Der Weg ins Innere

Diego-Delso-Seljalandsfoss Wasserfall in Island

Religionen sind gegründet worden mit der Absicht, Spiritualität als einen Weg zu erklären, mit dem das Göttliche zu erreichen wäre. Natürlich ist das nicht der einzige Weg. Auf diesem Weg des Wissens gibt es Menschen, die instinktiv empfänglich für den Glauben an etwas Göttlichem sind, während andere Menschen eher materialistisch veranlagt sind und nur dorthin gelangen, wo sie Beweise dafür finden können.

Kein Weg ist besser als der andere – es gibt Millionen Wege, um zu Gott zu gelangen; und bei jedem einzelnen von ihnen ist das Ziel, das zählt.

Gerade für Skeptiker ist es wichtig, den inneren Weg zu beschreiten. Denn nur im tiefsten Inneren unseres Selbst, versteckt, befindet sich unser wahres Lebensprojekt, das wir alle verfolgen. Das innere Sein sollte sich in persönlichen Erfahrungen Gedanken machen, nicht in kollektiven. Wenn ich also sage: „persönliches inneres Sein“, dann beziehe ich mich auf etwas, was wir alle vereinzelt in uns tragen. Es ist nicht nötig, es vorzuweisen. Es reicht, es nur zu beobachten.

Ein Allgemeinbegriff des inneren Seins ist eine Definition, die uns nichts lehrt; wenn überhaupt, kann es uns vielleicht eine Idee vermitteln. Doch das Verständnis von unserem inneren Sein öffnet uns die Tür zu anderen spirituellen Grundsätzen.

Das Problem des Lebens in einer materialistischen Gesellschaft ist, dass es kaum Bezug zu spirituellen Dingen gibt. Die meisten Menschen leben mit der Idee, dass es etwas, was sie nicht sehen können, auch nicht geben kann. Wenn sie Gott also nicht sehen, bedeutet das für sie, dass Gott nicht existiert.

Lasst uns mit der Prämisse beginnen, dass wir uns entschieden haben, diese Reise namens „Leben“ anzutreten, weil wir mit der materiellen Erfahrung experimentieren wollen – der in einem Körper.

Wir sind nicht der Körper: Wir sind die Seele in einem Körper. Die Seele braucht einen Körper, braucht die Materie. Andernfalls würde sie nicht leibhaftig werden.

Die Seele braucht diesen biologischen Körper, denn nur durch diesen Körper kann sie materielle Erfahrungen in spirituelle umwandeln. Die Erfahrungen entwickeln sich zu spirituellen Erfahrungen und werden Teil unserer Persönlichkeit, werden zu unserem inneren Sein geführt und damit zu unserer Seele.

Um Erfahrungen Zutritt zu gewähren, musst du sie verstehen, andernfalls lässt du sie außen vor; aber der Grund, weshalb du die Erfahrung machen möchtest, ist der, dass du sie kennenlernen willst.

Das alles bringt uns zu einer scheinbar einfachen, aber in Wirklichkeit extrem schwierigen Erkenntnis: „Erkenne dich selbst“. Dies ist die Inschrift auf dem Vorplatz des Tempels von Apollo in Delphi, Griechenland. Alle großen Denker und Philosophen unserer Zeit – Pythagoras, Sokrates, Platon, Emmanuel Kant, Jiddu Krischnamurti und Gläubige wie Sankt Augustin – haben davon gesprochen, wie wichtig es sei, sich selbst zu erkennen.

Ich habe „Erkenne dich selbst“ erstmals vor etwa acht Jahren von meinem spirituellen Meister gehört; ich brauchte zwei Jahre lang, um ein vages Verständnis der Bedeutung dessen zu bekommen. Ich befinde mich immer noch im Prozess um dessen tiefe Bedeutung. Um die Essenz dessen zu verstehen. Denn: Es ist nicht einfach zu verstehen, wer wir sind.

Letztlich kann ich Euch keine Antwort darauf geben. Die richtige Antwort für mich gehört mir, und niemandem sonst. Das ist das große Spiel des Lebens. Es ist sogar der Schlüssel zur Achtsamkeit.

Wie ich bereits sagte: Es ist wichtig, die Erfahrungen, die wir machen, zu beobachten, sie wirklich zu verstehen und deren Einfluss zu sehen, den sie auf unser eigenes Leben haben. Wenn uns das bewusst wird, verstehen wir auch, wie wir die Gegenwart leben können.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Hannah Kohn

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Diego-Delso-Seljalandsfoss Wasserfall in Island Diego-Delso-Seljalandsfoss Wasserfall in Island Diego Delso CC BY-SA 4.0