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Neues Energiebewusstsein – Beispiel Erdölindustrie

Seit den Anfängen der Erdölindustrie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hat die Menschheit einen ungeahnten zivilisatorischen und technologischen Sprung nach vorne gemacht.

Durch das Öl konnten wir Dünger für die Landwirtschaft, Kunststoffe, Baustoffe, Kleidung, Medikamente, Farben und vor allem Treibstoffe herstellen, die unser modernes Leben erst ermöglichten. Leider kamen jene Errungenschaften nicht ohne Preis.

Unser Öldurst hat sich seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mehr als verdreifacht. Heute konsumiert die Welt geschätzte 14 Milliarden Liter Öl – pro Tag, wohlgemerkt! Es bedarf keiner aufwändigen Denkarbeit, um zu erkennen, dass diese Industrie hochgradigen Einfluss auf unser Dasein hat.

Nicht erst seit den kriegerischen Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit ist uns diese Macht deutlich geworden. Der Kampf um Öl und Gas fordert immer mehr menschliche und ökologische Opfer. Die brennenden Ölfelder im Irak, die zerstörten Landschaften durch den Ölsandabbau, die „Öl-Kloake“ im Nigerdelta, der gigantische Ölteppich im Golf von Mexiko. Diese Liste ließe sich leider beinahe endlos fortsetzen.

Unvorstellbar auch das menschliche Leid, das der Gier unserer Gesellschaft nach dem Treibstoff geschuldet ist.

Völkerrechtswidrige Angriffskriege auf ölreiche Staaten, natürlich unter dem Deckmantel des Humanismus getarnt, haben alleine im Nahen Osten über 1 Million Menschen das Leben gekostet. Das Festigen von willfährigen Diktaturen wie in Saudi Arabien rundet dieses verheerende Bild ab.

Eine Weiterführung dieser mörderischen Praktiken finden wir derzeit auch z.B. in Syrien, in Form eines bizarren Mix aus Bürger- und Stellvertreterkrieg. Auch hier spielt der Zugriff auf Ressourcen und Infrastruktur für Öl und Gaslieferungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Flüchtlingsproblematik ist eine absolut logische Konsequenz dieser Handlungen.

Die durch die Angriffskriege zerstörten Länder werden zum Spielball von Konzerninteressen. Die „Nebenprodukte“ aus diesem Raubzug nach Öl und geostrategischer Kontrolle über die Ressourcen sind ein gefundenes Fressen für weitere Interessen. Alleine im Irak konnten Rüstungsindustrie sowie private Unternehmer mit ihren Subunternehmen zig Milliarden Dollar Gewinne erzielen. Konzerne wie Halliburton, Kellog Brown Root und Blackwater, um nur ein paar Beispiele zu nennen, „verdienten“ sich unter ethisch unfassbaren Bedingungen eine goldene Nase. Diese Praktiken sind auch ein „wunderschönes“ Beispiel der verqueren „Logik“ unseres sogenannten „Wirtschaftssystems“, das auf räuberisches Wachstum ausgelegt ist, und nicht vor Zerstörung zurückschreckt, um neue Märkte und Gelegenheiten für das Big Business zu erschließen.

Soviel zu unseren westlichen Werten.

Doch es gibt zu diesem mörderischen Wahnsinn Alternativen. Eine völlige Abkehr von fossiler Energie, und den damit verbundenen Abhängigkeiten, wäre durchaus möglich.

Leider lassen sich alte Strukturen nicht so einfach aufbrechen, denn hier geht es um viel Geld, Privilegien und vor allem um Macht.

Umso wichtiger ist es für uns, sich zu informieren, zu agieren und vor allem Druck auf die Politik und Hersteller zu machen. Zur Umstellung bedarf es meiner Meinung nach zweier ineinander greifender Phasen. Die erste wäre es, vorhandene Technologien klug und effizient einzusetzen bzw. zu modifizieren, bis die Infrastruktur und die Durchdringung neuer Energieträger und Technologien das alte System abgelöst haben. Wir werden auch nicht darum herumkommen, dass jeder von uns in seinem Umfeld und in seinem eigenen Verhalten Änderungen vornimmt.

Man kann im Kleinen IMMER nur bei sich selber anfangen!
Phase 1 – Bewusst mit Energie umgehen.

Ich übertreibe in keiner Weise, wenn ich sage, dass jeder gekaufte Liter Treibstoff eine „Ja“-Stimme für diese mörderische Politik ist. Wir müssen uns nicht wundern, dass die Menschen aus weniger privilegierten Erdteilen durch den direkten und indirekten Einfluss unserer Verhaltensweisen und der daraus resultierenden Politik aus ihren Ländern fliehen und zu uns kommen. Erstaunlich ist eher, wie dieser Zusammenhang nur wenigen Menschen bewusst ist.

Gut, solange wir von den bestehenden Zuständen abhängig sind, gibt es als ersten Schritt nur einen bewussten Umgang mit Energie. Schätzungen zufolge können wir, global gesehen, alleine mit verändertem Verhalten knapp ein Drittel des Energieverbrauches einsparen. Ein weiteres Drittel wäre in Zukunft dann mit neuen effizienteren Technologien möglich.

Wir können sowohl den direkten, als auch den indirekten Energieverbrauch gezielt senken

Im Autoverkehr ist es möglich, durch eine sparsamere Fahrweise und richtiger Wartung, ohne jeglichen Komfortverlust, einfach so nebenbei 10 % (und je nach Situation auch deutlich mehr) Sprit einzusparen. Niedertouriges, vorausschauendes Fahren genügt für die Einsparung.

Hier ein Link für allgemeine Spritspartipps.

Wer sich wirklich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen will, hier der meiner Meinung nach beste Artikel über das Spritsparen im deutschsprachigen Web.

