Plastikmüll

Neues Energiebewusstsein – Die Plastiksintflut

In diesem Artikel möchte ich auf das Plastikproblem unserer Zeit eingehen. Wie bereits im letzten Teil der Serie „Erdölindustrie“ beschrieben, konnten wir durch die Weiterverarbeitung von Erdöl etliche Kunststoffe herstellen, die aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Der sorglose Umgang mit diesen Stoffen und das Unwissen über deren Auswirkungen auf unseren Planeten, und alles Leben darauf, wird unweigerlich zu einer Katastrophe führen. Denn das Ausmaß unseres zerstörerischen Handelns ist unfassbar.

Plastic makes the world go round

Kunststoffe finden heute in allen erdenklichen Formen und Produktkategorien Einsatz. Der Computer (ein Notebook), mit dem ich diese Zeilen verfasse. besteht zu einem Großteil daraus.

Allgemein ist die Elektronik ein riesen Absatzmarkt für diverse Kunststoffe. Des Weiteren finden wir sie in Haushaltswaren aller Art, in der Verpackungsindustrie, im Gebäudebau, in unseren Fortbewegungsmitteln (Bus, Auto, Bahn, Flugzeug, Schiffe etc), in der Medizin, in Spielwaren, in Kosmetika, in der Textilindustrie etc.

Dies ist nur ein kleiner (!) Auszug an Einsatzgebieten der verschiedenen auf dem Markt erhältlichen Kunststoffe. Für weitergehende Informationen zum Thema Plastik empfehle ich diesen Greenpeace Link.

Weltweit werden jährlich 240 Millionen Tonnen dieser artifiziellen Stoffe aus Erdöl hergestellt.

Das entspricht einem Plastikberg von etwa 35 Cheops Pyramiden, welche jährlich auf den Markt kommen.

Zu diesen gigantischen Produktionsmengen gesellt sich das Faktum, dass nur ein Bruchteil dieser Mengen dem Recycling zugeführt werden.

Genaue Zahlen existieren noch nicht, die wenigen Informationen jedoch deuten auf katastrophale Recyclingraten hin. So werden z.B. nur ein Prozent des erzeugten Styropors wiederverwertet!

Das Müllproblem

Laut neuesten Forschungsergebnissen befinden sich in unseren Meeren global derzeit etwa 150 Millionen Tonnen Plastikabfall. Besonders fatal an dieser Entwicklung ist, dass Kunststoffe, wie der Name schon sagt, keine natürlichen chemischen Verbindungen sind.

Der Natur ist es nicht möglich, die anfallenden Mengen dieser Stoffe zu zersetzen und sie den natürlichen Stoffverwertungs-Mechanismen zuzuführen. Einige Kunststoffe beispielsweise brauchen 500 und mehr Jahre, bis sie in ihre Einzelbestandteile zerfallen sind.

In den Meeren zersetzen sich die Kunststoffe nicht, sondern unterliegen einer Art Verwitterung und Pulverisation. Das Plastik verteilt sich somit immer schneller und hat solcherart fatale Konsequenzen für das Leben in diesem so wichtigen Lebensraum.

Unser täglich Gift

Kunststoffe sind ein Cocktail aus verschiedenen Substanzen. Bekannt wurde, unter anderem, das Bisphenol A, welches als Weichmacher eingesetzt wird. Es besitzt hormonähnliche Eigenschaften, die Einfluss auf den Stoffwechsel sowie auf die Fortpflanzungsfähigkeit von Mensch und Tier haben.

Hormonähnliche Stoffe werden „Endokrine Disruptoren“ genannt. Diese Erkenntnisse sind noch so neu, dass heute ein wissenschaftlicher Streit über deren Auswirkungen entbrannt ist.

Wir kippen somit Millionen von Tonnen an Stoffen in unsere Umwelt – eine Handlungsweise, von deren Auswirkungen auf uns und die Natur wir noch nicht einmal eine genaue Vorstellung haben.

Im Meer haben wir es teilweise mit gigantischen Strömen von pulverisiertem Plastik zu tun, welches Temperaturschwankungen, mechanischen/chemischen Einwirkungen und vor allem UV Licht ausgesetzt ist.

Wir haben unzureichendes Kenntnisse, um zu beurteilen, was diese Chemiecocktail-Partikel anstellen können.

Sie sind mittlerweile unbeabsichtigt Teil der Nahrungskette geworden, denn sie werden sowohl von Kleinstlebewesen wie Plankton bzw. Krill als auch von Fischen, Meeressäugern und Vögeln aufgenommen. Vor allem größere Tiere verwechseln diese Überbleibsel oft mit Nahrung und sterben qualvolle Tode, da das Plastik ihr Verdauungssystem verstopft.

Auch in Fischen, welche bei uns auf dem Teller landen, wurde Mikroplastik gefunden.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass wir unseren eigenen Müll essen. Auch das ist für mich eines der besten Beispiele eines „Analphabetismus“ – dass uns durch unsere ignorante „Käseglocken-Lebensweise“ nicht einmal eines der simpelsten Gesetze der Natur, wie eben das des „Ursache-Wirkung-Prinzips“, bewusst ist.

Jüngsten Berechnungen zufolge wird sich der Plastikberg in den Ozeanen bis zum Jahre 2050 um das Vierfache der heutigen Menge vergrößern. Somit gäbe es mehr Plastik im Meer als Meeresbewohner. Wir haben es hier mit einem potentiellen globalen „Killer“ zu tun, welcher vielleicht nicht mehr aufzuhalten ist.

