Container-Schiff

Neues Energiebewusstsein – Zu Wasser und zur Luft

In den letzten Artikeln ging es vermehrt um das Automobil und seine bereits bekannten Einsparungs- und Optimierungspotentiale. Im vierten Teil möchte ich mich mit weiteren „Emissionsschwergewichten“ wie der Schiff- und der Luftfahrt beschäftigen. Auch hier könnten teils uralte Konzepte unserer Umwelt eine Atempause gewähren.

Der Schiffsverkehr

Die Schiffahrt ist ein nicht wegzudenkender Aspekt im Transportwesen, und ein Motor der Weltwirtschaft. Rund 40.000 Handelsschiffe transportieren etwa 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs. Auch etwa 90 Prozent des EU-Außenhandels und über 40 Prozent des EU-Binnenhandels erfolgen auf dem Seeweg.

Quelle: Umwelt Bundesamt Deutschland

Passagier- und Frachtschiffe werden zum Großteil mit Schweröl betrieben. Schweröl ist ein Überbleibsel aus dem Destillationsprozess, nachdem Gas, Benzin, Diesel, Kerosin etc. aus dem Rohöl hergestellt wurde. Die stockwerkehohen Motoren dieser Kolosse sind in der Lage, dieses Öl zu verbrennen, mit teils unglaublichen Auswirkungen auf unsere Umwelt.

Ein Kreuzfahrtschiff stößt auf der gleichen Strecke die fünf millionenfache Menge an Schadstoffen aus, wie ein PKW.

Des weiteren läuft die Verbrennung des Treibstoffes, im Vergleich zu modernen Automotoren, ungleich schadstoffreicher ab. Beispielsweise ist der Schwefelanteil im Schweröl bis zu 3.500mal höher als z.B. im Dieselkraftstoff, der, wie wir wissen, selbst schon nicht unbedingt der am saubersten verbrennende Kraftstoff ist. Hinzu kommt, dass sehr viele Schiffsbetreiber auf, ihrer Ansicht nach zu kostenintensive, Nachbehandlungsmethoden für die Abgase verzichten.

Doch auch für die Schiffahrt gäbe es Alternativen. Wie kürzlich bekannt wurde, will Norwegen für seine Flotten Co2 neutrale Biotreibstoffe einsetzen, und das schon ab dem Jahre 2030. Einerseits kommen synthetische Treibstoffe in Frage, andererseits könnten schon jetzt viele Schiffe mit einem Erdgasantrieb betrieben werden. Das wäre zwar nicht CO2-neutral, aber um Potenzen weniger umweltschädlich als der herkömmliche Betrieb mit dem Schweröl. Bis dorthin kann man jedoch auch mit vorhandener Technologie einiges an Emissionen einsparen.

Sparen mit Ideen aus der Vergangenheit

Das E-Ship1 ist einer der ersten kommerziellen Frachter der Neuzeit, welches Flettner Rotoren einsetzt. Der Flettner Rotor ist eine Art drehendes Segel, ein aerodynamischer Antrieb, der bei entgegengesetzter Windrichtung Schub erzeugen kann. Die Hitze der Dieselaggregate und deren Abgase werden dafür verwendet, um eine Dampfturbine zu betreiben, welche wiederum die Rotoren in Bewegung versetzt. Somit sind Treibstoffeinsparungen von bis zu 25% erreichbar, was, gemessen am Verbrauch dieser Schiffstypen, eine nicht zu unterschätzende Menge ist. Flettner Rotoren wurden bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verwendet.

Auch der Wind könnte in absehbarer Zukunft wieder eine Rolle in der Schiffahrt spielen. Es ist angedacht, Frachtschiffe mit ausklappbaren Segeln auszustatten. Auch am Bug befestigte „Drachen“ können einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung der benötigten fossilen Energieträger leisten. Selbstverständlich können diese Maßnahmen auch mit den hoffentlich bald eingesetzten Biokraftstoffen kombiniert werden. Jeder Liter unverbrauchter Kraftstoff, egal welchen Ursprungs, zählt.

Ressourcen sparen in der Luft

Das Fliegen ist für viele von uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Immer mehr Menschen können sich das Reisen mit dem Flugzeug leisten – leider mit fatalen Auswirkungen auf unser Klima. Der globale Anteil an Co2-Emissionen, der durch den Flugverkehr in die Atmosphäre gelangt, beträgt zur Zeit etwa 2.2%. Kohlendioxid in Höhen von etwa zehn Kilometer ausgestoßen, ist nach neuesten Studienergebnissen bis zu dreimal schädlicher als Kohlendioxidausstoß in Bodennähe. Neueste Passagiermaschinen. wie beispielsweise der Airbus A320neo, werben mit fünfzehn Prozent weniger Kerosinverbrauch, der durch aerodynamische und mechanische Optimierungen an den Turbinen erzielt werden kann. Leider werden diese Einsparungsmöglichkeiten durch den rasanten Anstieg des Flugaufkommens in negativer Weise überkompensiert.

