Backstage Interview mit Gunnar Kaiser zu Transhumanismus und Technokratie (Zukunftskonferenz 2021)

Gesellschaft

Der Kampf gegen die aktuellen Veränderungen, die von der Technokratie vorangetrieben werden, ist ein Marathon, und kein Sprint, meint der Philosoph, Videoblogger und Autor Gunnar Kaiser; deshalb müsse man sich immer wieder bewusst machen, wie wichtig es ist, auf die eigene Gesundheit zu schauen und sich Gutes zu tun. Die Fantasien von der Rettung der Welt dürfen nicht einziger Lebensinhalt werden. Wichtig sei es auch, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, und zu erkennen, dass man nicht alleine ist.

Die Zunahme der Schnelllebigkeit führt dazu, dass immer mehr Menschen sich überfordert fühlen, Entscheidungen zu treffen, und diese Entscheidungsfindung an Außenstehende abtreten. Da hilft es, sich nicht in die täglichen Skandale und Hysterien hineinziehen zu lassen, sondern sich lieber auf eine Metaebene zu begeben und ohne Stress über Verbesserungen für die Zukunft nachzudenken.

Die zunehmende Meinungsdiktatur durch Medien und Politik erinnert vor allem die ehemaligen Bürger der DDR an überwunden geglaubte Zeiten. Dass Sprache zur eigenen Propaganda verwendet wird (zB mittels Framing), war schon immer so: allerdings gab es (im Gegensatz zu heute) in früheren Jahrzehnten Intellektuelle, die auf diesen Umstand deutlich hingewiesen haben. Dass in Diskussionen der Begriff Verschwörungstheoretiker bereits als Argument gilt, ist eines von vielen Beispielen des Irrwegs, auf dem wir uns befinden.

Die hinlänglich bekannte Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit, die immer mehr Menschen umtreibt (in die eine wie die andere Richtung), hat ihn dazu bewogen, sich zu engagieren. Auch will er sich nicht dem Vorwurf seiner Nachkommen aussetzen, „damals, als alles begann“ geschwiegen zu haben.

Eine Gesellschaft ohne Ideologie kann sich Kaiser schwer vorstellen; denn seine Vorstellungen in der Welt zu verbreiten liege in der Natur des Menschen. Wünschen würde er sich eine Welt ohne Politik, wo Menschen untereinander Verträge eingehen und sich auf lokaler Ebene organisieren.

Der Begriff der Würde des Menschen eigne sich nicht für tiefergehende Diskussionen, da Würde für jeden Menschen etwa anderes bedeutet. Laut Grundgesetz dürfe der Staat nicht in die Würde des einzelnen eingreifen – aber wo diese genau beginnt (Beim Testen, beim Maskenmandat oder erst bei gesetzwidrigen Verhaftungen), dafür gibt es keine objektive Definition.

Mit Angst erfüllt Kaiser die Vorstellung, dass die Masse der Menschen die grade im Entstehen befindliche Technokratie dank geschickten Marketings und persönlicher Vorteile mit offenen Armen empfangen werden, ohne ihre Auswüchse zu hinterfragen.

Das Interview führte Anne Hauswald.

Credits

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Gunnar Kaiser – Backstage Interview Wolfgang Müller 1

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