Der erste Tag … Es geht los!

Am Tag meiner Ankunft ging es am Abend gleich los: Mit einem Team spanischer Lifeguards gingen wir um 23.00 Uhr an den Strand, an dem wir für die Überwachung der südlichen Küste zuständig waren.

Die meisten Boote planen eine Überfahrt bei Nacht, da nachts die Wahrscheinlichkeit geringer ist, von der türkischen Küstenwache oder von Frontex bemerkt zu werden. Solange sich die Boote noch in türkischen Gewässern befinden, würden sie im Falle ihres Entdeckens wieder zurück in die Türkei geschickt werden.

Unsere Aufgabe ist es demnach, nach Booten bzw. nach “blinkenden Lichtern” in der Ferne Ausschau zu halten.

Alle Volontäre treffen sich am Lagerfeuer und werden dann zumeist auf drei verschiedenen Punkten aufgeteilt. Je nach Verfügbarkeit gibt es an jedem Stützpunkt ein “Medical Team”.

Stützpunkt “Campfire,” Lesbos
Stützpunkt “Campfire”, Lesbos

 

Sobald jemand ein Boot sichtet, wird die Information mit der genauen Position in die zuständige WhatsApp-Gruppe geschrieben. Da es aber sein kann, dass mehrere Boote in kurzen Abständen eintreffen, ist es wichtig, dass immer jemand am Stützpunkt bleibt.

Damit die Flüchtlinge wissen, wohin sie steuern sollen, werden ihnen Lichtsignale zugesendet. Sichtet man größere Lichter, kann man davon ausgehen, dass es sich um Frontex oder die Küstenwache handelt; da sollte man das Senden weiterer Signale vermeiden, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen.

Die spanischen Lifeguards sowie einige weitere Organisationen verfügen selbst über ein Schlauchboot, womit sie die

Möglichkeit haben, die Flüchtlinge schon im Wasser zu empfangen und sich um ihre Sicherheit zu kümmern.

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch verlief sehr ruhig. Erst bei Sonnenaufgang sichteten wir ein Boot, doch es wurde von der NATO, Frontex oder der Küstenwache abgefangen und in den Hafen von Mytilini gebracht.

Volontäre Stützpunkt "Campfire", Lesbos
Volontäre Stützpunkt “Campfire”, Lesbos
Sonnenaufgang- Volontäre bei der Küstenwache, Stützpunkt “Katja”
Sonnenaufgang – Volontäre bei der Küstenwache, Stützpunkt “Katja”
Im Hintergrund: NATO, Frontex oder Küstenwache
Im Hintergrund: NATO, Frontex oder die Küstenwache

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man muss sich mal in die folgende Situation hineinversetzen: Man befindet sich in einem kleinen Schlauchboot mitten im Meer, und plötzlich nähert sich ein riesengroßes Boot … Wie muss sich das wohl anfühlen?

Was mich am meisten beeindruckte, ist die Tatsache, dass ohne Volontäre – die die ganze Nacht bei Lagerfeuer verbringen, egal ob Regen, Wind oder Schnee – niemand von der Ankunft dieser Menschen Bescheid wissen würde. Sie würden mitten in der Nacht ankommen und nicht einmal wissen, wo sie sich befinden: Bin ich nämlich in Europa oder immer noch in der Türkei?

Es kam nämlich schon vor, dass die Migranten aufgrund der Dunkelheit und der alleinigen Steuerung des Bootes sich im Kreis drehten, um schlussendlich wieder in der Türkei zu landen. Der Schlepper, dem ca. 350 bis 500 Euro pro Person für diese Fahrt bezahlt werden, springt nämlich nach einigen Minuten vom Boot hinunter und überlässt das Boot und Insassen sich selbst.

Vor einigen Monaten mussten diese armen Menschen den Schleppern noch bis zu 2.000 Euro für eine Fahrt bezahlen. Wegen der vielen Toten wurde dieser Preis herabgesetzt.

 

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Stützpunkt “Campfire,” Lesbos Stützpunkt “Campfire,” Lesbos Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Lagerfeuer - freiwillige Helfer Lagerfeuer – freiwillige Helfer Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Im Hintergrund: NATO, Frontex oder Küstenwache Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Sonnenaufgang- Volontäre bei der Küstenwache, Stützpunkt “Katja” Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0
Lifeguards Isabel Scharrer CC BY-SA 4.0