Die Initiativen des Antarkranti-Programms zur Resozialisierung Strafgefangener

Antarkranti

Mein Verständnis für die diversen Angelegenheiten im Zusammenhang mit Strafgefangenen begann sich zu erweitern, als ich mit den Freiwilligen, die am Antarkranti-Programm von Divya Jyoti Jagrati Sansthan beteiligt waren, in engeren Kontakt trat. Ich fing an, Artikel zu lesen sowie Seminare und Konferenzen zu besuchen, die sich mit der Reformierung und Resozialisierung Gefangener befassten. Dadurch wurde nicht nur mein Verständnis für solche Dinge klarer, auch meine Perspektive verschob sich langsam.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich irgendwann in meinem Leben einmal an interaktiven Sitzungen mit Strafgefangenen teilnehmen würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich ein Gefängnis besuchen und versuchen würde, Verständnis für ihr Leben hinter Gittern zu entwickeln. Solche Interaktionen verlangen oftmals, einen offenen Verstand zu bewahren, während man auf das eigentliche Ziel hinarbeitet – zum Beispiel den Versuch, den Glauben der Gefangenen an den Allmächtigen, an die Menschlichkeit und an die Gesetze ihres Landes neu zu beleben.

Mir wurde klar, dass unter den Gefangenen die Stimmung der Hoffnungslosigkeit sehr stark um sich greift. Sie sind üblicherweise sehr skeptisch, was ihr Leben nach der Entlassung angeht, weil die Angst, von der Gesellschaft abgewiesen zu werden, sie zurückhält. Sie fühlen, dass diese Zurückweisung ein Überleben außerhalb des Gefängnisses sehr schwierig machen würde, dass ihre Familien wegen ihrer Fehler zu leiden hätten und mit dem Zorn und dem Abscheu der Gesellschaft konfrontiert würden. Ein wichtiger Aspekt dieser Furcht vor einer Zurückweisung durch die Gesellschaft umfasst auch die Befürchtung, nicht in der Lage zu sein, den Lebensunterhalt verdienen und für die eigene Familie sorgen zu können.

Im Bewusstsein dieser Dinge, die die geistige Verfassung der Gefangenen und ihre Chancen, nach einer Entlassung ein normales und würdevolles Leben zu führen, beeinträchtigen, hat DJJS Möglichkeiten zur Berufsausbildung sowie gut strukturierte Rehabilitationsprogramme geschaffen, um Strafgefangene nach ihrer Entlassung zu unterstützen.

Antarkranti hat Berufsausbildungszentren in den Gefängnissen aufgebaut, in denen Gefangene in verschiedenen Berufsfeldern ausgebildet werden. Die interessierten Gefangenen unterlaufen zunächst einen psychologischen Test und ein „Skill Mapping“, bei dem ihre persönlichen Fähigkeiten und Begabungen festgestellt werden. Danach erhalten die Teilnehmer Ausbildungseinheiten, nach deren Absolvierung sie einen anerkannten Berufsabschluss haben. Man kann sagen, dass Antarkranti die Berufsausübungsfähigkeiten der Gefangenen entwickelt und so ihre Chancen auf eine spätere Beschäftigung verbessert.

Die Gefangenen haben eine gute Ausbildung in Dingen erhalten wie der Herstellung von Kräuterpackungen für das Gesicht, von Gulal (das sind pflanzliche Farbpuder, die beim Holi-Festival Verwendung finden), pflanzlichen Haarpackungen, Papiertaschen, aromatischen Produkten sowie Rakhis (das sind Armbänder, die beim Rakhi-Festival in Indien die Schwestern ihren Brüdern anlegen).

Mich beeindruckten vor allem die aromatischen Produkte, wie zum Beispiel die Räucherstäbchen und -kegel sowie das Samidha (aromatisches Räucherpulver), die von den Gefängnisinsassen hergestellt wurden. Die darin ausgebildeten Gefangenen schienen Experten geworden zu sein im Bedienen der Maschinen und im Verpacken der fertigen Produkte.

Mehr noch, die im Gefängnis hergestellten Produkte sind von sehr hoher Qualität! Sie entsprechen nicht nur dem Markttrend, sondern konnten sogar eine ausgeprägte Markenidentität erreichen. Die Organisation hat sehr hart daran gearbeitet, Verbindungen zu verschiedenen Interessensvertretern aufzubauen, um die Produkte zu vermarkten und das damit verbundene Ziel der Resozialisierung von Strafgefangenen zu erreichen.

