Ist Frieden etwa reine Frauensache?

Dies ist nun der dritte und letzte Teil der Interview-Serie mit Dr. Daniele Ganser. Der Schweizer Historiker, Energie- und Friedensforscher beehrte Wien im Herbst 2016, anlässlich eines Vortrages, mit einem Besuch und wurde von unserem Idealism Prevails-Team interviewt. 

Nach seinem dreitägigen Vortrags- und Interview-Marathon und kurz vor seiner Heimreise in die Schweiz wollte ich von Dr. Daniele Ganser wissen, wie und ob sich die Rolle der Frau im Sinne der Friedensforschung allgemein verändern könnte, „to make the world a better place“.

Das Interview – dritter und letzter Teil

Konflikte. Gewalt. Wir wissen, dass Männer in den großen, internationalen Konflikten eine zentrale Rolle spielen. Könnte man, im Sinne der Friedensforschung, der Rolle der Frau mehr Gewicht beimessen, um den „starken Burschen“ den Garaus zu machen? Wäre das ein Fortschritt für die Friedensforschung?

Dr. Daniele Ganser:

„Ich denke, dass es grundsätzlich wichtig ist, dass wir zu einer Position der Augenhöhe zwischen den Geschlechtern kommen – das ist für mich ein Prinzip der Balance. Um Konflikte ohne Gewalt zu lösen, braucht es nämlich immer Balance:

Balance zwischen den Argumenten; Balance zwischen den Klassen; Balance unter den Armen, den Reichen und der Mittelschicht – sowie Balance zwischen den Geschlechtern. Natürlich sind wir weltweit noch nicht an dieses Ziel gelangt, aber es wurden schon sehr viele Fortschritte in die richtige Richtung gemacht. Aus Schweizer Perspektive weiß ich, dass Männer lange dachten, es sei besser, Frauen vom Wahlrecht auszuschließen.

In der Schweiz war es noch in den 50er- und 60er-Jahren den Frauen untersagt, wählen zu gehen. Die Männer waren fest davon überzeugt, Frauen wären ‚zu emotional‘ und gar nicht dazu in der Lage, vernünftige Entschlüsse zu fassen; es hätte ihnen an ‚Weitsicht‘ gefehlt. Das Misstrauen gegenüber den Frauen muss damals also sehr groß gewesen sein. Erst 1971 wurde das Frauenstimmrecht in der Schweiz eingeführt, Frauen sind in der Schweiz erstmals ins Parlament eingezogen – und in den späten Achtzigern kamen sie an die Regierung.

Heute aber ist man glücklicherweise der Überzeugung, dass diese Entwicklung positiv ist. Die Befürchtungen der Schweizer von damals wie: ‚Die Schweiz geht den Bach runter, weil die emotionalen Frauen das Land zugrunde richten würden‘, sind als komplett blödsinnig einzustufen – im Gegenteil: Man schämt sich heute, dass man diese Entscheidung erst 1971 fällte.

Ich habe eine zehnjährige Tochter sowie einen achtjährigen Sohn. Und für mich ist es ganz selbstverständlich, dass beide dieselben politischen Rechte haben. Ich fände es schrecklich und es wäre für mich unvorstellbar, dürfte meine Tochter nicht wählen gehen – mein Sohn hingegen schon. Und so gibt es auf dieser Welt in den diversen Ländern verschiedene Entwicklungsprozesse in Bezug auf die Rolle der Frau.

In Saudi-Arabien z.B. ist der Bewusstseinszustand der Frau gegenüber völlig konträr: Dort dürfen die Frauen nicht alleine Auto fahren, weil die Männer glauben, dass sie dabei fremdgehen könnten! Ich sprach mit vielen Saudis, und die meinten: ‚Wir müssen die Frauen an der kurzen Leine halten, weil die Frau – so wie das Auto und das Haus – zu unserem Besitzgut gehört!‘ Genau das ist meiner Meinung nach ein Bewusstseinszustand eines Besitzdenkens und eines alten Bewusstseins, und diese gilt es zu überwinden.

Wichtig dünkt mich, dass gemäß der Friedensforschung Frauen und Männer zusammenarbeiten, und zwar auf gleicher Augenhöhe; niemand sollte als grundsätzlich besser oder schlechter qualifiziert eingestuft werden. Frauen haben beispielsweise eine ganz andere Art, mit Konflikten umzugehen.

