Männer und Geschlechterpolitik – das passt zusammen!

Diskussionsabend von „Väter ohne Rechte“ in Wien

Männer und Geschlechterpolitik – das passt zusammen!

Der Münchner Geschlechterforscher Johannes Meiners stellte Forschungsergebnisse zur Diskussion
Im Geschlechterverhältnis hat sich in den westlichen Gesellschaften während der vergangenen Jahrzehnte viel  verändert. Unverändert hingegen ist der Mangel an Empathie für und der Respekt vor Männern.
Braucht es daher eine eigenständige Männerrechtsbewegung?
Falls ja, wie kann sie gestaltet werden?

Darüber diskutierten mehr als dreißig engagierte Teilnehmer am 27. April 2016 abendfüllend. Ort der so anregend wie leidenschaftlich gestalteten Debatte war das traditionsreiche Cafè Griensteidl am Michaelerplatz in Wien. Organisiert wurde sie von „Väter ohne Rechte“ in Kooperation mit der „Männerpartei Österreich“.

Die Grundlage für die facettenreiche Veranstaltung bildete eine sozialwissenschaftliche Studie zur Geschlechtergerechtigkeit. Der Club of Vienna, die Denkfabrik der Stadt Wien, veröffentlichte sie im Jahr 2015 unter dem Titel: „Die Teilhabe von Frauen und Männern am Geschlechterdiskurs und an der Neugestaltung der Geschlechterrollen. Entstehung und Einfluss von Feminismus und Maskulismus“.

Die Leitung der Entwicklung der Studie übernahm ab 2012 die als Wirtschaftscoach tätige Psychotherapeutin und im gesamten deutschsprachigen Raum bekannte Sachbuchautorin Christine Bauer-Jelinek. Zu den Mitwirkenden gehörte maßgeblich MANNdat-Mitglied Johannes Meiners. Er referierte nun im Griensteidl.

In seinem einstündigen Vortrag ging er nicht zuletzt auf den Bedeutungswandel zentraler Begrifflichkeiten rund um Geschlechterfragen ein: Aus Gleichberechtigung und Chancengleichheit seien in kurzer Zeit arithmetische Gleichstellung und die Verabsolutierung der Ergebnisgleichheit als einzig legitimem Ziel geworden.

Die Argumentationen aus feministischen Kreisen seien – keineswegs nur in diesem Zusammenhang – willkürlich. Der Feminismus habe sich zu einer zentralen Staatsräson entwickelt, so Meiners. Aus dieser Position heraus sorgten seine Repräsentantinnen und Repräsentanten dafür, dass echte, d. h. kontroverse Auseinandersetzungen über das Geschlechterverhältnis dauerhaft verunmöglicht werden. Stattdessen würden von der feministischen Ideologie abweichende Meinungen systematisch sowohl aus der öffentlichen Debatte als auch von staatlichen Förderungen ferngehalten.

Feminismuskritiker seien angesichts dieser Einseitigkeit und des aus dem Machtgefälle resultierenden Drucks faktisch Dissidenten. Wie in totalitären Systemen üblich, würden sie nicht selten als „Abweichler“ diffamiert und seien vielfach von Rufmord bedroht. Gegen die zu befürchtenden persönlichen Nachteile gebe es kaum Möglichkeiten, sich zu schützen bzw. zu wehren ohne Aufgabe der eigenen Haltung. Überdies sei eine Vereinnahmung der geschlechterpolitischen Vision „Gender Mainstreaming“ durch interessierte Kreise aus dem radikalfeministischen Milieu erfolgt. Dies entwickelte sich – bemerkenswerterweise – nach erheblicher Skepsis und großer Angst vor einer staatlich geförderten Beschäftigung mit Männern durch das neue Konzept.

