Muamer Becirovic

Wettbewerb und Eigeninteressen gestalten die Zukunft? – Muamer Becirovic

Muamer Becirovic, Herausgeber des Online-Magazins „Um Kopf und Krone“ und Obmann der Jungen ÖVP in Fünfhaus spricht mit Alexander Stipsits von Idealism prevails ausführlich über fundamentale Themen unserer Zeit. Beginnend mit der Debatte über Medien im Allgemeinen und Fake News im Besonderen legt Muamer seine Einstellungen dar. Er ist der Meinung, dass man fragwürdige Medien oft schon an der Wahl des Namens und deren nachlässigen Umgang mit Fakten erkennen könne. Verglichen mit den USA bemerkt Muamer, dass auch in Europa eine zunehmende „Boulevardisierung“ der Medien bemerkbar sei. Er sieht dies im Auflagenschwund der Printmedien begründet, und stellt fest, dass für Qualitätsmedien direkt vom Kunden bezahlt werden müsse, oder die Redaktionen über Trivialisierung/Skandalisierung Clicks, und damit Einkommen zu generieren gezwungen seien.

Muamer bemerkt zudem, dass die Fachkenntnisse teils abgenommen hätten, es parallel dazu aber zu einer Zunahme an Oberflächlichkeit gekommen sei – bei Sachthemen würde zu wenig ins Detail gegangen, und man überlege nicht konsequent: „Was wäre, wenn?“

Die zunehmende Geschwindigkeit des Tagesgeschäfts führe zu Verkürzungen, stellt Muamer fest.
Auf die Frage nach seiner politischen Heimat, der ÖVP, und seiner Inspiration aus dem konservativen Weltbild antwortet er indes, kein „idelogischer Mensch“ zu sein und an der ÖVP zu schätzen, dass sie ein „ausgleichendes Element“ darstelle, eine Volkspartei, die innerlich unterschiedliche Ansichten zulasse und diese schlussendlich ausbalanciere – „die Welt ist weder Schwarz noch Weiß“.

Die Motivation, selbst in die aktive Politik einzusteigen, habe sich für ihn durch ein zufälliges Treffen mit Sebastian Kurz ergeben: „Wenn er das kann, dann kann ich das auch!“ Etwas zu verändern, progressiv zu gestalten, das sei Muamer Becirovic‘ Antrieb.

Die Grundwerte der Bewegung bestreitet er nicht, er hat sich aber die Frage gestellt: „Wie kommst du als Muslim dazu, dich bei der ÖVP zu engagieren?“ Gemäß seiner Interpretation würden sich der Islam und das Christentum ein Fundament teilen. Als bosnisches Einwandererkind der ersten Generation habe seine Familie Österreich als Heimat schätzen gelernt. Er erzählt offen über die Zeit, als pures Überleben die einzige Realität gewesen sei und  persönliche Befindlichkeiten keine Rolle spielen durften.

Gefragt nach seiner Position in der Debatte über islamische Kindergärten erklärt Muamer im Detail, wie es zu dem Konflikt gekommen sei und wie man die Situation über die Kontrolle der Standards wieder in den Griff bekommen könne. Fundamental für ihn sei die Verfassung: „Ich bin Verfassungspatriot.“

Das gegenwärtig heißdiskutierte „Sicherheitsgesetz“ möchte er aus rationaler Distanz betrachtet sehen: „Österreich ist eines der sichersten Länder der Welt, aber wenn man die Leute auf der Straße fragt, hat man nicht das Gefühl…“

Muamer hält weitreichende Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger für nicht gerechtfertigt. Er bemerkt, dass die Politik das Sicherheitsthema immer gerne kurz vor Wahlen aufgreife, zumal damit von allen anderen Problemen abgelenkt werde. Er stellt fest, dass es innerhalb seiner Partei große Differenzen gebe.

Auch beim Thema ‚Europa‘ redet Muamer Klartext: „Ich bin ein absoluter Vollblut Europäer.“ Er bedauert, dass die Partei hier Gefahr laufe, ihre Vorreiterrolle zu verlieren und begründet seine Einstellung mit den Kriegserfahrungen seiner Familie. Mumaer fragt sich: „Was ist denn die Konsequenz, wenn Le Pen sagt: Ich will die EU zerstören? Die Konsequenz aus dem Scheitern Europas wäre Krieg.“ Die Wirtschafts- und Finanzunion werde der nächste Schritt sein müssen.

Das Gespräch konzentriert sich schließlich auf die globale Umweltthematik, und hier vertritt Muamer Becirovic klar den Standpunkt, dass es nur in Symbiose mit Wirtschaft und Innovation gelingen werde, die Welt zu retten und untermauert sein Argument an den Beispielen von Tesla, Apple etc.

Zum Abschluss antwortet Muamer offen auf die Frage nach seiner Vision für die Zukunft: „Ich würde mich als idealistischen Pragmatiker bezeichnen, und…“ :

Alexander Stipsits - Muamer Becirovic

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Alexander Stipsits - Muamer Becirovic Alexander Stipsits – Muamer Becirovic Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
Muamer Becirovic Muamer Becirovic Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
Muamer Becirovic Muamer Becirovic Idealism Prevails CC BY-SA 4.0
Alexander Stipsits - Muamer Becirovic Alexander Stipsits – Muamer Becirovic Idealism Prevails CC BY-SA 4.0

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