Bernhard Heinzlmaier – Jugendwertestudie 2019

Der bekannte Jugendforscher und Mitbegründer der Hamburger tfactory Bernhard Heinzlmaier präsentierte Ende Oktober die neue Jugendwertestudie 2019 im Institut für Jugendkulturforschung in Wien. Untersucht wurde u.a. die Nutzung von Medien (Internet, Radio, TV, Social Media), das Vertrauen in die Institutionen sowie in die Europäische Union und die aktuellen Sorgen der Jugend. Bei Letzteren stellt der Wissenschaftler fest, dass Umweltverschmutzung/Klimawandel zwar an erster Stelle bei den Sorgen steht, aber kaum jemand der Befragten irgendetwas dagegen tut, außer zu demonstrieren.

Laut Heinzlmaier tendiere das obere Gesellschaftsdrittel, das auch die Medien kontrolliert, nach links, während die unteren zwei Drittel nach rechts gehen. Diese Spaltung lässt sich an Hand vieler relevanter Fragen feststellen.

Das Österreichbewusstsein steigt, über Migration wünscht sich die Jugend eine ehrliche Diskussion ohne Ausländerfeindlichkeit. 75% der Jugendlichen suchen nach Halt/materiellen Grundlagen, die Volatilität des Lebens, das sich ständig am Markt verkaufen müssen, ist eine massive Herausforderung. Deshalb erleben „alte“ Werte wie Sparsamkeit, Sauberkeit und Ordnung sowie volkstümliche Musik (als ironische Überzeichnung ohne Substanz) ein Revival.

Das Vertrauen in die Politik ist massiv erschüttert: angesichts der zahlreichen Skandale traut kaum ein Jugendlicher mehr Parteien oder Politikern, ihnen wird auch keine Lösungskompetenz zugeschrieben. Gewählt wird das geringere Übel.

Auf der Suche nach Lösungen postuliert Heinzlmaier einen wichtigen Grundsatz aus der Werbebranche:

„Es ist niemals Unwissenheit oder Desinformation, welche die Menschen davon abhält, etwas zu kaufen oder nicht zu kaufen. Vielmehr ist es immer ein durch Signifikanten (Bilder, Models etc) organisiertes und gelenktes Begehren.“

Man erreicht Menschen nicht mit Fakten, sondern mit Emotionen. Dies müsse vor allem die politische Linke endlich verstehen, will sie auf absehbare Zeit wieder Wahlerfolge einfahren.

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Vortrag Heinzlmaier Wolfgang Müller 1