Was bleibt? Was kommt? Was geht? Die Gesellschaft im Wandel (37. Internationale Sommergespräche 2021)

Der Journalist und Programmkurator der Waldviertel Akademie Dr. Reinhard Linke führte am 3. September 2021 im Rathaus Weitra durch die Podiumsdiskussion „Was bleibt? Was kommt? Was geht? Die Gesellschaft im Wandel“. Dabei werden wichtige Fragen angesprochen: Welche Veränderungen bringt die Covid-19-Pandemie für die Gesellschaft mit sich? Wie gestaltet sich die Sinnfindung des Einzelnen in der Krisenzeit? Und wie kann unser Leben nachhaltig erneuert werden?

Mag. Hans Bürger hat Wirtschaft studiert, ist Fernsehmoderator und Leiter des Ressorts Innenpolitik der ORF-Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ und spricht in seinem Referat mit dem Titel „Arbeit, Sozialer Frieden, Demokratie. Selbstverständlich ist nichts mehr. Sinnfindung in Krisenwelten“ über Glück-, Sinn- und Weisheitsforschung. Er stellt zu Beginn seiner Überlegungen die Frage in den Raum, warum Arbeit im Leben so eine gewichtige Rolle hat. Was passiert, wenn uns die Lohnarbeit ausgeht? Bis 2050 könnte sich das Gesamtarbeitsvolumen möglicherweise halbiert haben. Daher begibt er sich auf die Suche, was uns zu mehr Lebenszufriedenheit bringen könnte. Er spricht zuerst von Glück und dem Unterschied zu Sinn und geht danach über zur Weisheitsforschung. Das Berliner Weisheitsparadigma beinhaltet fünf Kriterien zur Beurteilung der Qualität weisheitsbezogener Leistungen: Faktenwissen, Prozesswissen, Werte und Toleranz, Lebensspannen, Unsicherheit. Er schließt sein Referat mit der Feststellung, dass die Gesellschaft gespaltener ist als je zuvor.

Die studierte Psychologin und Betriebswirtin MMag. Dr. Sophie Karmasin war von 2013-2017 Bundesministerin für Familie und Jugend und gründete das Beratungsunternehmen Karmasin Research & Identity. Als Meinungs- und Motivforscherin stellt sie ihr Referat unter den Titel „Das neue Retro? Österreich nach der Corona-Krise, was kommt, was bleibt? Nach Corona wird nicht alles anders, aber es ist entscheidend zu wissen, was genau anders wird.“. Sie präsentiert eine Studie, die zeigt, dass Menschen nicht ausschließlich rational handeln. Das politische System in Österreich kümmert sich ihrer Meinung nach zu wenig um die echten Motive, Bedürfnisse und Vorstellungen der Bürger und versucht viel zu wenig, diese einzubeziehen. Sie fordert Politikinstrumente, die auf Verhaltensökonomie beruhen.

Die Covid-19-Pandemie ist Anlass für ein neues Lebensgefühl: Wir konzentrieren uns mehr auf unser Zuhause und unser näheres Umfeld und schätzen die Natur, was ein gewisses Maß an Entschleunigung mit sich bringt. Im besten Fall erlangt der Mensch durch die Digitalisierung mehr Freiheiten. Der Trend zeigt, dass sich die Gesellschaft nach der Covid-19-Pandemie auf das Regionale und Nachhaltige berufen wird.

Auch Sophie Karmasin bestätigt, dass die Polarisierung noch nie so stark war wie jetzt: Die Covid-19-Pandemie beschleunigt gesellschaftliche Veränderungen im Bereich der Chancen aber auch Restriktionen. Auf der positiven Seite stehen die Digitalisierung des Alltags, Lokalisierung und Sicherheit sowie Achtsamkeit. Sparen, Mehrfachbelastung und Unsicherheit sind jedoch auch Teil der Auswirkungen und Veränderungen, die Covid-19 mit sich bringt. Karmasin teilt Österreich nach der optimistischen und autoritären Einstellung in vier Gruppen: Die Angepassten, die Gestalter, die Fatalisten und die Verunsicherten. Österreich ist also ihrer Meinung nach gespalten in Optimisten und Pessimisten. Sophie Karmasin schließt mit einer klaren Aussage: Sollten die Zahlen weiter steigen, ist es unverantwortlich, das Mittel der Impfung nicht zu nutzen.

Prof. Dr. Bernd Marin unterrichtet seit 1972 an österreichischen und ausländischen Universitäten. Als einer der bekanntesten Sozialforscher Österreichs ist er Leiter des Europäischen Büros für Politikberatung und Sozialforschung und Berater zahlreicher Regierungen und Organisationen. Er stellt bei seinem Vortrag sein neues Buch „Die Welt danach“ vor, welches Wege aus der Seuchenbekämpfung, in der Quarantäne und danach beinhaltet. Marin stellt sich in seinem Buch die Frage, wie Leben, Arbeit und Wohlfahrt nach der akuten Gesundheits- und Wirtschaftskrise nachhaltig erneuert werden kann. Er denkt, dass es viel Ruhe und Behutsamkeit in der Gesellschaft sowie eine Mischung aus Sanftmut und Entschlossenheit brauchen wird, um die Krise zu überstehen.

Credits

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Die Gesellschaft im Wandel Wolfgang Müller 1

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