Univ.Prof. Dr. Christoph Gisinger: Biologische Möglichkeiten und Grenzen (Wavak 2019)

Veranstaltungsdaten

Datum
31. 8. 2019
Veranstalter
Waldviertel Akademie
Ort
Rathaus Weitra

Die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts verdoppelt, und zwar in einer linearen Entwicklung, die bisher kein Ende kennt, so der Mediziner und Wissenschafter Univ.Prof. Dr. Christoph Gisinger. Gründe dafür gibt es viele, der Professor nennt neben der besseren medizinischen Versorgung und verbesserter Hygienebedingungen vor allem die dramatische Reduktion der Kindersterblichkeit. Seit den 70erjahren hat sich auch die Lebenserwartung von 65jährigen drastisch erhöht, was auch in der täglichen Diskussion um das Pensionssystem ablesbar ist.

Für uns Menschen sind 125 bis 130 Jahre das biologisch potenzielle Maximalalter. Dies ist auch in überraschend guter körperlicher Verfassung möglich (bsp Jupp Heesters oder Marko Feingold). Der Mensch hat jedenfalls unter den Säugetieren klar die höchste maximale Lebenserwartung (gefolgt vom Elefanten).

Die einzige bisher verfügbare Methode, die maximale Lebenserwartung zu erhöhen, also den Alterungsprozess zu beeinflussen (und auch das bisher nur im Tierversuch), ist die kalorische Restriktion: dabei wird die Kalorienzufuhr reduziert, wobei gleichzeitig Vitamine, Spurenelemente und andere lebenswichtige Stoffe substituiert werden. Bei Mäusen wurde damit immerhin eine Erhöhung der Lebenszeit um bis zu 40 Prozent erreicht.

In den USA gibt es eine Sekte, die freiwillig (anders ist es ethisch nicht vertretbar) nach den Regeln der kalorischen Restriktion lebt. Ergebnisse, ob diese Lebensweise auf den Menschen eine Auswirkung hat, wird man aber erst in 50 bis 100 Jahren erwarten können. Abgesehen davon gibt es keine Kontrollgruppe, entsprechend werden die Ergebnisse wissenschaftlich schwer zu verifizieren sein.

Die Effekte der kalorischen Restriktion kann man möglicherweise auch mit Medikamenten erreichen, ohne dafür hungern zu müssen. Eine entsprechende Studie ist momentan in Arbeit.

Bezüglich chronischer Krankheiten, die mit dem Alter bekanntlich zunehmen, gibt es zumindest bei der Altersdemenz eine positive Entwicklung zu vermelden: in den hohen Altersgruppen ist sie stark rückläufig. Ein Grund dafür ist der steigende Bildungsgrad und die damit verbundenen kognitiven Anstrengungen. Auch physisches (Kraft-)Training (Tanzen) wirkt – am besten in Verbindung mit kognitivem Training.

Trotz steigender Lebenserwartung bleibt die subjektive Wahrnehmung, dass die Lebensqualität mit dem Alter abnimmt, nahezu konstant, d.h. wir bleiben länger gesund.

Credits

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Waldviertler Akademie – Univ.Prof. Dr. Christoph Gisinger Wolfgang Müller CC BY SA 4.0