In Österreich alleine wurden im Jahre 2015 4.6 Milliarden Liter Benzin und Diesel verbraucht. Das bedeutet, wir könnten nur durch minimal verändertes Fahrverhalten grob gerechnet 460 Millionen Liter einsparen. Das entspricht knapp der Hälfte des aktuellen jährlichen Heizölverbrauchs für ganz Österreich.

Wir können durchaus viel bewegen.
Sparen durch verändertes Konsumverhalten

Am Beispiel Nahrungsmittel können wir auch erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch ausüben. Die heutige Landwirtschaft ist in sehr hohem Maße von Erdölprodukten abhängig: Dünger aus Erdöl, Diesel für landwirtschaftliche Maschinen und Transport sind hier einzukalkulieren. Laut neuesten Schätzungen landen etwa ein Drittel aller Lebensmittel, teilweise sogar noch genießbar, im Müll.

„In Wien wird täglich jene Menge an Brot als Retourware vernichtet, mit der die zweitgrößte Stadt Österreichs, das ist Graz, versorgt werden kann.“

Ein sorgfältigerer Umgang mit Lebensmitteln würde hier zu enormen Energieeinsparungen führen, und darüber hinaus zu einer Reduktion des benötigten Arbeitsaufwandes für die Herstellung. Es sollten, falls möglich, vermehrt Produkte gekauft werden, die in näherer Umgebung produziert wurden. Auswüchse wie Schnittlauch aus Südafrika – und es gibt solche Absurditäten tatsächlich – sollte man tunlichst vermeiden.

Bekleidung

Die Textilindustrie ist sogar noch größer als die Mineralölindustrie. Hier gelten ähnliche Prinzipien wie bei der Nahrungsmittelherstellung. Da ein Großteil der Bekleidung in Ländern wie China, Bangladesch, Indien etc. hergestellt wird, ist auch der Energieaufwand für den Transport nicht zu unterschätzen. Von den menschenunwürdigen Produktionsbedingungen und der hochtoxischen Zusammensetzung der Textilien einmal ganz abgesehen! Ein umsichtiger Umgang mit unserer Kleidung, eine bewusstes Ignorieren oktroyierter und oberflächlicher kommerzieller Modetrends, sowie der Kauf von Second Hand Angeboten können hier einen entscheidenden Impuls setzen.

Haushalt

Ein Großteil des Energieaufwandes in Haushalten fällt auf den Posten Heizen und Warmwasser. Gerade hier lassen sich enorme Einsparungen erzielen. Manche davon allein schon durch Verhaltensänderungen, andere sind mit Investitionen verbunden. Richtig eingestellte und gewartete Thermen, intelligente zeit- und anwesenheitsabhängige Steuersysteme, richtige Temperaturen für jeden Raum. Auch Kleinigkeiten wie das Abdichten von Eingangstüren und Fenstern, um Luftzug zu verhindern, oder das Anbringen von Heizkörper-Reflektorfolien können kleine Wunder bewirken.

Sparduschköpfe und Durchflussbegrenzer: Hier geht es vor allem in unseren Breitengraden nicht um das Wassersparen an sich, sondern um die drastisch verminderte Wassermenge, die aufgeheizt werden muss. Kleines Beispiel: Ein herkömmlicher Duschkopf verbraucht bis zu 20 Liter die Minute – Sparduschköpfe schaffen es, bei oft gleich empfundener Duschqualität, die Menge auf unter zehn Liter zu drücken. Mit einer simplen kleinen Investition kann man die benötigte Energiemenge für das Warmwasser knapp halbieren!

Beim Stromverbrauch können wir z.B. mit LED Beleuchtung, im Vergleich zu den Glüh- bzw. Halogenlampen, bis zu 90 % Energie einsparen. Bei Kühl- und Gefrierschränken sollte auf die richtige Temperatur geachtet werden. Kleine Portionen kann man schnell und einfach in effizienteren Mini-Öfen zubereiten, anstatt für jede kleine Pizza den großen Backofen anzuwerfen. Elektrogeräte im Allgemeinen sollten, wenn möglich, auch wieder dem Gebrauchtmarkt zugeführt werden. Willhaben, Spock, Ebay und Co können dafür sorgen, dass wir die Nutzungsdauer unserer Geräte insgesamt gesehen erhöhen und obendrein auch Müll vermeiden können.

Weitere nützliche Energiespartipps finden Sie z.B bei E-Control.

Fazit
Die weltweiten CO2-Emissionen betragen derzeit knapp 36 Milliarden Tonnen pro Jahr! Wir pusten somit pro Jahr die Masse von ca. 5500 Cheops Pyramiden in unsere Atmosphäre!

Unsere Erde hat Millionen Jahre gebraucht, um diese Menge in ihrem Inneren zu binden. Was wir hier betreiben, verdient die Bezeichnung Terraforming, also das künstliche Anpassen einer Planetenatmosphäre. In der Science Fiction werden mit dieser Technik unbewohnbare Planeten für den Menschen habitabel gemacht – wir betreiben das exakte Gegenteil.

Im dritten Teil möchte ich vor allem näher auf technologische Alternativen für die zweite Phase eingehen, und aufzeigen was schon heute, bzw. in naher Zukunft, alles möglich ist.

Credits

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Pump_Jack Pump_Jack Sanjay Acharya CC BY-SA 3.0

Diskussion (Ein Kommentar)

  1. Ausgezeichneter Artikel. Ich würde mich sehr über Alternativen zu Erdöl-basierenden Produkten freuen. Die Alternativen zu fosiler Energie sind schon sehr ausgereift und ausreichend bekannt, aber bei Erdölerzeugnissen sieht es mWn nicht so gut aus.