Trotz allem muss ich sagen, dass es die Konflikte zwischen Mann und Frau innerhalb einer Beziehung sind, die am schwierigsten zu lösen sind. Das sieht man z.B. bei der Kindeserziehung – da müssen Dinge gemeinsam gelöst werden. Ich persönlich habe gröbste Probleme mit meiner Frau. Das ist so. Nicht mit den Syrern, nicht mit den Amerikanern und auch nicht mit den Russen! Sechzehn Jahre lang Konflikt-Studium zu Hause – doch ich liebe sie heiß. Allein, sie fordert mich in einer Art, wie ich es manchmal gerne vermeiden würde.“

Sind diese geschlechtlichen Konflikte denn vermeidbar?

„Nein, sie sind nicht vermeidbar. Diese Konflikte sind einfach da. Wenn sich aber beide Partner ehrlich in die Konfliktmaterie einbringen, ist vieles möglich. Ich wüsste übrigens nicht, wo ich wäre, wenn ich meine Frau nicht hätte.“

Konflikte sind wohl Herausforderungen …

„Konflikte sind, und das erkläre ich auch meinen Kindern, etwas Gutes. Der Mensch ist grundsätzlich träge und verändert sich erst, sobald er in eine Konfliktsituation gerät. Ist der Konflikt nun da, dann will man ihm oft zuerst einmal aus dem Weg gehen. Doch das funktioniert nicht: Er will nicht einfach verschwinden, er sitzt einem also direkt wieder vor der Nase. Erst zu diesem späten Zeitpunkt denkt man über ihn nach und wird dazu gezwungen, an einer Lösung zu arbeiten. Dafür sind aber bestimmte Fähigkeiten wesentlich, die man sich antrainieren muss.

Dass man für Konfliktlösungen einen Lernprozess durchgehen muss, sehe ich bei mir selbst vor allem im Umgang mit meinen Kindern. Tritt nämlich ein Problem auf, ist die erste Reaktion eines Kindes simpel: Es schlägt zu, es wendet also Gewalt an. Das passiert sehr schnell, wenn es z.B. um Besitzstreitereien geht: ‚Das ist meins, und wenn du es mir nimmst, dann schlage ich dir auf den Kopf.‘ Dann beginnen die Erziehungsmaßnahmen seitens der Eltern, die in Österreich und in der Schweiz ähnlich sind: Die Eltern versuchen zu deeskalieren und reagieren auf ihre Kinder: ‚Hey, hört zu – schlagt euch nicht.‘

Eltern versuchen es also mit Deeskalation. Dabei gilt es jedoch, nach der Ursache eines Konfliktes zu forschen, denn oft durchschaut man einen Konflikt nicht sofort. Man ist z.B. im Garten, spritzt die Blumen, und im Hintergrund im Sandkasten bricht plötzlich ein Konflikt aus. Dann dreht man sich um und sieht: Der Sohn zieht der Tochter die gelbe Plastikschaufel voll über den Kopf! Und gleich denkt man weiter: ‚Du meine Güte, das ist jetzt nicht der richtige Ansatz!‘

Jetzt beginnt der Einmischungsprozess, und da ist es wichtig – wie auch in Kriegssituationen – zu fragen, wer mit der Konfrontation angefangen hat. Da muss man aber natürlich beide Streithähne fragen. Also frage ich meine Tochter und sie weint und sagt, dass der Bruder ihr die Schaufel über den Kopf gezogen habe. Jetzt könnte man das Thema abschließen und ihn als Alleinschuldigen betiteln. Das sehe ich aber als einen beträchtlichen Fehler: Man muss immer mit beiden Gruppen reden – und das gilt auch für den Irak und für Syrien.

In nächster Instanz frage ich meinen Sohn: ‚Warum ziehst du ihr die Schaufel über den Kopf?‘ Er: ‚Sie hat mir Sand in die Augen geworfen!‘ Diesen Teil der Wahrheit konnte ich nicht sehen, denn da spritzte ich gerade die Blumen. Und überhaupt: Mit Sand zu werfen, geht ganz schnell – die Schaufel hingegen ist eine klare, sichtbare Waffe. Und jetzt gerate ich an den Punkt, mit dem Deeskalationsprozess zu beginnen, und sage: ‚Hör zu, Sohn, schlage sie nicht mit der Schaufel.‘ Und: ‚Hör zu, Tochter, wirf keinen Sand.‘ Somit sind beide Parteien beruhigt – und in der Folge spielen sie weiter miteinander. In Frieden.

