Die meisten von uns denken, wenn sie das Wort „Gefängnis“ hören, an einen Ort, „wo Kriminelle eingesperrt sind und für ihre Straftaten und Verfehlungen bestraft werden“. Selten denken wir daran, dass ein Gefängnis nicht nur der Bestrafung dienen soll, sondern auch ein Ort der Besserung und Disziplinierung von Menschen ist, die eines Gesetzesverstoßes für schuldig befunden wurden.

Und wenn wir jemanden treffen, der zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, bilden wir uns meistens automatisch eine Meinung über ihn und werden misstrauisch. Wir denken nicht einen Moment darüber nach, dass nicht alle Menschen hinter Gittern harte Kriminelle sind.

Es gibt dort viele, die nur unwesentliche Verfehlungen begangen haben, manche sind sogar unschuldig. Nun werden viele von uns behaupten, keineswegs zu generalisieren, dass jeder, der zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, wirklich ein Krimineller sei. Doch wird unser Misstrauen und unsere Abneigung gegenüber Gefängnisinsassen am besten wiedergegeben durch unsere generell ablehnende Einstellung diesen Menschen gegenüber und unserem Zögern, ihre Rückkehr in unsere Gesellschaft zu akzeptieren.

Es ist hinlänglich bekannt, dass nahezu alle Gefängnisinsassen bei ihrer Entlassung große Schwierigkeiten damit haben, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die soziale Akzeptanz für entlassene Gefangene ist ohne Ausnahme sehr niedrig. Es ist sehr schwierig für sie, das Stigma, im Gefängnis gewesen zu sein, loszuwerden. Und dieses Stigma beeinträchtigt meistens alle Bemühungen der ehemaligen Gefangenen, eine Arbeitsstelle zu finden.

Arbeitgeber wollen selten das Risiko eingehen, eine Person zu beschäftigen, die im Gefängnis war. Und diejenigen, die tatsächlich Erfolg mit ihrer Arbeitssuche haben, indem sie ihre Vergangenheit geheim halten, werden meistens entlassen, sobald ihr Geheimnis auffliegt. Arbeitslosigkeit und der sich daraus ergebende finanzielle Mangel sowie die Ablehnung, der sie ausgesetzt sind, zwingen sie irgendwann dazu, sich wieder kriminellen Aktivitäten zuzuwenden.

Die Lage ist noch schlimmer für die, die viele Jahre hinter Gittern waren, sowie für die, die unschuldig sind, aber in etwas hineingeraten sind und dann verurteilt wurden. Nach ihrer Entlassung haben diese Menschen große Probleme, mit ihrer Lebensrealität zurechtzukommen. Die Gesellschaft scheitert daran, den Unterschied zwischen ihnen und anderen Kriminellen zu erkennen. Und so sehen auch sie sich, selbst wenn sie unschuldig sind, der Abscheu der Gesellschaft ausgesetzt. Das Gefühl unverdienter Bestrafung birgt ein enormes Potenzial, sie nach ihrer Entlassung tatsächlich zu kriminellen Handlungen zu drängen.

Um ehrlich zu sein, habe ich nie irgendeinen Gedanken an diese Angelegenheiten in Bezug auf Strafgefangene verschwendet, bis ich eine Konferenz zur Rehabilitierung und Reintegration entlassener Strafgefangener besuchte. Gefängnisse waren für mich nichts weiter als Orte, an denen Kriminelle eingesperrt und bestraft werden, indem man sie von ihren Familien und dem Rest der Gesellschaft fernhält. Ich dachte niemals ernsthaft über die disziplinierende und korrigierende Seite des Strafvollzuges nach.

Und die meisten von uns vergessen diese Seite der Gesellschaft. Wir verschwenden keinen Moment daran, über ihr Leben im Gefängnis und ihre Zukunft nach der Entlassung nachzudenken. Für uns sind sie einfach Übeltäter, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen, und wir wollen sie normalerweise so weit weg wie möglich von uns haben.

