Gemeinwohlökonomie – Fragerunde mit Christian Felber (Zukunftskonferenz 2021)

Wirtschaft

Die Frage nach der globalen Wettbewerbsfähigkeit stellt sich für die Gemeinwohlökonomie nicht: Werte wie Solidarität stehen im Vordergrund – dass man erfolgreicher sein muss, als jemand anderes, ist kein Verfassungsgrundsatz, sondern pathologischer Narzissmus, mein Christian Felber zu Beginn der Frage- und Publikumsrunde bei der Zukunftskonferenz 2021. Ziel jedes Menschen sollte es sein, seine Gaben und Fähigkeiten für eine bessere Gesellschaft einzusetzen, und nicht zum Eigennutz.

In einem ethischen Welthandel treiben jene Staaten untereinander engen Handel, die auf Menschenrechte, sozialen Ausgleich und Umweltschutz setzen – und bei jenen, die ihre Konzerne in astronomische Höhen wachsen lassen und sich um keine Werte kümmern, wird der Handel weitestgehend eingeschränkt. Damit durchbricht man die Wettbewerbs- = Globalisierungsfalle.

Felber tritt für strengere Regulierungen für Unternehmen ein; gleichzeitig aber sieht er im Kontakt mit vielen Klein- und Mittelbetrieben, dass der Wust an Vorschriften und Bürokratie über Hand genommen hat. Weniger, aber streng, ist deshalb seine Devise. Für die Freiheit, die die Demokratie den Unternehmen bietet, müssen sie Verantwortung übernehmen – indem sie zb Steuern zahlen, oder sich an bestimmte Grundwerte, die staatlich vorgegeben und standardisiert überprüft werden können, halten. Künftige Unternehmensprüfer werden sich nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit ethischen Grundwerten und ökologischen Themen auseinandersetzen müssen, um Unternehmen auch über den finanziellen Aspekt hinaus prüfen zu können.

Angesprochen auf die Initiative Covid-19 ins Verhältnis setzen, die Felber mit vielen anderen ins Leben gerufen hat, bekräftigt er seine Einschätzung der galoppierenden Entdemokratisierung, die auch durch den Report von Varietes of Democracy untermauert wird: seit 2010 haben sich die Länder, in denen liberale Demokratien herrschen, dramatisch reduziert. Die Covid-Maßnahmen der letzten zwei Jahren reihen sich in diesen Megatrend nahtlos ein. Im Folgenden bekräftigt er seine Kritik an den Maßnahmen mit zahlreichen Fakten und Studien und stellt fest, dass die Gemeinwohlökonomiebewegung zu Corona keine eindeutige Position vertritt, da es auch hier wie sonst in der Gesellschaft viele unterschiedliche Meinungen gibt.

Ein konkreter Vorschlag Felbers gegen die Übermacht der Konzerne wäre, dass man alle sinnvollen Möglichkeiten, die Google, Facebook, Youtube & Co bieten, sammelt, und auf Basis eines EU-Projektes open source mit vielen Programmierern für Europa umsetzt und jedem Bürger ohne Werbung und Datensammelwut anbietet: IT-Kommunikation als öffentliches Gut. Weiters sollte eine globale Fusionskontrolle eingerichtet werden, die den internationalen Welthandel und die ihn betreibenden Konzerne. Kein Unternehmen sollte größer als eine Milliarde Umsatz pro Jahr werden.

Weitere Publikumsfragen betreffen die Finanzierung des Vereins für Gemeinwohlökonomie, ob diese Bewegung den Kapitalismus retten oder doch überwinden will, wie Felber zum Sozialismus steht, wie man vom entweder/oder zum sowohl/als auch kommt (vor allem bezogen auf die aktuellen Ethikdikussionen im Gesundheitsbereich) und wie man aus dem Angstszenario der Coronakrise wieder herauskommt.

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IChristian Felber – Zuschauerdiskussion Wolfgang Müller 1