Insgesamt bin ich der Überzeugung, dass Frauen in der Friedensbewegung eine sehr wichtige Rolle spielen. Damit meine ich aber nicht, dass Frauen automatisch einen Garanten für den Frieden in der Politik z.B. darstellen.

Ein verheerendes Beispiel im Bereich Politik dafür, dass Frauen nicht automatisch ein Garant für den Frieden sind, ist Angela Merkel: Sie führt die Bundeswehr in den Syrienkrieg, was man nicht als richtige Entscheidung bezeichnen kann. Es ist sogar als ein Verbrechen einzustufen. Condoleezza Rice handelte als die nationale Sicherheitsberaterin an Präsident Bushs Seite und beteuerte, dass Saddam Hussein etwas mit 9/11 zu tun gehabt hätte. Und Margaret Thatcher wiederum hat den Krieg um die Falklandinseln geführt.

Es ist also nicht per se so, dass Frauen friedlich sind, im Gegenteil: Man weiß auch, dass Frauen teilweise mit Worten – nicht mit Handgreiflichkeiten – Männer zur Weißglut bringen können, und folglich der Mann zuschlägt, wenn er nicht mehr anders kann. Es gibt Forschungen, die bestätigen, dass mit Worten Konflikte ausgelöst werden können; es ist wichtig, diese Worte genau unter die Lupe zu nehmen und sich einzugestehen, dass es nicht in Ordnung war, den Mann abzuwerten und das Wort als Waffe zu verwenden.

Die unterschiedliche Art der Geschlechter, mit Konflikten umzugehen, lässt sich gut in meinem Freundeskreis beobachten: Männer verlassen sich nicht groß auf ihre Sprachfähigkeiten – sie reden viel klarer und direkter miteinander und sagen: ‚Das passt mir nicht!‘ und lösen Konflikte notfalls mit Gewalt.

Bei den Frauen wiederum ist es so, dass sie einander anlächeln und sagen: ‚Hallo, schön, dich wiederzusehen.‘ Und dann wenden sie sich ab und bezeichnen einander als ‚dumme Schlampe‘, die man nie mehr wieder sehen möchte … Das ist ein ganz anderes Verhalten. Es geht also prinzipiell um die Sprache, die man anwendet. Frauen haben gelernt, ohne physische Gewalt zu überleben und haben kommunikative Gewalt entwickelt – diese gilt es loszulassen und sich darin zu üben, einfach ehrlicher miteinander zu kommunizieren.

Für die Friedensforschung ist es also – zusammenfassend gesagt – essenziell zu verstehen, wo genau die Ursache eines Problems liegt. Dabei müssen beide Geschlechter aber ihre unterschiedlichen Prozesse durchleben. Das behaupte ich aus langjähriger Erfahrung mit meiner Frau: Wir sind verschieden, und wir werden immer verschieden bleiben.“

Meine Lieblingsaussage von Dr. Daniele Ganser im Laufe der vielen persönlichen Gespräche lautet übrigens:

Den Weisen berühren weder Lob noch Tadel, doch ich bin nicht weise, denn ich muss mit Abwertung ‚copen‘ (…) Das ist also alles kein ‚Walk in the Park‘, aber eine gute Schule. Lob zieht mich rauf und Tadel runter. Deshalb versuche ich, zu nivellieren.

Dann gab es noch Apfelstrudel in der Spätsommersonne – das ist Herrn Dr. Gansers Wiener Lieblingsspeise übrigens. 🙂

Lassen wir uns seine Worte durch den Kopf gehen. Es lohnt sich!

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Annna Dichen und Dr. Daniele Ganser Anna Dichen und Dr. Daniele Ganser Bianca Traxler CC BY-SA 4.0

Diskussion (10 Kommentare)

