Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl

In dieser Online-Gesprächsrunde des BSA Döbling, die Anfang Mai 2021 stattfand, diskutieren Experten darüber, wie man Fakes von Fakten unterscheiden kann und wie man Lügen auf die Spur kommt.

Die Gesellschaft darf und muss sich von der Wissenschaft erwarten, dass diese Fakten liefert, meint Dr. Florian Aigner, Physiker und Wissenschaftspublizist. Entscheidungen müssen aber nach einem Diskussionsprozess politisch bzw. gesellschaftlich getroffen werden. Diese kann man aber nur treffen, wenn man sich gemeinsam auf ein Faktengerüst beziehen kann, das außer Streit steht. Einzelmeinungen von Wissenschaftern wird es immer geben; gibt es aber bei einem Thema einen weltweiten Konsens beim Großteil der Wissenschafter, dann kann man sich darauf verlassen, dass dieser auf Fakten basiert.

Es fehlt an naturwissenschaftlicher Bildung in den Schulen, sagt die Biochemikerin Univ-Prof. Dr. Renee Schroeder. Sie sei geschockt, dass viele Leute nicht wissen, was der Unterschied zwischen Glauben und Wissen ist. Bauchgefühl ist auch für Wissenschafter wichtig; denn wenn man einer neuen Frage nachgeht, hat man zu Beginn oft nicht viel mehr. Aber: dieses Gefühl muss mit wissenschaftlichen Methoden getestet werden, um es mit Fakten zu belegen. Und diese müssen dann von der wissenschaftlichen Community vielfach überprüft werden.

Dass man eher Personen aus dem eigenen Umfeld vertraut, die man kennt, als „fremden“ Experten, hat durchaus nachvollziehbare, evolutionsbiologische Gründe, erklärt das Mitglied der Science Busters Dr. Elisabeth Oberzaucher. Das Problem in der heute sehr komplexen Welt ist, dass man solche Experten kaum persönlich kennt, da sie auch selten in der Öffentlichkeit auftreten. Zeitgleich gibt es viele, die sich als Experten verkaufen, ohne es zu sein, gerade in den Sozialen Medien. Wichtig wäre es, dass die echten Experten diese neuen Kanäle regelmäßiger nutzen, um ihre Informationen besser an die Öffentlichkeit zu bringen.

Sich eine faktenbasierte Meinung zu bilden ist sehr aufwendig und erfordert eine gewisse intellektuelle Selbstkritikfähigkeit, meint der Moderator der ORF-Sendung Fakt oder Fake Clemens Maria Schreiner. Viel einfacher ist es, dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen. Aber gerade, wenn es darum geht, uns auf gemeinsame Standards zu verständigen, müssen objektive Fakten und Methoden Vorrang haben. Quellenkritik kommt in unserer Schulbildung ebenfalls viel zu kurz. Die Verbreiter von Fake News haben den großen Vorteil, dass ihre meist hochemotionalen Botschaften nicht faktisch überprüft werden und wesentlich griffiger formuliert werden können.

Wie kann erfolgreiche Wissenschaftskommunikation aussehen? Wie geht man in öffentlichen Diskussionen mit „nichtwissenschaftlichen Experten“ um, um nicht in die false balance Falle zu geraten? Und wie kann man erreichen, dass sich Menschen auch außerhalb ihrer Blasen informieren? Diese und weitere Themen stehen im weiteren Verlauf dieser Diskussion im Mittelpunkt.

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Die Schwerkraft ist kein Bauchgefuehl Wolfgang Müller 1

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