Auch hier gelten Bio- bzw. synthetische Kraftstoffe als Hoffnungsträger der Zukunft. Virgin Atlantic testete bereits im Jahr 2008 erfolgreich eine Kerosin/Biosprit Mischung. Der Biosprit wurde durch die Jatropha (Brechnuss) Pflanze gewonnen, eine für den Menschen nicht essbare Energiepflanze. Im Jahr 2011 folgte Lufthansa mit einem 50:50 Gemisch aus Kerosin und Biosprit aus Biomasse. Auch Algenkerosin wird von Forschern als eine mögliche Technologie der Zukunft angesehen. Algen binden das Co2 der Atmosphäre durch Photosynthese und wandeln sie in Fette um. Sie lassen sich relativ leicht zu klimaneutralen Treibstoffen, unter anderem Kerosin, weiterverarbeiten.

Leider lösen auch Biotreibstoffe das Problem der Kondensstreifen nicht. Diese künstlichen Wolken stehen in Verdacht, das Klima zusätzlich aufzuheizen, da diese Schicht wie ein Reflektor für die Wärmestrahlung der Erde wirkt. Vielleicht könnte uns jedoch ein alter Bekannter aus dieser Misere helfen – der Zeppelin. Es gibt Bestrebungen, Luftschiffe als Frachter einzusetzen, wie z.B bei Lockheed Martin angedacht. Auch das herkömmliche Passagierflugzeug scheint nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen zu sein. Diverse Designstudien deuten darauf hin, daß Treibstoffreduktionen von bis zu 70% langfristig realistisch sein könnten. Schauen wir, was die Zukunft uns bringt.

Saubere Luft – ein knappes Gut

Kürzlich wurden zwei Studien veröffentlicht, deren Inhalt dramatischer kaum sein könnte. Laut des Kinderhilfswerkes Unicef leiden weltweit 300 Millionen Kinder an Luftverschmutzung, 600.000 davon sterben jährlich an den direkten und indirekten Folgen dieser Verschmutzung. „In erster Linie geht es dabei um Feststoffe, wie Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxide, Ozon und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“, so die erschütternde Erkenntnis aus der Studie. Wer glaubt, dieses Problem tritt nur in Ländern der „dritten Welt“ auf, der irrt. Alleine in Europa leiden 120 Millionen Kinder an bedenklich hohen Schadstoffwerten. Zwanzig Millionen davon atmen die doppelte, von der WHO als noch vertretbare Obergrenze eingestufte, Konzentration ein.

Eine WHO Studie besagt, daß über 90% der Menschheit kontaminierte Luft einatmen muss.

Diese Zahl hat selbst mich erstaunt. Schätzungsweise sieben Millionen Menschen sterben jährlich an Folgen der Luftverschmutzug, das ist laut WHO jeder achte vorzeitige Todesfall. Diese Fakten kann ich reinen Gewissens als dystopisch bezeichnen. Es zeigt den absoluten Bankrott unserer Gesellschaften und der Menschheit an sich. Durch Ignoranz und „Analphabetismus“ transformieren wir unseren Planeten in eine Art Kloake. Jeder von uns ist dazu aufgerufen, diesen Wahnsinn zu beenden, egal ob arm oder reich, denn jeder kann etwas dazu beitragen unseren einzigartigen Planeten, und damit uns, zu schützen.

Der Sender ARTE hat eine Doku namens „Dicke Luft – wenn Städte ersticken“ über diese Problematik produziert, die ich hier nur wärmstens empfehlen kann.

Ich habe mich entschieden, die Serie, entgegen meiner Ankündigung im letzten Artikel, doch weiterzuführen. Zu wichtig und interessant sind die Erkenntnisse, Pläne und Forschungsergebnisse in diesem so unfassbar wichtigen Bereich. Im nächsten Teil möchte ich einen Blick auf das „Plastikproblem“ werfen und Möglichkeiten aufzeigen, dem Öl mit erneuerbaren Energien eine praxistaugliche Alternative entgegenzustellen.

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Container-Schiff Container-Schiff hummelhummel CC BY-SA 3.0

Diskussion (3 Kommentare)

  1. Super artikel. Weiter so!

  2. Ja ein exzellenter Artikel. Und in weiten Teilen stimme ich zu. Aber Biokraftstoffen wird viel zu viel Gutes zugemessen Wenn man weiß, dass Landwirtschaften komplett auf diese Produkte umgestellt worden sind und Nahrungsmittel nur noch herstellt werden um sie dann in Biokraftstoff zu verwandeln, dann ist Vorsicht geboten vor der großen Euphorie:
    http://www.br.de/themen/wissen/biokraftstoff-nachwachsende-rohstoffe100.html
    „Die Studie geht davon aus, dass für die Produktion der Biotreibstoffe weltweit riesige Flächen in zusätzliches Ackerland umgewandelt werden müssen, was von Befürwortern des Biosprits nicht berücksichtigt wird. Die Forscher analysierten die offiziellen Pläne von 23 EU-Mitgliedstaaten zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Demnach sollen bis 2020 in Europa 9,5 Prozent der Energie für den Verkehr aus Biosprit bestehen, der fast vollständig aus Ölsamen, Palmöl, Rohr- und Rübenzucker und Weizen gewonnen wird. Dafür müssten laut Studie weltweit bis zu 69.000 Quadratkilometer Wälder, Weiden und Feuchtgebiete in Anbauflächen umgewandelt werden – das entspricht der doppelten Fläche von Belgien. Infolgedessen würden Jahr für Jahr bis zu 56 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt.“

  3. Das ist tatsächlich Aufklärung 2.0 Ich danke herzlichst für diese Serie.