  1. Frieden ist Menschensache würde ich sagen. ich behaupte mal das diese „vielen männer“ welchen man zu recht kriegstreiberei vorwirft, und dies seit vielen hundert jahren nur männerhüllen sind sprich pseudomänner. das richtig archaische männliche kämpft auch aber nicht für profit und machtkriege, sondern für frieden und freiheit. es ist wohl eine grosse und wichtige aufgabe aller menschen auch die der frauen, den inneren männlich-aggressiven anteil zu würdigen und ihn dadurch für edle ziele zu gewinnen. und genau da appelliere ich an die frauen (auch männer). einer der grundsteine und ursachen dieser negativ-entartung des archaisch männlichen liegt in schwangerschaft, geburt und den ungefair ersten 14 jahren. was diese entarteten männer besänftigen kann oder sie gar nicht erst zu diesen pseudomänner geformt hätte sind die eigenschaften einer richtigen mutter in der angangsphase des lebens. diese entarteten kranken männer welche wir in all diesen destruktiven und wichtigen ämtern finden hätten durch das archaische weibliche, mütterliche, prima geformt werden können. bedingungslose mutterliebe, viel brust und milch, nähe, getragen werden, spielen, zusammen schlafen, geduld, positive stimulation, windelfrei, fürsorge, lob, führung, sicherheit, freude am buben (männlichen im knaben). doch die heutige realität sieht anders aus. durch die heutige „art der Erziehung“ und den unnaturlichen, denaturierten umgang mit den kleinen menschen sind sie gezwungen ein hässliches ego zu kristallisiern. und genau dieser pathologisch entarteten teil lechzt nach machtgier aus erlebter machtlosigkeit, lechzt nach geld aus erlebtem mangel (liebe, milch, brust, mama etc), lechzt nach gewalt aus erlebter gewalt (psychisch,physisch) und lechzt nach hass und spaltung wegen nicht erlebter richtiger liebe. wenn die mütter ihre schwangerschaft, geburt und stillzeit aus den händen geben und dieser heilige, natürliche vorgang dem gierigen zinssystem (medizinsytem, kita, staatliche schulen) in die hände gelegt wird, welches ja auch von den pseudomännern geführt wird, so wird die grundlage eines richtigen mannes oder die grundlage des richtig männlichen zerstört. insofern fordere ich das weibliche auf holt euch eure schwangerschaften, geburten, stillzeit zurück. verbringt viel zeit in liebe mit den kindern. lasst die männer geld für euch verdienen. euer lohn werden gut gelungene und vor liebe sprühende junge männer sein. von diesen werded ihr euch gerne führen lassen, im kleinen wie im grossen. die erde würde erblühen vor liebe und nicht so wie wir es momentan sehen und spühren. also es kann etwas getan werden. herzlicher gruess aus der schweiz in liebe und bewusstsein

    1. Deine Worte und Gedanken begeistern mich, David! Ich kann mich hier nur jeder Silbe anschließen! Der unbedingte Keim der gesunden Entwicklung liegt im Mutterschoß und in der Vaterliebe – Vater und Mutter gleichermaßen ! Wahre Stärke zeigt sich nicht durch Unterdrückung und Ego-Bildung seines Kindes – Stärke ist „gesund“ zu definieren ! Der ganz wichtige Support in Richtung Empathie und Ethik setzt sich dann auch in den Schulen fort! Auf all dies sollte ganz unbedingt von der Pike auf geachtet werden! Herzlichst, Anna

    2. Wenn man Deinen Gedanken weiter denkt, David, muss man zu dem Schluss kommen, dass uns das Schimmste ja noch bevorsteht. Denn das Outsourcen der Erziehung wie es heute praktiziert wird, ist in diesem Maß noch nie da gewesen.
      Und jungen Müttern wird von den „Quaitätsmedien“ dauernd eingetrichtert, dass es ziemich einfach ist, Job und Muttersein zu kombinieren, und dass man ja als Mutter, die zu Hause bleibt, keinen Beitrag zur Gesellschaft liefert. Und man ist eine Rabenmutter, wenn man das Kind am besten schon mit ein paar Monaten nicht in eine Ganztageskita steckt, zur „Frühförderung“.
      Ich habe Abi, ich kann vier Fremdsprachen, ich bin nicht doof. Aber die Medien wollen, dass ich mich so fühle.
      LG
      Stefanie (Mutter eines 4-jährigen Sohnes, der seit dem Sommer halbtags zum Kindergarten geht)

      1. Ich bin auch Mutter (bald) zweier Kinder – doch so hätte ich Davids Kommentar gar nicht aufgefasst, liebe Stefanie! Es geht ja nicht um die Quantität an Zeit, die man mit einem Kind verbringt – sondern um die Quality Time, nicht wahr? Und in dieser Zeit lässt es sich doch sehr wohl auf einen wert(e)vollen Beitrag in Sachen „Erziehung“ beim Kinde fokussieren. Und die Empathiefähigkeit eines Kindes zu unterstützen, egal ob Mädchen oder Bub, sehe ich auch als unabdinglich..!

