Das Schweigen der schönen Künste – Anemona Crisan & Jan David Zimmermann

Gesellschaft

Im Kamingespräch mit der freischaffenden bildenden Künstlerin Anemona Crisan und dem Schriftsteller und Wissenschaftsphilosophen Jan David Zimmermann mit dem Titel „Das Schweigen der schönen Künste“ thematisieren wir die Gründe für das Schweigen von Künstlerinnen und Künstlern in der „Corona-Krise“. Weiters beschäftigen wir uns mit Kunst und Krise im Allgemeinen, mit der so genannten Normalität als notwendigen „Reibebaum“ für Kunstschaffende und den aktuellen Veröffentlichungen Zimmermanns und Crisans.

Einig zeigen sich beide in der Feststellung, dass es Kunstschaffenden in den letzten beiden Jahren „moralisch“ an den Kragen ging, wenn sie sich kritisch zum „Corona-Narrativ“ äußerten. Crisan, die aus Rumänien stammt, fühlt sich an ihre Zeit hinter dem eisernen Vorhang erinnert. Für sie ist der künstlerische Ausdruck ein notwendiges Korrektiv zur herrschenden Lage: KünstlerInnen sind jene, die diese Missstände aufgreifen und aufzeigen müssen. Zimmermann, der zuletzt mit einem offenen Brief an die Organisator*innen des Bachmannpreises, für den er sich bewerben wollte, Aufsehen erregt hat, weil er eine Teilnahme unter den gewünschten Bedingungen („vollimmunisiert und mit aktuellem Test“) verweigert hat, spricht den Kunstschaffenden auch im Rückblick auf die großen Krisenzeiten in der Vergangenheit eine gehörige Portion Opportunismus zu. Für ihn waren es immer nur Einzelne, die sich gegen herrschende Verhältnisse gewehrt haben, und die dann mit einer Reihe von sogar existenzzerstörenden Restriktionen und Sanktionen rechnen mussten.

Einigkeit zeigen beide Künstler auch darin, dass solche Maßregelungen von Kritikern für sie niemals der Grund für ein Schweigen, sondern vielmehr ein Auftrag seien, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten und sie auf diese Weise auf eine dringend notwendige Kurskorrektur hinzuweisen. Für Crisan, die die große Wendezeit des Ostens als junger Mensch miterlebt hat, ist nunmehr die aus ihrer Sicht dringend nötige „Wendezeit des Westens“ gekommen. Das kapitalistische System habe ausgedient, es sei höchste Zeit für Neues. Zimmermann spricht in seinem Schreiben an die Bachmannpreis-Organisatoren Klartext: „Wenn der Wind sich dreht, drehen sich auch die Wendehälse“, konstatiert er und ist davon überzeugt, dass sich bei einem Kurswechsel in der aktuellen politischen Situation, wodurch auch immer er bewirkt würde, auch die Verantwortlichen mitbewegen werden.

Im weiteren Gespräch entspinnt sich ein spannender Dialog über die verändernde Kraft des Künstlerischen und jene Möglichkeiten, die Künstlerinnen und Künstlern offen stehen, um sich tatsächlich als jene zu erweisen, die sie sein sollen: Motoren für eine positive Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen.

Aktuell schöpfen beide Künstler auch aus ihrem Frühwerk. Zimmermanns Novelle „Der Schatten im Rücken“, die vor kurzem veröffentlicht wurde, die den Mythos vom Blaubart aufgreift und im „Kaleidoskop der literarischen Moderne“ bricht, ist in ebenso in der Studienzeit entstanden wie jene Werke Crisans, die derzeit virtuell oder in ihrem Showroom unter dem Titel „Golden (C)Age – Goldener Käfig oder Goldenes Zeitalter?“ zu sehen sind.

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Das Schweigen der schönen Künste Wolfgang Müller 1