich sicher: Wäre in der Vergangenheit der politische und wirtschaftliche Wille vorhanden gewesen, dann wären technische Probleme gerade im Energiebereich längst gelöst.

Dadurch, dass sich der Wohnraum pro Kopf in den letzten Jahrzehnten verdoppelt habe, bleibe immer weniger Raum für Gemeinschaftsplätze, wo Leute zusammentreffen können. Dies werde sich in Zukunft wieder umkehren, so Frantal: Viele würden sich mit kleineren Privaträumen zufriedengeben, wenn sie dafür die Gemeinschaft wiederentdecken könnten.

Die Nachhaltigkeit der neu gebauten Häuser sei immer noch sehr gering: Hochhäuser mit großen Glasfassaden müssten schon im April die Klimaanlage aufdrehen, um noch lebenswert zu sein. Neubauten verfielen schneller als Autbauten, obwohl sie Jahrzehnte später gebaut würden. In der Planung würde wenig Zeit dafür aufgewendet, um mögliche zukünftige Umbauten zu bedenken. Damit könne man natürlich nicht jedes Problem lösen, aber sich viele ersparen.

Für Frantal zentral ist das „selber anpacken“: Wissen sei gut, aber selbst Hand anzulegen sei am wichtigsten, denn über die gewonnene Erfahrung lerne man mehr als über externes Wissen. Man solle sich weniger von Fernsehen u.ä. berieseln lassen, sondern aktiv sowohl seine Freizeit als auch seine Arbeitszeit gestalten. Viel Ansporn bringe die Arbeit in einem motivierten Team, in dem man auch lerne, dass nicht jedes Problem alleine gelöst werden könne.

Frantal Gnauer-Video

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Christian Frantal Christian Frantal Idealism prevails CC BY-SA 4.0
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