  2. Frieden ist Vermehrungs- Stillstand. Kinder bekommen ist nicht leicht und Frauen gefällt noch eine Menge anderes. Man braucht sie also nur in Ruhe lassen,keinem das recht zugestehen ihr unter den Rock zu schauen. Der Weseten macht es vor, dass dies schon reicht für eine Nachhaltige Population. Aber die Gier will mehr, die Raffgier bremst auch noch den technischen Fortschritt, so dass die Alterspyramide zur Belastung hingedreht werden kann. Niemand lobt die Westlichen Frauen für ihre Vernunft, niemand ist stolz darauf dass die Frauenemanzipation es genauso bringt wie die ein Kind restriktion. Nun wird das Land mit Paschas geflutet und du siehst keine einzige weibliche Person im Dunklen alleine auf der Straße laufen. Hört man von deren Seite Proteste? Nein dazu sind die zu Friedlich.

    1. Ja, Kinder selbst zu „bekommen“, sie zu gebären, ist kein schwieriger Akt. Aber ich weiß, was du meinst, Kurt: Über ca. 16 Jahre lang auch das „Richtige“ zu tun, „richtig“ zu handeln.. -> das ist die real challenge. Dass Frauen auch anderes gefällt bzw. sich für weitere Themen interessieren, sehe ich als begrüßenswert.

      Gier ist wahrlich ein ganz schlechter Antriebsmotor innerhalb einer Gesellschaft und beeinträchtigt jedes friedlich gewollte Gebilde.

      Frauenemanzipation sehe ich auch als unbedingt wichtig, wobei ich in der Entwicklung der Frau selbst noch im Westen – vom mentalen Bewusstseinszustand her gesehen – Missstände sogar im „Westen“ sehe. Wie Dr. Ganser im Artikel sagt: Es ist wichtig, sich den unterschiedlichen (Entwicklungs-)Prozessen zu unterziehen.

      Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass auch Männer nicht gerne alleine in der Dunkelheit auf der Straße laufen. Und dieses Gefühl hätten diese besagten Personen bereits vor den Flüchtlingsströmen gehabt …

  3. Angeregt durch diesen wundervollen Text und meine durcheinanderschießenden Gedankengänge nur schwer sortierter, kristallisieren sich zwei davon heraus und bleiben irgendwie haften: copen und die verschiedene Kriegsführung und damit auch verbundene Friedensführung von Mann und Frau. Als Frau, Mutter, Tochter, Partnerin, Schwester und Krankenschwester hab ich durch meinen Beruf dieses Thema in den letzten Jahren immer wieder genauer durchleuchtet. Unsere copings bzw. Bewältigungsstrategien könnten wir bei vollstem „Bewusstmachen“ als Ressource einsetzen und Konflikte oder auch „Ruhezeiten“ oder „Friedenszeiten“ optimalst zu bewegen oder auszuschöpfen. Mich selbst immer wieder in meinen Rollen unter die Lupe gestellt, könnte ich mir durch dieses “ durchleuchten“ und in die Tiefe gehen meine Verhaltensmuster besser bewusst machen. Was wird dir als Frau anerzogen von der sozialen Gesellschaft, was dir in deiner DNS mitgegeben, kognitiv und emotional und rational. Verbündet im Geiste mit Dr. Gansers Frau, unbequem zu sein heißt nicht, den Frieden zu stören, sondern eventuell in Weitsicht einem Thema Tiefe geben, auch wenn es für den anderen unbequem ist und erstmal einen Konflikt schafft. Frauen wollen, meistens jedenfalls, Sachen auf den Grund gehen. Mein Seelenpartner war jahrelang Meister im verdrängen diverser Gedanken, Geschehnisse, Kummergedanken und Stresssituationen. Sein größtes Kompliment in den letzten Monaten war für mich: Du bringst mich zum nachdenken. Das ist zwar manchmal unbequem, aber ich fühl mich um so vieles besser.
    Mein Sohn, ein wundervoll gewachsener junger Mann in Körper und Geist – voller Stolz kann ich sagen, dass er ein unbequem denkender Mensch ist, hinterfragend und doch fröhlich sein Leben genießend, keine Angst vor Diskussionen. Eines Tages sagte er nach einer hitzigen Diskussion zu mir: weißt du, Mama, das schlimmste ist nonverbaler Krieg und ignorieren. Man glaub, es sei friedlich, aber es zerstört den anderen unterschwellig und wirkt wie Gift.
    Wir denken, dass Frieden weder Frauen- noch Männersache ist, sondern Menschensache. Laut der Lehre der Mäeutik ist die Empathie Menschen angeboren. Laut Erfahrung im Laufe eines Lebens hat aber auch die Empathie so wie alles zwei Gesichter. Und könnte die Menschheit es schaffen so wie Dr. Gansers Ehe trotz oder gerade wegen der „Verschiedenheit“ der beiden seine empathische Intelligenz unbequem aber trotzdem friedlich einzusetzen, dann müsste man die Kriegs-bzw. Friedensfrage unter Berücksichtigung der vielfältigen „menschenrassigen“ copings zumindest nochmal genauer durchleuchten.
    Es war mir ein Genuss, diesen Samsatag Vormittag über ein so tiefsinniges Thema aus meiner Badewanne meine Gedanken hierlassen zu dürfen.
    Danke

