Ein Präsidentschaftskandidat und zwei Scharfmacher

FPÖ Wahlkampf Mai 2016

Veranstaltungsdaten

Datum
20. 5. 2016
Veranstalter
FPÖ
Ort
Viktor Adler Markt, 1100 Wien
Veranstaltungsart
Wahlkampf

Freitag 20.5.2016, 17Uhr, Viktor-Adler Markt im 10. Wiener Gemeindebezirk. Abschlußkundgebung des Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer. Interessanter Ort: relativ klein für eine solche Veranstaltung, zwei mal ums Eck die Lokalitäten einer offensichtlich anarchistischen Gruppe (Nazis raus, keine Identitären). Dennoch ein Heimspiel für die FPÖ. Die John Otti Band spielt Schlager und Tanzmusik, bringt die Zuhörer in Stimmung. Natürlich erklingt auch die FPÖ-Hymne “Immer wieder Österreich”. Eine Eigenkomposition, nachdem Rainhard Fendrich wenig begeistert war, daß I am from Austria bei FP-Wahlkampfveranstaltungen lief. Ob sich Seiler & Speer darüber freuen, daß die FPÖ ihr „Ham kummst“ als letzten Einpeitschsong vor dem Auftritt von Norbert Hofer aufgelegt hat ?

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Johann Gudenus

Doch der Reihe nach. 17.30, Johann Gudenus, Wiener Vizebürgermeister, betritt die Bühne. Schätzungsweise 1000-1500 Zuhörer, klassische Arbeiterschicht, auch einige mit Migrationshintergrund, werden in Fahrt gebracht: mit dem vielen Geld für Flüchtlinge, mit der rotgrünen Stadtregierung und ihren Verfehlungen, mit dem neuen Kanzler, der alten Wein in neuen Schläuchen verkauft (ein Spruch, den man schon aus den Medien kennt und den auch Strache später bringt), mit den brüsseler Bürokraten die alles zentral entscheiden. Über Van der Bellen spricht er so gut wie gar nicht.

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Ein FPÖ-Sympathisant mit einem langen Statement zum IS und zu anderen Themen auf seinem Pulli

Kurze Pause (inkl. FPÖ-Hymne), dann endlich erscheint Norbert Hofer. Er tritt wie schon im gesamten Wahlkampf präsidentiell auf, wiederholt all seine bekannten Parolen: Präsident der Österreicher, Kontrolle der Regierung, bei Steuererhöhungen deren Entlassung, Ablehnung der Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips im Europäischen Rat, Volksbefragung bei einem EU-Beitritt der Türkei, Erwähnung seines Unfalls und seiner Frau, die leider nicht dabei sein kann, weil sie als Altenpflegerin arbeiten muss. Verhaltene Kritik am ORF (das holt Strache später nach). Zum Ende dann die Frage: „Wollt ihr mit mir gemeinsam in die Hofburg?“. Großer Jubel. Auch Hofer sprach wenig über seinen Gegenkandidaten, wenn dann indirekt – wenn er z.B. die Eliten (Juncker, Schulz) erwähnt, die den Grünpolitiker unterstützen.  Keine rechten Parolen sind zu hören, nicht mal hier in quasi Bierzeltatmosphäre.

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Norbert Hofers Auftritt

Nach einigen Liedern kommt dann Parteichef Strache ans Wort. Eine Dauerkanonade gegen die rotgrüne Regierung in Wien und dann vor allem gegen den neuen Kanzler und die neuen Minister sowie die Staatssekretärin mit Migrationshintergrund lässt den Abend ausklingen. Auch hier kaum Erwähnung des eigentlichen Gegenkandidaten von Hofer. Man hat auch hier (wie in den meistens Aussendungen der FPÖ zum Thema Regierungsumbildung) das Gefühl, dass die FPÖ bereits für die nächsten Nationalratswahlen vorsorgt und den aktuell gefährlichsten Gegner um Platz eins Christian Kern – sollte er erfolgreiche Politik betreiben – von Anfang an bekämpfen will.

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Strache spricht noch, die Menge löst sich aber schon auf

Die meisten Zuhörer hatte (für mich überraschend) Norbert Hofer, und auch die meisten Beifallskundgebungen. Das Polizeiaufgebot war relativ groß (schätzungsweise 50-60 Beamte). Es herrschte durchgehend eine entspannte Stimmung, Gegendemos oder Störversuche fanden keine statt. Medien waren viele vor Ort, die Kameradichte war hoch. In einer Seitengasse entdeckte ich sogar den Wagen eines arabischen Senders.

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2016-05-20 17.34.16 2016-05-20 17.34.16 Christian Janisch CC BY SA 4.0
FPÖ Wahlkampf Mai 2016 FPÖ Wahlkampf Mai 2016 Christian Janisch CC BY SA 4.0
FPÖ Wahlkampf Mai 2016_3 FPÖ Wahlkampf Mai 2016_3 Christian Janisch CC BY SA 4.0
2016-05-20 19.16.32 2016-05-20 19.16.32 Christian Janisch CC BY SA 4.0