Die Psychologie der Politik (BSA)

Politik

Diese Online-Veranstaltung des BSA beschäftigt sich mit dem breiten Thema der Psychologie in der Politik. Unter Leitung von Matthias Vavra diskutieren Die Wirtschafts- und Sozialpsychologin Mag. Dr. Helga Schachinger, die Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, die Politologin Prof. Dr. Sonja Zmerli und die Psychologin Mag. Christina Beran.

Es sei gleichzeitig zu viel und zu wenig Psychologie in der Politik, meint Politikberaterin Beran. Einerseits sind die Erkenntnisse der Psychologie im Mainstream der Politik noch nicht wirklich angekommen; andererseits nutzt die Politik psychologische Effekte, zb bei Inszenierungen, für sich. In der Wirtschaftspsychologie seien viele neue Erkenntnis wesentlich schneller umgesetzt worden, als in der Politik.

Psychologie ist natürlich ein wichtiger Teil der Politik: denn sowohl die Handelnden, als auch die Betroffenen sind Menschen, meint Helga Schachinger. Die Stimme der Psychologie kommt aber im politischen Alltag meist zu kurz, sowohl was den politischen Diskurs betrifft, als auch direkt bei politischen Entscheidungen.

Die politische Psychologie habe sich in den letzten Jahren international sehr stark entwickelt, um eine Vielzahl an Phänomenen zu erklären, meint Sonja Zmerli. Gerade in Wahlkämpfen werden psychologische Aspekte zielgerichtet eingesetzt – aber auch in populistischen Diskursen. Bisher sei man in der Politikwissenschaft zumeist vom rational denkenden, mündigen Wähler als Modellfall ausgegangen. Dieses Bild habe sich dank der Psychologie langsam geändert, zB durch das Konzept der sozialen Identität. Moderne Technologien haben dabei sehr geholfen.

Für Barbara Stollberg-Rilinger stellt sich die Frage, was es außerhalb der psychologischen Betrachtung des Wahlverhaltens bzw des Verhaltens von Politikern noch für Analysemöglichkeiten von Wahlentscheidungen etc gibt. Rationalität ist ein normatives Konzept. Nachdem immer mehr empirische Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass der Mensch selten rational, sondern meist emotional entscheidet, bedeutet das nun das Ende der Rationalität – und sollen Entscheidungsträger die Menschen durch nudging und andere Techniken künftig in die gewünschte Richtung beeinflussen?

Es sei wichtig, dass man den Menschen sowohl als emotionales, als auch als rationales Wesen erkennt, entgegnet Helga Schachinger. Man dürfe nicht den Fehler begehen, und nach vielen Jahren der Vorherrschaft des homo oeconomicus als Erklärungsmodell nun dem anderen Extrem verfallen.

Der Unterschied zwischen moralischer und sachlicher Betrachtung von Politik, das vermeintlich einfache Rezept der Politik, dass Menschen alles verstehen, wenn man es ihnen nur immer wieder erklärt, die offenbar verloren gegangenen menschlichen Fähigkeiten „Zuhören“ und „Entschuldigen“ (aka Empathie) und die Einflüsse der „schnellen“ Neuen Medien auf Politik und Wählerschaft sind weitere Themen dieser Diskussion.

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Die Psychologie der Politik Wolfgang Müller 1