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Equilibrismus: Leben im Gleichgewicht – Eric Bihl

Das Wort „Equilibrismus“ mag auf den ersten Blick etwas sperrig erscheinen, erschließt das ihm zugrunde liegende Konzept jedoch sehr gut. Hergeleitet aus dem Lateinischen, bezeichnet es den Zustand der Balance, der Ausgeglichenheit. Eric Bihl – neben Volker Freystedt einer der Begründer der Bewegung, die sich um eine gesellschaftliche Etablierung des Eqilibrismus bemüht – bringt zur Veranschaulichung gerne das Beispiel eines Seiltänzers, für den ja fraglos die Balance lebensentscheidend ist.

Die allgegenwärtige Thematik der Krise, mit der sich der Mensch umfassend konfrontiert sehe, sei der Auslöser für Eric und seine Mitstreiter gewesen, aktiv nach pragmatisch umsetzbaren Lösungen zu suchen.

Die in den letzten hundert Jahren so massiv gesteigerte Belastung der Lebenswelt des Menschen und deren Zunahme aufgrund des massiven Bevölkerungswachstums seien hier zentral zu beachten.

Eric Bihl erklärt:

Zur Zeit Napoleons gab es auf der Welt ca. eine Milliarde Menschen, als Lindberg 1927 über den Atlantik flog, waren es zwei Milliarden, und Anfang der Sechzigerjahre waren es drei. In den letzten zwanzig Jahren, der Zeit des Bestehens des Vereins zur Förderung des Equilibrismus, hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Um die Mitte der Zwanzigerjahre dieses Jahrhunderts werden wir die acht Milliarden erreichen.

Dass es auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht ewig so weitergehen kann, erscheint einleuchtend. Zwar bemühe man sich, in den verschiedensten Weltregionen die Begrenzung des Wachstums auf 2,1 Kinder pro Frau umzusetzen, doch tatsächlich effektive Lösungen würden fehlen, beachte man dabei vor allem den sensiblen Zeitfaktor. Darum plädiert Eric dafür, den Eqilibrismus zumindest einmal experimentell zu manifestieren: In einer definierten Umwelt, z.B. auf einer Insel, einmal auszuprobieren, ob es auch anders funktionieren könne. Die Dynamik positiver Beispiele könne im besten Fall ansteckend wirken.

Eric Bihl postuliert, dass bloße Reformen nicht ausreichen würden, um den gegenwärtigen Problemen des Planeten und seiner Bewohner effektiv zu begegnen, sondern es zu fundamentalen Paradigmenwechseln kommen müsse. Rein technologische Lösungen seien laut Eric eine „Fata Morgana“, da diese Systeme so extrem sensibel und „energiehungrig“ seien:

Wäre das Internet ein Land, stünde es weltweit an sechster Stelle im Energieverbrauch. Die Steigerungsraten sind anhaltend hoch. Ich sehe nicht, dass die technologischen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte den Menschen unbedingt glücklicher gemacht haben …

Transparent darstellbar würde dieser Umstand auch, wenn man die Entwicklung des Autos betrachte: Zwar habe der individuelle Verkehr die Welt umfassend dynamisiert, aber ob dies in letzter Konsequenz zu einer Bereicherung des menschlichen Lebens führe, sei zumindest fraglich.

Erich Bihl:

Es geht nicht darum, eine Dieseldebatte zu führen. Wir müssen ein komplett anderes Verkehrssystem entwickeln. Wir müssen uns fragen: Wie können wir die ganze Welt der Mobilität neu orientieren?

Diese Thematik hänge direkt mit der Frage der Arbeitswelt und der Urbanisierung zusammen. Eric bringt das Beispiel einer Gesellschaft im Treibsand:

Die einen sagen: Bleib still, sonst sinkst du noch tiefer. Andere sagen: Beweg dich, aber dann gehst du schneller unter … Es gibt jedoch eine Möglichkeit, dem Treibsand zu entkommen: 1. die Ruhe bewahren, 2. sich nach hinten legen, bis die Beine nach oben steigen, und dann kann man sich ganz langsam und vorsichtig befreien … Aber das Wichtigste ist, die Ruhe zu bewahren, und gerade die haben wir heutzutage nicht, da wir irgendwohin rennen, ohne erkennbaren Plan und Ziel.

Hier setzt der Equilibrismus mit seinem Plädoyer zum fundamentalen Bewusstseinswandel ein. Primär geht es um den Mut, das Leben von Grund auf alternativ zu denken, Werte und Verhaltensweisen urteilsfrei zu hinterfragen und dann in der Realität experimentell Lösungen zu erarbeiten, die eine tatsächliche Transformation hin zur ganzheitlichen Balance zwischen Mensch und Welt ermöglichen. Eric Bihl und seine Mitstreiter haben hierzu ganz konkrete Projekte in der Pipeline und freuen sich über alle, die sich näher damit beschäftigen, den Equilibrismus entdecken und unterstützen wollen:

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Titelbild-Eric Bihl Titelbild-Eric Bihl Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
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