Der Pfad zur Liebe ist oftmals lang

Dreiecksliebe

Oh mein Gott, ich war so glücklich an diesem Tag! In dieser Nacht glaubte ich fest daran, dass sich Aashika innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu mir hingezogen fühlen und sich in mich verlieben würde, wie der Jhankri es gesagt hatte.

(aus: Der Tag, als meine Frau mich mit ihr alleine ließ)

Am nächsten Morgen erwachte ich voller Hoffnung. Ich dachte, sie würde gleich mit mir sprechen und mich anlächeln, aber nichts dergleichen passierte. Tage vergingen, dann Monate und schließlich zwei ganze Jahre. Doch noch immer konnte ich sie nicht von mir überzeugen.

Es kam die Zeit, als meine Schwägerin unsere gemeinsame Wohnung verlassen musste: Am 12. Juni 2016, übersiedelte sie zurück zu ihrer Familie. Ich war am Boden zerstört, weil sie uns verließ. Doch mein Wunsch, sie für mich zu gewinnen, war noch nicht gestorben. Ein paar Monate später hörte ich, dass sie für ihr Bachelor-Studium nach Pokhara gegangen sei.

Ich wusste, ich hatte nur einen einzigen Grund zu leben, und das war sie. Ich begann Pläne zu machen, selbst nach Pokhara zu gehen, und sah mich nach einem neuen Job an den dortigen Colleges um.

Endlich, nach zweimonatigen Versuchen, erhielt ich die Möglichkeit, am Lakeside Valley College in Pokhara zu unterrichten. Erst einen Monat zuvor hatte meine Frau einen Job an der Panchakanya Lower Secondary School in Kusma Bazar bekommen. Ich sagte ihr, dass mir eine Position als Dozent in Pokhara mit einem weitaus besseren Gehalt – fast 45% mehr als mein bisheriger Verdienst – angeboten worden sei sowie die Möglichkeit, dort in einem Gästehaus zu wohnen. Weiterhin versprach ich meiner Frau, dass ich mich nach einem neuen Job auch für sie umsehen würde, so dass sie nachkommen könnte, sobald ich mich in Pokhara niedergelassen hätte. Schließlich gelang es mir, sie zu überzeugen, und ich ging nach Pokhara zu meiner neuen Arbeitsstelle als Dozent.

Ich wusste, dass Aashika in einem Studentenheim für Frauen lebte, und beschloss, es zu finden. Das war nicht schwer, weil ihre Eltern mir ihre Adresse verraten hatten, als sie uns etwas Geld schickten, das wir ihr geben sollten. In Pokhara hatte ich nur zwei Aufgaben: Am dortigen College zu unterrichten und Aashika für mich zu gewinnen. Da ich in Pokhara ein Leben als Single führte, begann ich, mit ihr zu telefonieren.

Früher, als Aashika noch bei uns gewohnt hatte, war es unmöglich, mit ihr zu telefonieren, weil wir beide in derselben Wohnung lebten und meine Frau sehr oft bei mir war. In den ersten paar Tagen hat sie meine Anrufe nicht einmal angenommen. Dann begann ich, ihr SMS zu schreiben. Ich schrieb, ich würde sie lieben wie einen Engel. Sie behandeln wie eine Königin. Eines Tages, nach etlichen SMS, kam eine Antwort: Sie glaube, dass alles, was ich ihr geschrieben habe, gelogen sei. Ich rief sie sofort an und konnte meinen Ohren nicht trauen, als sie tatsächlich ans Telefon ging.

Es war das erste Mal, dass ich jemals mit Aashika telefoniert hatte.

Nach diesem ersten Anruf telefonierten wir täglich miteinander. Langsam aber sicher begann Aashika, sich zu mir hingezogen zu fühlen. Wir verbrachten viele Stunden, tagsüber und nachts, mit Telefongesprächen.

Eines Tages schlug ich ein Treffen in David’s Cafe am Lekhnath Chowk in Pokhara vor, und sie war einverstanden. Vor unserem Treffen kaufte ich noch ein Geschenk für sie. Als ich es ihr überreichte, war sie so glücklich darüber! Sie war nun schon fast wie meine Freundin.

Eines Tages endlich erklärte sie sich damit einverstanden, meine Frau zu werden, doch sie war sehr besorgt darüber, wie ihre Schwester auf diese Nachricht reagieren würde. Aber wann immer sie dieses Problem erwähnte, sagte ich ihr, sie solle nicht darüber nachdenken – ich würde es schon schaffen, meine Frau (ihre Schwester) davon zu überzeugen, diese neue Entwicklung zu akzeptieren. Ich erinnerte sie auch daran, dass jüngere Schwägerinnen der nepalesischen Tradition folgend oft als „halbe Ehefrauen“ bezeichnet werden. Ich sagte ihr, dass es nach einer Weile für alle in Ordnung sein würde, da sie und ihre Schwester dieselbe Mutter hätten.

Zu dieser Zeit trafen Aashika und ich uns regelmäßiger und häufiger. Zu jedem Treffen brachte ich ihr mindestens ein neues Geschenk mit. Wir sahen uns fast jeden Tag, und schließlich schlug ich vor, dass wir heiraten sollten. Doch sie lehnte meinen Vorschlag ab mit der Begründung, sie müsse sich auf ihre Prüfungen konzentrieren, die bald stattfinden würden. Ich sagte ihr, dass ich das verstehe und darauf vorbereitet sei, auf sie zu warten. Schließlich, nach zwölf Tagen, waren ihre Prüfungen vorüber – und am 10. Oktober 2016 heirateten wir im Vindibasani-Tempel in Pokhara und begannen ein gemeinsames Leben.

Einen Monat, nachdem ich Aashika geheiratet hatte, bat ich Ashmita, nach Pokhara zu kommen. Bei ihrer Ankunft eröffnete ich ihr, dass ich ihre Schwester geheiratet hatte. Sie war so enttäuscht von mir, dass sie ins Haus ihrer Mutter zog. Ungefähr drei Monate lang sprach sie überhaupt nicht mit mir, doch weil sie beide Schwestern waren, bemühte ihre Familie sich um eine Lösung. Ihre Eltern und ich sprachen mit beiden Schwestern. Nach drei Monaten kehrte Ashmita nach Pokhara zurück, und wir begannen ein Leben zu dritt.

Mehr als ein Jahr ist jetzt vergangen, seitdem ich Aashika heiratete. Wir leben nun zusammen, und alles ist in Ordnung, wir haben eine angenehme Atmosphäre zu Hause. Vor acht Monaten, am 7. Januar 2017, brachte Aashika ein Mädchen zur Welt. Damit sind wir zu fünft in unserer Familie: zwei Frauen, ein Sohn, eine Tochter und ich. Ich lebe glücklich mit meinen beiden Frauen zusammen. Manchmal gerate ich in Probleme, aber damit kann ich umgehen. Ich weiß, das ist das Ergebnis, wenn man zwei Frauen hat, die Schwestern sind.

So lebe ich heute, und dies ist die Geschichte, wie ich es geschafft habe, die zweite Liebe meines Lebens zu heiraten. Ich habe dies nur getan, weil ich so verzweifelt verliebt war in die jüngere Schwester meiner eigenen Frau – doch bitte versucht das nicht in eurem eigenen Leben.

Übersetzung Englisch-Deutsch: Martin Krake

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Dreiecksliebe Dreiecksliebe Patryk Kopaczynski CC BY-SA 4.0