Auf paradoxe Weise kooperierten Feministinnen mit Arbeitgebern und Unternehmen, dem Kapital und dessen Interessen. An dieser Stelle verwies Meiners einmal mehr auf Bauer-Jelineks Sichtweise: Die Frau des Direktors sei mit ihrem Mann mehr verbunden als mit ihrer Reinigungsfrau. Dies gelte für die gesamte Lebenswirklichkeit, die Weltanschauung, Werthaltungen und Verhaltensweisen.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch der – auch begrifflich – neue Maskulismus: seine Themen, Ziele und Repräsentanten und Vieles mehr. Dabei ging der Referent Johannes Meiners auch auf die Geschichte verschiedener Männerbewegungen seit fast einem ganzen Jahrhundert sowie divergierende Strömungen entlang weltanschaulicher Unterschiede ein. Dies erfolgte außerordentlich fundiert und faktengesättigt. Zudem anhand zahlreicher veranschaulichender Beispiele aus der Tagespolitik. Ebenso unter Nennung vieler Namen von Forschern, Bloggern und weiterer Aktivisten innerhalb der deutschsprachigen Männerrechtsbewegung.

Feminismuskritik wende sich gegen den grassierenden Männerhass in vielen Bereichen des öffentlichen Raumes, der das Bewusstsein der Menschen oft präge. Weiters richte sich das Engagement gegen die obig umrissene und problematisierte, seit Jahrzehnten machtvolle Gleichstellungspolitik. Hierbei handle es sich um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Sehr viele Männerrechtler, so Meiners, hätten enormen Respekt vor den Errungenschaften der 1. und 2. Welle der Frauenbewegung. Während dessen forderten Aktivistinnen bspw. das (auch für die meisten Männer erst kurz zuvor eingeführte) Wahlrecht und traten für Veränderungen im Scheidungs- bzw. Abtreibungsrecht ein. Dies vollzog im Verein mit zahlreichen, sie unterstützenden oder sogar die Entwicklungen initiierenden Männern. Geschichtlich besonders selten ist, dass die Veränderungen ohne blutige, lange Kämpfe realisiert wurden – ganz gegen die populäre These vom frauenverachtenden Patriarchat früherer Zeiten.

Männerrechtler, so Meiners, der zahlreiche Kontakte in der Bewegung unterhält, träten für Männer ein, nicht gegen Frauen. Emanzipatorische Werte stünden im Mittelpunkt der Schaffensorientierung vieler respektabler, gescholtener
Persönlichkeiten, die er bereits persönlich kennenlernen durfte:
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Partizipation.

Männer sollen von Rollenerwartungen befreit werden, die Gesellschaft ihnen mehr Gestaltungsspielraum für ihre  Lebensentwürfe zugestehen. Weitere Themenbereiche sind zahlreiche Fragestellungen rund um die Familie,  Trennungen, das Bildungswesen, das Erwerbsleben in einem ganz allgemeinen Sinne, die Gesundheit, eng damit verbunden die Lebenserwartung, Pensionsfragen und auch das Strafrecht.

Überall müsse ein Bewusstsein dafür  geschaffen werden, dass es illegitim, ein schweres Unrecht, ist, Jungen und Männer aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit systematisch zu benachteiligen. Wiederum erläuterte Meiners die Problematiken anhand vieler eingängiger Beispiele: Kinder hätten das Recht auf ihren Vater, unabhängig vom Verhältnis ihrer Eltern zueinander. Jungen sollten in der Schule bei ihren Schwächen so gefördert werden, wie Mädchen bei den ihren – wohlgemerkt sind die Differenzen Durchschnittswerte, die individuell erheblich variieren. Neben vielen weiteren Benachteiligungen sei bspw. auch der „Pension Gap“ anzugehen: Frauen leben fünf Jahre länger, Männer gehen fünf Jahre später in den Ruhestand. Es brauche endlich eine echte Geschlechterforschung. Sie könne sowohl natur- als auch geisteswissenschaftlich sein und müsse ergebnisoffen erfolgen, statt derart ideologisch-normativ wie jetzt.

Politik, Medien und Gesellschaft müssten endlich respektvoll, empathisch und unterstützungsbereit (auch) mit Männern und ihren Lebenslagen umgehen: Welche Rolle könnte dabei die (deutschsprachige) Männerrechtsbewegung – in künftigen Diskursen des öffentlichen Raums – einnehmen?