Simon Sonnenberg – Geld als soziale Technologie (Zukunftskonferenz 2021)

Gesellschaft

Die grundlegendsten Mechanismen unseres Zahlungsmittel sind uns aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive nicht bekannt. Geldmarktexperte Simon Sonnenberg spricht bei der Zukunftskonferenz 2021 über dahinterliegende Mechanismen, Grundprinzipien und Reformideen.

Der Startup-Unternehmer lädt zu Beginn seines Vortrags zu einem Gedankenexperiment ein: Wäre unsere Gesellschaft auf einer einsamen Insel gestrandet und müsste sich neu organisieren, gäbe es zahlreiche Möglichkeiten und Modelle, wie Geld in die Welt kommen und verteilt werden könnte. Das Geldsystem hat demnach mehrere (in-)direkte Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und bringt laut Sonnenberg elementare Fragen mit sich, die ausverhandelt werden müssen: Macht, Transparenz, Gelderzeugung, Rechenschaftspflicht, demokratische Legitimation, Verteilungs- und Gerechtigkeitsfragen, rechtliche Verankerung und Ausgestaltung.

Geld ist mehr als ein ökonomisches Konstrukt, es ist eine soziale Technologie und bietet als Gestaltungsform viele Möglichkeiten, wie wir in unserer Gesellschaft zusammenleben möchten. Das Wort Technologie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Kunstgemäße Abhandlung von Wissenschaft“. Diese Definition unterstreicht, dass unser Geldsystem kein Naturgesetz ist. Es ist menschengemacht und gestaltbar und wir nutzen es täglich. Deswegen ist es wichtig, darüber zu sprechen, so Geldmarktexperte Simon Sonnenberg.

Er betont, dass die Grundprinzipien wie Geld entsteht relativ einfach, die Prozesse im Detail jedoch sehr komplex sind. Es gibt drei verschiedene Geldarten: Bargeld, Giralgeld sowie Zentralbankreserven, das Guthaben der Geschäftsbanken bei den Zentralbanken. Dadurch wird deutlich, dass wir uns in zwei Geldkreisläufen bewegen: Jenem zwischen Zentral- und Geschäftsbanken und jenem mit „Publikumsverkehr“ zwischen Geschäftsbanken und dem Publikum, welches Kommunen, Privatpersonen und Unternehmen umfasst. Im Euroraum macht das Giralgeld 85 bis 97%, das physische Bargeld 3 bis 15% der Geldmenge aus.

Simon Sonnenberg legt offen, dass Banken nachweislich Geldschöpfer sind und nennt unterschiedliche Legitimationsprinzipien. Die Deutsche Bundesbank unterstreicht und bestätigt das. Der Großteil des Giralgeldes entsteht durch die Kreditvergabe, bei welcher neues Geld entsteht, oder durch die Einkäufe von Vermögenswerten. Geldschöpfung geschieht durch Bilanzverlängerung, da sich durch einen Kredit sowohl das Aktiva- als auch das Passiva-Vermögen erhöhen. Seit 1980 ist die Geldmenge im Umlauf deutlich angestiegen.

Jene Institutionen, die unser Geld erzeugen, vergleicht Autor Simon Sonnenberg mit einem Brunnen in einem Garten. Wie viel Wasser aus dem Brunnen gepumpt und welcher Teil wann und in welcher Menge gegossen wird, beeinflusst das Aussehen des Gartens maßgeblich.

Die Akzeptanz von Geld als soziale Technologie setzt ein gewisses Bewusstsein voraus. Es gibt keine Limitation der Geldmenge. Unser Geld, wie es entsteht und verteilt wird, hat starken Einfluss auf unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft, nicht nur aus ökonomischer, sondern besonders auch aus sozialer wie ökologischer Sicht. Sonnenberg sieht Geld als kritische Infrastruktur für gesellschaftliche Veränderungen.

Um Geld als soziale Technologie im Sinne des Gemeinwohls auszurichten, braucht es Aufklärung, Bildung und den demokratischen Diskurs über Geld, Demokratisierung, sowie die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Stabilität.

Das Geldsystem in der beschriebenen Form besitzt keine demokratische Legitimation und ist instabil. Es hat mitunter mit Überschuldung und Wachstumszwang zu kämpfen. Um dem entgegenzuwirken, nennt Sonnenberg etliche Reformideen: darunter Vollgeld, digitales Zentralbankgeld, Window Guidance und vieles mehr.

Wichtig ist, dass wir uns entscheiden, was wir von Geld erwarten, welchen Einfluss es auf unsere Gesellschaft haben soll, uns gemeinsam auf der einsamen Insel ums Lagerfeuer setzen und versuchen es zu gestalten, so Geldmarktexperte Simon Sonnenberg abschließend.

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Simon Sonnenberg – Geld als soziale Technologie Wolfgang Müller 1