Doch ich bin inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass diese Einstellung nicht richtig ist, weil die Nichtbeachtung und Ablehnung dieses Teils der Gesellschaft letztlich zum Begehen neuer Straftaten führt und so das Scheitern des ganzen Systems der Freiheitsstrafen mit den dahinter stehenden Motiven mit sich bringt.

Auf dieser Konferenz erzählten einige entlassene Strafgefangene, die schließlich rehabilitiert wurden, von ihren Erfahrungen. Einer von ihnen saß fünf Monate in Untersuchungshaft, bevor er freigesprochen wurde. Dennoch litt er nach seiner Freilassung unter großer Ablehnung und wurde von seiner Familie geächtet. Das Stigma, hinter Gittern gewesen zu sein, war ein enormes Problem bei der Jobsuche, und bald war er finanziell in einer schlimmen Notlage.

Arbeitslosigkeit und soziale Ablehnung brachten ihn dazu, aus Containern mit Exportwaren zu stehlen. Er gab zu, dass seine Neigung zu kriminellen Taten zu wachsen begann, als er nicht länger daran glaubte, dass das Beschreiten des richtigen Weges ihm noch irgendetwas bringen würde, nachdem er stigmatisiert war als eine Person, die monatelang im Gefängnis war.

Als er daraufhin wiederum verurteilt und ins Gefängnis geschickt wurde, traf er auf eine gemeinnützige Organisation, die sich auf die Rehabilitierung Gefangener spezialisiert hat. Es war die Zufallsbekanntschaft mit dieser Organisation, die ihm half, seinen Glauben an das Beschreiten des richtigen Weges im Leben wiederherzustellen. Die Organisation verschaffte ihm auch eine Möglichkeit, Geld für sich und seine Familie zu verdienen.

Andere entlassene Häftlinge berichteten von ähnlichen Erfahrungen der Stigmatisierung und von denselben Herausforderungen, mit denen sie nach ihrer Entlassung konfrontiert waren, ebenso wie von den enormen Schwierigkeiten, sich in eine Gesellschaft einzufügen, die ihnen immer wieder zu verstehen gab, dass sie sie nicht mehr akzeptieren würde.

Nach meiner Teilnahme an diesem Programm wurde mir klar, dass es einen großen Mangel an Beachtung für die Probleme entlassener Gefangener gibt. Wir sehen sie bereitwillig als Kriminelle an, doch ihr Potenzial übersehen wir. Es ist wichtig, dass die Zivilgesellschaft beginnt, entlassenen Strafgefangenen zu helfen, sich aus dem bösartigen Kreislauf von Kriminalität, Gefangenschaft, Entlassung und der Rückkehr zur Kriminalität zu befreien. Gefangene nur zu disziplinieren und umzuformen, reicht nicht aus. Abweisung und eine nicht gelingende völlige Reintegration in die Gesellschaft wird sie möglicherweise in die Welt der Kriminalität zurücktreiben. Die Gesellschaft muss erkennen, dass diese Leute eine kompetente Führung brauchen und die Gelegenheit, ihren Weg zu einem richtigen Leben zu finden. Dafür ist auch eine Rehabilitation in Form finanzieller Sicherheit von größter Wichtigkeit.

Es gibt viele Aspekte in diesem Themenbereich der Resozialisierung von Straftätern und viele Gründe, warum wir alle uns dieses Problems bewusst sein sollten. Denn Aufmerksamkeit bedeutet, zunächst unsere Auffassung von denen zu korrigieren, die wir allzu vorschnell als Kriminelle bezeichnen und denen wir dann die Reintegration in die Gesellschaft verweigern.

Eine Beachtung dieses Problems würde uns helfen, dazu beizutragen, dass diese Menschen in die Gesellschaft zurückkehren können und eine Chance erhalten, zu verantwortungsbewussten Menschen zu werden, die ein Gewinn für die Gesellschaft sind. Wir sollten nicht die Tatsache ignorieren, dass das Scheitern der Reintegration Gefangener nach ihrer Entlassung zu verschiedenen sozialen Bedrohungen führen kann.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

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Straftäterinnen Straftäterinnen Suamana Singha CC BY-SA 4.0

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