    1. Auja, die Konflikte in Bezug mit seinen Kindern… man ist ja ständig im Dialog und als Elternteil will man ja doch positiv einwirken auf sein Kind. Ganz toll, wenn das nicht als No-Go praktiziert wird – im Sinne von „du denkst zu viel“ – und anschließend in großem Schweigen verstummt, sondern wenn man sich doch diesen auch kräfteanstrengenden Diskussionen hingibt, diese trainiert, denn nur wenn die Dinge ausgesprochen sind und auf gemeinsame Lösungen gezielt wird, sind beide Gesprächspartner zufrieden. Der Satz deines Sohnes ist so wundervoll weise: „weißt du, Mama, das schlimmste ist nonverbaler Krieg und ignorieren. Man glaub, es sei friedlich, aber es zerstört den anderen unterschwellig und wirkt wie Gift.“ Er hat so recht, bitte richte ihm das von mir aus, liebe Geli! 🙂 <3

  4. Meine Erfahrungen mit Männern, die mit Militär und Landesverteidigung zu tun haben, sind differenziert: Sie sind meist von uralten Rollenvorstellungen geprägt und nicht gewillt, Menschen zu respektieren, die keine militärisch ausgebildeten Männer sind. Das ist auch deswegen sehr hinderlich, weil Kriege heute asymmetrisch sind, dh auch viel mit Unterwanderung, Destabilisierung und dem Anheizen von Konflikten zu tun haben; um dies zu erkennen und dem etwas entgegenzusetzen, braucht es auch zivile Fähigkeiten.

    Was Auseinandersetzungen rund um das Bundesheer betrifft, habe ich mit einer unvoreingenommenen Herangehensweise stets mehr verstanden als die meisten Offiziere, weil ich mir in der Beurteilung z.B. der Situation im Ressort, des Spielraums des Ministers usw. nicht selbst mit Klischeevorstellungen im Weg gestanden bin.

    Davon ganz abgesehen, dass die allermeisten vor Kriegstreibern brav kuschen, statt auch im Interesse Österreichs gegen sie aufzustehen. Da wird dann unter Pseudonym von pensionierten Offizieren geschrieben oder manche mailen die kritischen Artikel internationaler Autoren weiter, aber das war es dann auch schon.

    1. Nun ja. Da gibt es eine einfache Antwort. Da Frauen nicht zum Militär müssen, sondern dürfen, kann man sich recht einfach Frieden zur „Frauensache“ erklären. Es waren eben Männern, die zu Abermillionen in den Kriegen gestorben sind, auch wenn Frauen die als Fürstinnen, Kaiserinnen oder Staatslenkerinnen herschten, diesen befahlen. Männer wurden zum Sterben geschickt. Und früher ausschließlich Männer.
      Daraus die „Kriegstreibererei“ zu machen, ist aus meiner Sicht doch eher nur Sexismus. Man schreibt einem Geschlecht Eigenschaften zu die in Wahrheit allen Menschen eigen sind, nur aus bestimmten Rollenverständnis unterschiedlich zugeordnet werden.
      Damit lässt sich natürlich dann die „friedfertigere Frau“ konstruieren. Ist auch nicht schwer, wenn nur Männer auf das Schlachtfeld geschickt werden, oder?