„Kerbungen“ – Hilde Langthaler/Richard Langthaler

Lebenswelten

Am 5.11.21 fand im österreichisch-arabischen Kulturzentrum eine Lesung zum im Promedia-Verlag erschienenen Buch „Kerbungen“ statt. Darin befinden sich vierzig kurze Texte aus dem Nachlass der Ärztin, Schriftstellerin und Mitbegründerin des Wiener Frauenverlages, Hilde Langthaler, die ihr Mann Richard Langthaler zusammengestellt hat. Von ihm befinden sich Holzschnitte als bildliche Interpretation der Texte im Sammelband.

Begrüßt wurde die Gästeschar von Margarita Langthaler, der Tochter der Verstorbenen.

Einführenden Worte fand Stefan Kraft, Geschäftsführer des Promedia-Verlags. Er betonte, dass es zwar für einen Verlag, dessen Schwerpunkt das politische Sachbuch ist, zwar einerseits ungewöhnlich sei, literarische Texte zu veröffentlichen. Andererseits aber sei die Autorin schon durch ihre Texte in einer Anthologie über die österreichische Frauenbewegung, deren Aktivistin sie lange Jahre war. Auch bestehe ein langjähriger Kontakt mit der Familie, darum sei es ihm auch ein persönliches Anliegen gewesen, dieses Buch zu veröffentlichen.

Auch der Gatte der Verstorbenen kam vor der Lesung zu Wort. Er erzählte, dass ihm der Lockdown die nötige Zeit gegeben habe, die Texte aus dem Nachlass zusammenzustellen. Jeweils nach dem Frühstück habe er dann Skizzen für interpretierende Holzschnitte für das von seiner Frau Geschriebene angefertigt. Das dafür nötige Holz habe er dann bei einem Tischler am Hafnerberg erworben.

Danach begann die Lesung aus „Kerbungen“, die von der Schriftstellerin und Schauspielerin Christa Nebenführ gestaltet wurde. Die Auswahl der Texte stellte einen Überblick über das Schaffen Hilde Langthalers dar. Ihre Schriften sind Abbildungen aus ihrem 80-jährigen Leben geben tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt: die Auflehnung in ihrer Jugend, die Vielfalt der eigenen Ansprüche und der von anderen, die zu permanentem Stress und zum Gefühl, in einem Hamsterrad gefangen zu sein, geführt haben, sowie der Kampf gegen die sie ein Leben lang begleitenden Depressionen. Ebenso thematisiert sie in ihren Ausführungen den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, die Diskriminierung von Migranten und reflektiert die afrikanische Gesellschaft, in der sie mit ihrer Familie mehrere Jahre im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit verbracht hatte. Am Ende steht die Auseinandersetzung mit dem Tod, die sehr eindrücklich in einem Dreizeiler zum Ausdruck gebracht werden:

 

„Wir kommen aus der Ewigkeit,
wir gehen in die Ewigkeit,
und in der kurzen Zeit dazwischen schauen wir dauernd auf die Uhr.“

Am Ende des offiziellen Teils der Lesung erzählen Gatte Richard Langthaler und die langjährige Freundin der Autorin Brigitte Bayer, die mit ihr den Wiener Frauenverlag begründet hat, persönlich Erlebtes aus dem Leben von Hilde Langthaler. „Ich habe sie nicht gerne gehen lassen“, betont ihre Freundin und gibt damit wohl ein eindrucksvolles Statement zum Leben und Wirken der verstorbenen Schriftstellerin.

 

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Kerbungen Wolfgang Müller 1

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