Weniger Energieverbrauch, mehr Energieeffizienz (BSA)

Politik

In der BSA-Onlinediskussionsrunde mit dem Titel „Weniger Energieverbrauch, mehr Energieeffizienz und die Energiesicherheit“ tauschen sich Sigrid Stagl, Ökonomin, Christian Holler, Physiker und Autor, Michael Böheim, Philosoph,Jurist und Ökonom und Rainer Baake, Klima- und Energieexperte, unter der Moderation von Matthias Vavra zum Thema Energiepolitik aus.

Zu Frage, wie die Energie- und Klimawende unter Beteiligung der Menschen an der klimaneutralen Zukunft gelingen kann meint Ökonomin Stagl, dass höhere Preise durchaus den Wert der Energie anzeigen und daher gerechtfertigt sind. Dafür wäre aber eine langfristige Ankündigung sinnvoll, da es sonst zu sozialen Verwerfungen kommt – wie sich in der aktuellen Energiekrise zeigt. Die Umstellung auf ausschließlich erneuerbare Energie ist notwendig; zu bedenken ist allerdings, dass einerseits Produktionskapazitäten begrenzt sind, andererseits für die zum Ausbau gebrauchten Materialien neue Abhängigkeiten entstehen können.

Rainer Baake nennt vier Punkte, die von zentraler Bedeutung sind: Fossile Energien sind eine Fehlinvestition, der Primärenergiebedarf muss halbiert werden, ein Ausbau des Stromnetzes ist überfällig und eine Umstellung auf Erneuerbare, also Wind und Solar, sind unabdingbar. Ziele und Weg sind klar, die Umsetzung ist die Herausforderung.

Christian Holler betont den nötigen „Wandel im Kopf“: also ein Umlernen aller Beteiligten, dass es eben so wie bisher nicht weitergehen kann. Bürgerbeteiligung steigert die Akzeptanz der Erneuerbaren.

Für Rainer Baake braucht es, um Verhaltensänderungen zu realisieren und Reduktionspotentiale zu heben, Aufklärung der Bevölkerung. Der Ukraine-Krieg hat hier sehr stark zur Bewusstseinsbildung beigetragen, Energieeffizienz steht im Vordergrund, etwa durch Umstieg auf Wärmepumpen und Einsparen. Sigrid Stagl fordert zusätzlich auch eine systemische Wende: smarte Systeme und Digitalisierung animieren zu Verhaltensänderungen. Ebenso braucht es Infrastrukturmaßnahmen wie etwa öffentlichen Verkehr zu Gunsten des Individualverkehrs zu fördern, und auch Verbote wie zum Beispiel Fahrverbote im städtischen Bereich unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsförderung einzuführen. Christian Holler betont, dass es gelingen muss, fossile Brennstoffe, vor allem Kohle, die noch für Jahrhunderte da sind, aktiv im Boden zu belassen.

Als wichtige Maßnahmen seitens der Politk sind für Michael Böheim die 100%ige Umstellung auf erneuerbare Energieträger und eine strategische Industriepolitik nötig, da seltene Rohstoffe und andere Vorleistungen, die nicht in ausreichendem Maß in sicheren Ländern verfügbar sind, aufgetrieben werden müssen. Dazu braucht es Allianzen, die nicht zu Abhängigkeiten führen. Verbote sind für ihn nur die Ultima Ratio, sie sind Zeichen der Hilflosigkeit und haben Tendenz unterlaufen zu werden. Es braucht stattdessen positive Anreizwirkungen wie etwa Tempolimits nur für Benzin- und Dieselautos, nicht aber für E-Mobile. Auch die Förderung der E-Mobilität muss so gestaltet werden, dass sie auch für niedere Einkommensgruppen leistbar ist. Rainer Baake will Stromverbrauch über den Preis regeln, vor allem für die Industrie, die dadurch nur dann produzieren wird, wenn genügend Strom durch Wind und Sonne zur Verfügung steht.

Für Sigrid Stagl sind Regulierungen essenziell: die nötigen Gesetze sind dringend zu beschließen, individuelles Handeln muss koordiniert werden. Physiker Holler möchte beim lokalen Widerstand ansetzen: die Kommunen müssen mit ins Boot geholt werden. Zudem sei ein Maßnahmenbündel effizienter als bloße Einzelmaßnahmen. Michael Böheim wünscht sich einen regulatorischen Mix aus Ge- und Verboten. Zudem ist für ihn die Binnenmarktperspektive zu beachten, da nicht alle Länder Europas den Ausbau gleichwertig schaffen werden.

Um die nötige Gerechtigkeit herzustellen, hält Holler einen europaweiten Ausgleich der Energie über Verteilernetze, die europaweit ausgebaut werden müssten, für geboten; das spart zudem Speichernotwendigkeit. Sigrid Stagl plädiert für integrierte und solidarische Lösungen: auch internationales Denken ist wichtig, vor allem wenn es um Kooperation mit Ländern aus Nordafrika geht. Hier gilt es imperialistische Haltungen abzulegen und einen fairen Preis zu bezahlen. und darauf zu achten, die Abhängigkeit von nicht demokratischen Ländern zu verhindern. Für Rainer Baake ist ein europäischer Binnenmarkt für Strom bereits vorhanden: je besser die Vernetzung desto effizienter und kostengünstiger läuft alles, „Insellösungen“ sind teuer.

Abschließend werden noch Fragen aus dem Publikum diskutiert.

Credits

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BSA – Weniger Energieverbrauch, mehr Energieeffizienz-YOUBUTE-IPHP Wolfgang Müller 1

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