China aus dem Blickwinkel eines Handelsreisenden – Helmut Sauseng

Lebenswelten

Gunther Sosna begrüßt in der aktuellen Folge von Reiner Wein den Unternehmer und Chemiker Mag. Helmut Sauseng, dessen berufliche Tätigkeit ihn seit 1988 etwa 70mal nach China geführt hat. Seit 1996 ist er selbständiger Unternehmer und gründete ein Joint Venture mit Jenoptik.

Von Anfang an beeindruckte Sauseng die Dynamik der Entwicklung in China: als er Ende der 80er das erste Mal Shenzhen besuchte, war es nur ein größeres Fischerdorf – 25 Jahre später lebten dort 10 Millionen Menschen. Dies ist für ihn Beleg dafür, wie gut Chinesen langfristig und strategisch planen können.

Der wichtigste Auslöser des chinesischen Bürgerkriegs der 30erjahre war die soziale Frage; diese hatte vor allem der sowohl in Festlandchina, als auch in Taiwan verehrte Sun Yat-sen in der Öffentlichkeit vehement vertreten. Praktisch alle wichtigen Revolutionäre stammten aus wohlhabenden Familien und hielten sich in den 20erjahren in Frankreich auf und kamen dort mit der kommunistischen Bewegung in Kontakt. Gemeinsam kämpfen Nationalisten und Kommunisten im 2. Weltkrieg gegen den Aggressor Japan; danach zerfällt das Bündnis allerdings und die Nationalisten setzen sich nach Taiwan ab. Diese Trennung besteht bis heute. Der folgende große Sprung nach vorn wird zum Rohrkrepierer: ebenso wie unter der Kulturrevolution der 60erjahre sterben bei diesem Versuch Millionen Chinesen. Parteiinteressen waren lange Zeit wichtiger als der Erfolg eines Programms. Für ausländische Unternehmer war sowohl die Bürokratie, als auch der oftmalige Zwang, ein Joint Venture mit einem (von der Partei kontrollierten) chinesischen Unternehmen einzugehen, ein großes Problem.

Deutschland war für die Chinesen auf technischer Ebene lange Zeit ein Vorbild; mittlerweile ist China auf vielen dieser Gebiete Marktführer – auch dank des Einkaufs und der Symbiose ausländischer Technik(en), wie Sauseng am Beispiel der Hochgeschwindigkeitszüge beschreibt. An diesem Beispiel legt er auch die Versäumnisse Europas offen: statt die klügsten Köpfe und besten Firmen zusammenzubringen, arbeiten deutsche und französische Firmen weiterhin selbständig an eigenen Lösungen und verlieren damit immer mehr Terrain gegenüber der chinesischen Konkurrenz.

Die oft erstaunlich schnelle Handlungsfähigkeit Chinas zB bei Infrastrukturprojekten oder bei der aktuell laufenden Verwaltungsreform geht einher mit einer rigorosen, oft diktatorischen Umsetzung. Allerdings, so Sauseng, könne man Demokratie nicht einfach so über China stülpen. Er hat auch das demokratische Indien mehrfach besucht, und dort werden solche Großprojekte kaum erfolgreich umgesetzt – oft mit der Ausrede, dass man auf Grund demokratischen Widerstandes nicht weiterkommt. In China habe sich in den letzten 30 Jahren immerhin eine Mittelschicht gebildet, die in Indien fehlt – natürlich um den Preis, sich nicht politisch äußern zu dürfen.

Die Vorbildfunktion von Anführern im Konfuzianismus, der geringe politische Widerstand auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Wohlstandszugewinns, die Priorisierung der Wissenschaft unter Deng Xiaoping, der pragmatische Umgang mit politischen Fehlern der Vergangenheit und die subtile Expansion chinesischer Macht sind weitere Themen dieses Gesprächs.

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Helmut Sauseng-YOUTUBE Wolfgang Müller 1

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