Eröffnung der 38. Internationalen Sommergespräche

Gesellschaft

Die Eröffnung der 38. Internationalen Sommergespräche der Waldviertel Akademie fand traditionell auf Schloss Weitra statt. Nach der Eröffnung durch den Bürgermeister von Weitra, Patrick Layr, ergreift der Vorsitzende der Wavak, Thomas Arthaber, das Wort, und stellt den diesjährigen Schwerpunkt vor: „Solidarität – wieviel Zusammenhalt braucht unsere Gesellschaft“. Dem wissenschaftlichen Beirat, der diesen Schwerpunkt traditionell auswählt, ist es heuer gelungen, ein ganz besonders aktuelles Thema zu erwählen.

Der berufliche Weg von Univ.-Prof. Dr. Christian Hanus vom Kooperationspartner Donau-Uni Krems führt ihn in den letzten Jahren immer wieder ins Waldviertel, und obwohl er schon oft hier war, bleibt für ihn der Glanz des Waldviertels erhalten. Das Thema Solidarität hat ihn die letzten 3 Jahre intensiv begleitet, vor allem im Bezug auf die Unterstützung der polnischen Kollegen beim Versuch, die Danziger Werft auf Grund ihrer historischen Bedeutung (Solidarnosc) als UNESCO Weltkulturerbe zu etablieren, wenn auch bisher ohne Erfolg.

Die Programmkuratoren Christoph Mayer und Reinhard Linke stellen im Folgenden die Inhalte der nächsten vier Tage vor. Während die Coronakrise durch die Energiekrise ersetzt wurde, blieb uns das Thema Solidarität konstant und auf vielen Ebenen erhalten, wie auch die Veranstaltungen der kommenden Tage abbilden werden.

Nach einer musikalischen Einlage von Barbara Koller und Marlene Duschlbauer übernimmt die Eröffnungsrednerin Dr. Heidi Kastner mit ihrem Thema „Die Solidarität und ihre Feinde“ die Bühne. Wenn man sich einem komplexen Thema nähert, dann passiert es oft, dass man auf Grund der vielen Einzelteile oft den Blick auf die Gesamtheit verliert. Das aktuellste Beispiel von möglicher Solidarität ist wohl jenes der Wien Energie: man kann es deren 2 Millionen Kunden nicht zumuten, im Dunklen und Kalten zu sitzen – also hilft man diesem Unternehmen. Ob dies nun tatsächlich solidarisch ist – oder nicht eher Erpressung –, und ob diese Firma ihre möglichen künftigen Gewinne dann auch solidarisch verteilen wird, ist wohl eher unwahrscheinlich. Im Ukrainekrieg beschwört die Europäische Union die Solidarität der europäischen Bürger mit der angegriffenen Ukraine, während national orientierte Politiker darauf pochen, keine Waffen zu liefern oder sich neutral zu verhalten. Auch während der Coronapolitik gab es höchst unterschiedliche Zugänge zur Solidarität, je nachdem in welchem Spektrum man selbst unterwegs war.

Begriffe werden zumeist dann ständig wiederholt, wenn sie ihre Inhaltlichkeit verloren haben.

Solidarität als Begriff wird meist auf Werte- oder Interessensgemeinschaften angewandt, oder auch auf die gesamte Gesellschaft. Sie ist Grundlage menschlichen Zusammenlebens; mir ihr sind Erwartungen/Vorteile, aber auch Pflichten/Nachteile verbunden bzw möglich. Das umfassendste Beispiel für Solidarität ist der Sozialstaat, in dem wir uns gegenseitig gegen wesentliche Risken absichern: das größtmögliche Wohl für eine größtmögliche Anzahl an Gesellschaftsmitgliedern ist das Ziel. Im angloamerikanischen Raum, der historisch gesehen auch höchst erfolgreich war, ist dies zB völlig anders: da setzt man stattdessen auf die individuelle Leistungsfähigkeit. Die dort weit größere persönliche Freiheit das zu machen, was einem beliebt, ist in einem Sozialstaat nicht möglich – denn dieser muss zB über Steuern finanziert werden.

Der komplexe Begriff Solidarität bietet noch viele weitere Ansatzpunkte, auf die Frau Kastner im weiteren Verlauf ihres Vortrages eingeht, inklusive der vermeintlichen Spaltung der Gesellschaft und des um sich greifenden Individualismus, der der Solidarität den Rang abzulaufen droht. Nach einer weiteren musikalischen Einlage kommt auch noch die Vertreterin von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die Landtagsabgeordnete Margot Göll zu Wort.

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