Abnorm – wenn Menschen zu Bestien werden

Gesellschaft

Als einen Austausch zwischen einer Anwältin und einer Psychotherapeutin hat Mag. Nadia Danneberg ihr heutiges Gespräch mit der Strafverteidigerin Dr. Astrid Wagner angelegt. Zentraler Inhalt ist Wagners neues Buch Abnorm: wenn Menschen zu Bestien werden, aus dem sie zu Beginn das Schlusswort vorliest, in dem sie ihre Zweifel an der Reformen des Maßnahmenvollzugs kundtut.

Auch wenn sie immer wieder Zivilrechtsfälle (vor allem Scheidungen und „Obsorgekriege“) übernimmt, so schlägt ihr Herz offensichtlich für die Königsdisziplin Strafverteidigung; denn dafür müsse man nicht nur die Gesetze kennen, sondern auch Einfühlungsvermögen (für Täter wie Geschworene) zeigen und Verfahren taktisch richtig angehen können.

Zu verstehen, warum und wie ein Mensch so weit gekommen ist, um zum Mörder zu werden, ist eine der Motivationen Wagners, warum sie immer wieder solche Fälle übernimmt. Die Persönlichkeiten dieser Menschen sind oftmals völlig normal ausgebildet bis auf kleine Bereiche, in denen sich massive Störungen zeigen, die dann den Menschen in einen uferlosen Wahn abtauchen lassen, wie sie an einem Beispiel beschreibt. Was sie aus ihren vielen Fällen gelernt hat, ist jedenfalls, dass man den Täter nicht mit der Tat gleichsetzen darf.

Die Staatsanwaltschaft ist in jedem Verfahren die bestimmende Kraft – auch deshalb, weil die meisten Richter mehr Bezug zu dieser haben als zu den Verteidigern des Straftäters. Bisher hat sie keinen Fall erlebt, den sie nicht hätte vertreten können, auch wenn in manchen Verfahren die Abneigung zum Täter schon groß gewesen ist – vor allem wenn es sich bei den Opfern um Kinder oder Tiere handelt. In den Letzten Jahren musste sie allerdings immer öfter Menschen abweisen, da diese offensichtlich zuallererst einer psychiatrischen Behandlung bedurften, und keines Anwalts. Der gesellschaftliche Druck habe offensichtlich enorm zugenommen, konstatiert Wagner – gerade auf Beziehungen, worunter dann oft die Kinder leiden, wenn sie in den Scheidungskriegen zwischen die Fronten geraten und nicht selten selbst zum Täter werden.

Die gesellschaftliche Traumatisierung und die Reaktion der Politik darauf sind im weiteren Verlauf des Gesprächs ebenso Thema, wie die zunehmende Einschränkung der Grund- und Freiheitsrechte, die Nötigung von Menschen unter dem Deckmantel, Gutes zu tun, und die Feststellung, dass man das pathologisch Böse weniger unter Straftätern findet, als unter Menschen, die in verschiedensten Funktionen an den Schalthebeln der Macht sitzen und ihre Taten so ausüben, dass sie nicht strafrechtlich belangt werden können.

Idealism Prevails ist ausschließlich Verfasser der Zusammenfassung des Gespräches und nicht für den Inhalt des Interviews verantwortlich.

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