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Preisfrage: Wert oder Würde? – Mag. Martin Schenk

Der Psychologe Mag. Martin Schenk beginnt seinen Vortrag bei der diesjährigen Waldviertel Akademie mit einem Ausflug in die Welt der Spiele: Ein Brettspiel wird von den Beteiligten dann gerne ausgeführt, wenn sie im Spiel die folgenden Voraussetzungen erfahren: Anerkennung, Schicksalsgestaltung und sozialen Ausgleich. Diese Motivationen seien ebenso im normalen Leben vorzufinden.

Jeder Mensch benötige drei wichtige LebensMittel: Freundschaften und tragfähige Beziehungen, Selbstwirksamkeit sowie Anerkennung. Die äquivalenten Gegenpole zu diesen LebensMitteln seien Einsamkeit, Ohnmacht und Beschämung. Stress sei laut Schenk etwas durchaus Überlebensnotwendiges; der Disstress, der negative Stress sozusagen, führe allerdings aufgrund von Überlastung, Geringschätzung und Ohnmacht zu all den bekannten Erkrankungsmustern.

Anhand einer Untersuchung mit indischen Kindern erklärt Schenk den Begriff stereotype threat, der die Angst einer sozialen Gruppe, ihr Verhalten könne negative Stereotypen gegen ihre Gruppe untermauern, beschreibt. Wer damit rechne, als unterlegen zu gelten, bringe schlechtere Leistungen. Das heißt für den umgekehrten Fall, dass die besten Entwicklungsvoraussetzungen in einem anerkennenden Umfeld vorherrschen müssten.

Als Negativbeispiele, wie mit Angst und Neid Politik betrieben werde, führt der Psychologe die Mindestsicherungskürzung in Niederösterreich an. Diese Kürzung sei in der politischen Kommunikation gegen Flüchtlinge gerichtet, habe am Ende aber viele soziale Randgruppen mit österreichischem Pass betroffen. Schenk erinnert diese Vorgehensweise an Trickdiebe. Ähnliches konnte man übrigens auch in der Steiermark bei der Kürzung der Wohnbeihilfe feststellen. Interessantes Detail: Die für die Kürzung verantwortlichen Politiker hätten zeitgleich die steigende Altersarmut beklagt.

Der Begriff Wert komme nicht aus der Ethik, sondern aus der Ökonomie. Dazu  meinte der Philosoph Immanuel Kant:

Im Reich der Zwecke hat alles entweder einen Preis oder eine Würde.

In einer steigenden Anzahl an Ländern, auch in Europa, lasse sich laut Schenk beobachten, dass diese sich auf einem autoritären Pfad befinden würden. Der erste Schritt auf diesem Pfad sei die Ausgrenzung von Minderheiten, gefolgt von Schikanen gegen Armutsbetroffene, der Einschränkung des Demonstrationsrechts und der Zuständigkeiten von Höchstgerichten, der Zerstörung der kritischen Zivilgesellschaft durch Denunziation (NGO-bashing) und schließlich Angriffe gegen kritische Journalisten.

Interessant sei, dass viele Personen Neid nicht gegenüber wesentlich reicheren Menschen verspüren würden, sondern vielmehr gegenüber sozial und finanziell ähnlich oder aber niedriger gestellten Personen. Die Dynamik des Neids führe meist zu dem Ergebnis, dass der Neider lieber selbst auf etwas verzichte, als es dem Beneideten zu gönnen. Beide hätten am Ende nichts – aber die Hauptsache sei, der andere habe auch nichts.

Aus Gesagtem könne man drei Perspektiven ableiten:

  • Menschen müssten in eine Position der Stärke gebracht werden, um Selbstwirksamkeit herbeizuführen und Ohnmacht zu unterdrücken.
  • Die eigenen Schranken zu erkennen und zu überwinden, um den Neid anderen gegenüber, der oft auf den eigenen Beschränkungen fuße, zu bekämpfen. Eigene Wünsche und Genüsse zu erkennen und auszuleben.
  • Den Menschen Achtung und Anerkennung entgegenzubringen und Kränkungen ernstzunehmen und diese auszugleichen bzw. zu heilen.

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Videobild-Martin Schenk Videobild-Martin Schenk Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
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