Auswege aus der Plastikwelt

Es wird nicht genügen, auf herkömmliches Plastik zu verzichten. Die Situation ist dermaßen gefährlich, dass wir nach Möglichkeiten suchen müssen, um das vorhandene Plastik in den Meeren zu reduzieren.

Ein erster Ansatz ist das sogenannte „Ocean Cleanup Project“. Dieses Projekt macht sich den glücklichen Umstand so zunutze, dass sich Mikroplastik vermehrt in den obersten drei Metern Tiefe der Ozeane befindet. Durch teils kilometerlange, für Fische harmlose, da extrem feinmaschige Netze, können diese Partikel eingefangen und abgesaugt werden. Das so gewonnene Plastik kann dann aus den Meeren entfernt und einem Recycling-Prozess unterzogen werden.

Plastik als Rohstoff – Die Pyrolyse

Da Kunststoffe aus Erdöl hergestellt werden, ist auch eine Umwandlung zurück zu Öl technisch kein schwieriges Unterfangen: Unter Sauerstoffentzug und mehreren 100 Grad Celsius ist es möglich, aus den langkettigen Plastikmolekülen kurzkettigere Öle herzustellen.

In Irland z.B. steht eine Großanlage, die Diesel aus Plastik herstellt. Ironischerweise ist der so hergestellte Kraftstoff dem herkömmlichen Diesel überlegen, da wie bei der synthetischen Kraftstoffherstellung das Endmaterial deutlich reiner ist.

Das Prinzip ist so einfach, dass es sogar Pyrolyse-Haushaltsgeräte geben könnte, die kaum größer als 2-3 Reiskocher sind. Das so gewonnene Öl kann wiederum als Ausgangsmaterial für andere Kunststoffe, oder wie oben genannt, als Treibstoffe verwendet werden, auch wenn die CO2-Bilanz dabei freilich nur negativ ausfallen kann. Die Plastikabfälle können auch in zerkleinerter Form teilweise eingeschmolzen und zu Baumaterialien weiterverarbeitet werden.

Alternativen zum Plastik – Bioplastik

Da Erdöl, wie in früheren Artikeln schon erwähnt, im Grunde auch „nur“ Biomasse ist bzw. einmal war, ist die Herstellung von Biopolymeren ebensogut aus erneuerbaren Quellen möglich.

Die erste Generation von Biokunststoffen basiert auf Pflanzenstärke. Sie werden bei uns z.B. für Verpackungsmaterialien, Geschirr, Trinkflaschen und bei Einkaufstaschen eingesetzt. Hier besteht leider auch, wie bei Biotreibstoffen der ersten Generation, der Konflikt zwischen Plastik- und Nahrungsmittelherstellung.

Die zweite nahende Generation an Bioplastik wird aus Biomasse hergestellt. Auch hier sind z.B. als Ausgangsmaterial Überbleibsel aus Kläranlagen im Fokus der Entwickler. Weltweit sind Forscher zuversichtlich, dass in Zukunft Plastik aus erneuerbarer Biomasse im großen Stil hergestellt werden kann.

Mercedes entwickelt derzeit einen Plastikersatz aus Rizinusöl, welcher z.B. bei Autoarmaturen zum Einsatz kommt. Auch Continental arbeitet an Autoreifen aus Löwenzahnkautschuk, einem quasi endlos nachwachsenden Rohstoff.

Plastik aus Algen ist ebenfalls eine zukunftsträchtige Möglichkeit, Kunststoff aus Pflanzen herzustellen, die nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen.

Egal aus welcher biogenen Herkunft diese neuen Kunststoffe hergestellt werden, eines muss ihnen gemein sein: das problemlose Rückführen in den natürlichen Stoffkreislauf der Natur.

An dieser Stelle möchte ich auf den (teilweise etwas ungenau recherchierten, aber das Ausmaß des Problems trotzdem aufzeigenden) Film „Plastic Planet“ von Werner Boote hinweisen. Auch ARTE hat sich mit dem Thema, in der Doku „Plastik – ein langfristiges Problem“ auseinandergesetzt.

Im nächsten Artikel möchte ich mich mit den neuen Entwicklungen auf dem Feld der „erneuerbaren Energien“ auseinandersetzen und aufzeigen, welche teils erstaunlich einfachen und obendrein im Einklang mit der Natur stehenden Prinzipien zur Energiegewinnung hoffentlich bald zum Einsatz kommen könnten.

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Plastikmüll Plastikmüll Thomas Kohler CC BY 2.0

Diskussion (Ein Kommentar)

  1. oceancare ist ein super link. Auch plasticoceans.org sowie Charles Moore (Gründer der Algalita Stiftung) und Entdecker des Great Pacific Garbage Patch sind wichtige Stützpunkte um den sehr langlebigen Plastikmülls (ca. 500 Jahre Abbauzeit) näher zu ergründen. Die Meeresbewohner sind bedroht durch Strangulation oder durch tiefe Fleischwunden zu sterben. Ein weiteres Problem ist das Mikroplastik das entweder als Pellets direkt ins Meer gelangen oder durch die Reibung (Sonne, Wind und Wellen) zerfällt. Diese unter 2 mm großen Plastikteile nehmen die Giftstoffe im Meer in konzentrierter Form auf und gelangen in die Nahrungskette. Die Tendenz des Plastikmülls ist steigend, der erste Ansatz für Veränderung ist meiner Meinung nach die Einwegplastikherstellung einzustellen.