Die Produkte werden häufig bei Ausstellungen gezeigt. Die Koordinatoren von Antarkranti sind der Ansicht, dass solche Verkaufsstände eine Verbindung zwischen der Bevölkerung und den Gefangenen aufbauen und dabei helfen können, die Botschaft der Organisation in Bezug auf die Gefangenen zu verbreiten. So können sie ein Katalysator sein, der die Auffassung der Bevölkerung gegenüber den Gefangenen verändert. Ich verwende diese Produkte inzwischen mit einem guten Gefühl selbst.

Eine weitere interessante Initiative des Projekts ist das „Vedic Food Project“, das weiblichen Gefangenen eine Ausbildung in Lebensmittel- und Catering-Services gibt. Die Organisation hat mit Hotelmanagement-Instituten kollaboriert, um den Gefangenen ein solches Training anbieten zu können, damit sie nach ihrer Entlassung ein unabhängiges Leben mit einem eigenständigen Einkommen führen können.

Antarkranti geht davon aus, dass alle Bemühungen, die Gefangenen zu reformieren und ihnen eine Berufsausbildung zu ermöglichen, umsonst wären, würden die Betroffenen nicht auch nach ihrer Entlassung durch gut strukturierte Resozialisierungseinrichtungen die Gelegenheit bekommen, ein eigenständiges Leben zu führen und die Möglichkeit, sich selbst und ihre Familien wirtschaftlich zu versorgen. Daher unterhält Antarkranti Einrichtungen, die Gefangenen nach ihrer Entlassung zur Verfügung stehen, um sie wieder in ihre Familien und in die übrige Gesellschaft zu integrieren.

Ich erfuhr von den Freiwilligen, dass die Wiederzusammenführung mit der Familie durch intensive Diskussionen vorbereitet und durch weitere Beratungsgespräche nach der Entlassung unterstützt wird. Solche Beratungen der entlassenen Häftlinge mit ihren Familienmitgliedern helfen ihnen, all die Differenzen zu überbrücken, die auftreten können, und gibt ihnen die Stärke, mit der abwertenden Behandlung, die ihnen von der Gesellschaft entgegengebracht wird, umgehen zu können.

Antarkranti hat Antragsformulare entwickelt, die von den Gefangenen oder ihren bedürftigen Familienmitgliedern ausgefüllt werden können, um finanzielle Unterstützung wie Hilfen für kranke Familienmitglieder, Ausbildungsbeihilfen für die Kinder der Gefangenen usw. zu erhalten. Ich erfuhr von den Freiwilligen, dass viele der Gefangenen nach ihrer Entlassung ihre Ausbildung erfolgreich beendet haben, indem sie die von Antarkranti zur Verfügung gestellte Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung genutzt haben.

Antarkranti stellt sicher, dass weibliche Gefangene zusätzliche Hilfe und Unterstützung erhalten, weil sie nach ihrer Entlassung mit höherer Wahrscheinlichkeit Ausbeutung und materieller Not ausgesetzt sind. Viele entlassene Gefangene haben durch Antarkranti eine Arbeitsstelle gefunden. Die Organisation hat mit anderen Organisationen im privaten Sektor zusammengearbeitet, um die Aufnahme Entlassener in verschiedenen Geschäftsbereichen zu erleichtern. Darüber hinaus arbeitet Antarkranti auch daran, in Zukunft Übergangswohnmöglichkeiten für entlassene Gefangene ohne eigene Wohnung bereitstellen zu können.

Antarkranti hat beharrlich daran gearbeitet, Unterstützung zu sammeln und koordinierte Bemühungen zwischen Regierungsstellen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zu ermutigen, um Probleme bezüglich der gesellschaftlichen Wiedereingliederung Strafgefangener zu lösen.

Mein zufälliges Zusammentreffen mit den Freiwilligen der Organisation bei einem Event erwies sich als augenöffnende Erfahrung; meine Ansichten haben sich grundlegend geändert, und ich glaube, dass solche Reformierungs- und Resozialisierungsprogramme ein integraler Bestandteil jedes Gefängnisses auf der Welt werden sollten. Verbrechen können nicht nur dadurch unter Kontrolle gebracht werden, dass man die Kriminellen hinter Gitter bringt; wir alle können versuchen, unserem Hass auf die Täter Einhalt zu gebieten und ihnen vielmehr dabei zu helfen, auf einen guten und richtigen Weg zurückzufinden.

Denn ganz richtig heißt es: “Verabscheut das Verbrechen, nicht die Verbrecher”.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

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