Streetreport zur Outdoortagung der Initiative Demokratie und Grundrechte (Teil 2)

Im zweiten Teil unseres Berichts über das Outdoor-Symposium auf der Zirkuswiese im Wiener Prater, zu dem die Plattform Demokratie und Grundrechte geladen hatte, steht das Gesundheitswesen im Mittelpunkt der Diskussion.

Die Herausgeberin der Zeitschrift Antifaschistische Aktion Nadia Kovac zitiert zu Beginn ihres Redebeitrags die Definition von Gesundheit der WHO: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens, und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Die massiven Probleme in der Kinderpsychiatrie während des Lockdowns, die Einschränkungen des Breitensports und die Zunahme von Depressionen wurden zu Gunsten des Kampfes gegen das Corona-Virus hingenommen oder ignoriert. In den letzten Jahren hörte man oft, Österreich hätte eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und man könne bei Intensivbetten und Krankenhauskapazitäten Einsparungen vornehmen. Im Lockdown kam plötzlich das Argument, man müsse mit den Maßnahmen das überlastete Gesundheitssystem retten. Wie passt das zusammen, fragt sich Kovac. Sogar während der Pandemie wurden Kürzungen im Gesundheitswesen durchgezogen, wie Kovac an mehreren Beispielen zeigt. Wolle man tatsächlich etwas für die Gesundheitsversorgung tun, dann müsse man den seit den 80ern anhaltenden Abbau von Einrichtungen und Personal stoppen. Die möglichen Einsparungen durch die Digitalisierung bei gleichzeitigen Leistungsverlusten für die Patienten und die Schuldzuweisungskampagne der Regierung (wenn das Kind die Oma ansteckt und die stirbt, ist das Kind schuld, nicht das Gesundheitswesen) bilden den Abschluss von Frau Kovacs Ausführungen.

Wie sehr dieser Virus bzw die ihn angeblich bekämpfende Politik einen Keil in die Gesellschaft getrieben hat, zeigt der Sozialanthropologe Leo Gabriel an Hand eigener Erfahrungen: er selbst lag zehn Tage auf der Intensivstation und war mit den dortigen Angstmethoden konfrontiert, die die Patienten gefügig machen sollten. Aus internationaler Sicht verursachen die Lockdowns großes Leid, denn viele Menschen außerhalb des Westens müssen arbeiten, um ihre Familie zu ernähren, da es in vielen Ländern keine entsprechende Absicherung gibt. Die Gruppe der von Hunger betroffenen Menschen hat in den letzten 2 Jahren weltweit stark zugenommen. Hinzu kommt, dass Austerität allenorts wieder in Mode gekommen ist. Das kapitalistische System erleidet gerade weltweit einen Schiffbruch; deshalb werden überall alternative Modelle zur Diskussion gestellt.

Die folgende Diskussion dreht sich um Unterschiede in den Gesundheitssystemen verschiedener Länder, um gesunde Ernährung, die Profitgier von Pharmakonzernen, die (Nicht-)Evidenz von Maßnahmen in Schulen und an Universitäten bei gleichzeitigem Offenhalten von Unternehmen und vieles mehr.

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Outdoortagung der Initiative Demokratie und Grundrechte-Teil2 Wolfgang Müller 1

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