Freude an der Schöpfung wecken – Dirk C. Fleck

Der stattfindende Ökozid wird die menschliche Gesellschaft bis zum Ende dieses Jahrhunderts massiv verändern, meint der Hamburger Autor und Publizist Dirk C. Fleck. Seine 1993 erschienene Dystopie GO! Die Ökodiktatur beschreibt so eine Gesellschaft. Das Buch war damals als mahnendes Beispiel gedacht; heute, so Fleck, werden wir ohne Ökodiktatur die Wende zur Rettung der Welt, die von der Diktatur des Kapitals bis heute verhindert wird, wohl nicht mehr rechtzeitig schaffen.

Um die Aufmerksamkeit stärker auf die Umweltthemen zu lenken, bedarf es einer übergeordneten Organisation, die sich radikaler Aussagen bedient – wobei radikal nicht im Sinne terroristischer Handlungen, sondern im ureigentlichen Wortsinn zu verstehen ist: radix, die Wurzel – also an die Wurzel des Übels zu gehen und die laue Diskussionskultur zu überwinden. Die meisten Umweltschutzorganisationen sind heutzutage zu kompromissbereit; sie gehen mit Regierungen nicht auf Konfrontation, sondern passen sich an das zerstörerische System an, und machen es bestenfalls nur etwas weniger zerstörerisch. Für diese langsamen Schritte fehlt uns aber die Zeit, so Fleck.

Die Renaissance der Atomkraft im Zuge der Klimadebatte ist für den Journalisten ein Auswuchs der globalen Kapitalistendiktatur: Gewinnmaximierung als oberstes Prinzip wird ebenso wenig hinterfragt, wie das eigene Handeln im Bezug auf die Verschwendung endlicher Ressourcen. 50 Prozent der Weltbevölkerung leben bereits in Städten und verlieren dementsprechend die Beziehung zur Natur. Übertriebene Polemik soll die Leute zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen. Am Ende der Show ist der Boden für radikale Lösungen zur Rettung der Umwelt bereitet.

Die Analyse der Entwicklung wurde tausendmal durchgeführt; jetzt ist es an der Zeit, der persönlichen Empörung von Millionen Menschen in einem reichweitenstarken Format – am besten in einer Show verpackt – eine Bühne zu geben. In dieser Show führt die Kunstfigur eines desillusionierten Moderators allen Zusehern vor Augen, was das Leben unerträglich macht – bis hin zur Depression.

Letzten Endes dreht sich alles ums Geld, wie Fleck’s Beispiel der Umerziehung der Wilderer in Afrika zu Tierhütern zeigt. Menschen, die in Europa täglich ums monetäre Überleben kämpfen müssen, haben keine Zeit, um sich um die Waldbestände in Südamerika zu kümmern.

Heute leben wir alle in einer Welt, in der wir die Langzeitfolgen unseres Wirtschaftens erleben: sei es der Atommüll in den Ozeanen, seien es die erodierenden Böden in Asien auf Grund des Einsatzes genmanipulierten Saatguts, der Plastikmüll, die Überfischung der Meere etc. Doch Fleck ist sich sicher, dass sich die Schöpfung zu wehren weiß – und genau das werden die Menschen in den nächsten Jahrzehnten erleben.

Entscheidend wird sein, ob und wie man in den Menschen die Freude an den Wundern der Schöpfung wieder entfacht. Wenn dies gelingt, werden sie automatisch achtsamer mit ihrer Umwelt umgehen.

 

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Dirk C. Fleck Wolfgang Müller 1

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