Die Republik im Umbruch – Quo vadis Österreich?

Veranstaltungsdaten

Datum
15. 10. 2019
Veranstalter
BSA - Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen
Ort
BSA_Generalsekretariat
Veranstaltungsart
Podiumsdiskussion

Im Mittelpunkt dieses Diskussionspanels des BSA Wien Döbling steht die Studie „Quo Vadis Österreich – Wertewandel zwischen 1990 und 2018“. Der Theologe Univ.-Prof. Mag. Dr. Christian Friesl ist Mitherausgeber dieser Studie, welche seit 1990 in regelmäßigen Abständen europaweit durchgeführt wird, um die Werteentwicklungen in unterschiedlichen europäischen Staaten vergleichen zu können. Friesl erklärt, dass die Definition von Werten aus einer Kombination aus philosophischen und sozialwissenschaftlichen Ansätzen getroffen wurde. In weiterer Folge geht er auf die Ergebnisse der Studie näher ein; zB ist die Familie für Österreicher über den gesamten Zeitraum der wichtigste Lebensraum. Im Job gewinnt die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung stark an Bedeutung.

Univ.-Prof. Mag. Dr. Sylvia Kritzinger geht näher auf die politischen Fragestellungen der Studie ein: Das Vertrauen in Institutionen nimmt zu, mit Ausnahme der Kirche und großer Wirtschaftsunternehmen. Die Sehnsucht nach einem Autokraten ist seit 2008 zurückgegangen. Eine Technokraten-Regierung fand 2018 – ein Jahr bevor sie tatsächlich eintrat – eine klare Mehrheit unter den Befragten. Auch die Zunahme der politischen Polarisierung in links/rechts lässt sich in den erhobenen Daten ablesen. Im sozialen Bereich hat die Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Partnerschaften stark zugenommen. Die Vorbehalte gegen Zuwanderer sind konstant hoch.

Die Geschäftsführerin des IFES-Institutes Dr. Eva Zeglovits stellt fest, dass die Zufriedenheit der Befragten mit der Demokratie sehr davon abhängig ist, ob die eigene Partei in der Regierung ist oder nicht. Bezogen auf die Werte zitiert sie Bundeskanzler Sebastian Kurz, der in einem Interview sagte, dass seine Ansichten noch vor wenigen Jahren als rechts oder rechtsextrem gegolten haben. Dieser Wandel in den Werten sei offensichtlich, so Zeglovits.

Die Journalistin Dr. Anneliese Rohrer sieht die Entwicklung, dass der Beruf immer unwichtiger zu werden scheint, als kritisch und sarkastisch als „Erfolg der Sozialdemokratie“. Leistung sei nicht mehr so wichtig. Die mangelnde Teilhabe der Wähler am politischen Prozess sei „lange erlernt“ und von vielen immer noch so akzeptiert.

Es sei eine österreichische Krankheit, dass der Konsens hergestellt wird bevor überhaupt ein Konflikt ausgetragen wurde, so die Journalistin und Buchautorin Dr. Trautl Brandstaller. Es gibt viel zu wenig Diskurs in der politischen Debatte – und Demokratie IST Diskurs. Die Institution Kirche habe ihre eigenen Werte verraten. Auch Sebastian Kurz‘ ÖVP vertritt kaum mehr christlich-soziale Werte. Leider sieht es bei der Sozialdemokratie nicht besser aus, weshalb viele Arbeiter zur FPÖ abgewandert sind. Gesellschaftlich erleben wir laut Brandstaller die Renaissance des Biedermeier, hervorgerufen durch die Abkehr von der Politik und die Zerstörungskraft des Neoliberalismus im Sozialbereich. Als Reaktion auf die Neue Rechte müsse sich baldigst auch eine Neue Linke bilden.

Im Folgenden diskutieren die ExpertInnen unter der Leitung von Richard Sattler untereinander und mit dem Publikum über die Studie und sich daraus ergebende Schlussfolgerungen und Entwicklungen.

Credits

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BSA-Quo vadis Österreich Wolfgang Müller CC BY SA 4.0
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