Neues Energiebewusstsein – Beispiel Auto

Zapfsaeule

Eine Sache, die mich seit längerem stört, ist, wie meine Mitmenschen und unsere westlichen Gesellschaften im Allgemeinen mit Energie und den dafür benötigten Ressourcen umgehen.  Das Bewusstsein bezüglich der Auswirkungen unseres Tuns – sowohl aus ökologischer, als auch aus gesellschaftlicher Sicht – ist meiner Meinung nach kaum vorhanden.

Bei genauerer Betrachtung vieler Verhaltensweisen ist es nicht unangebracht, von einer Art „energetischem Analphabetismus“ zu sprechen.

Ich möchte hier mit ein paar Beispielen, ohne mich allzu sehr in technische Details zu verlieren, unsere Verantwortung und die Komplexität des Themas anhand der Automobilindustrie veranschaulichen:

Nicht erst seit dem Dieselskandal um VW sind die Themen Umweltverschmutzung und kriminelle Energie unserer wirtschaftlichen Akteuere sowie die Skrupellosigkeit – was die Auswirkungen ihres Tuns auf das Wohl der Menschen, Tiere und Umwelt betrifft – ins öffentliche Licht geraten. Die Verstrickung von wirtschaftlichen Interessen (vulgo Profitstreben) und unseren Entscheidungsträgern ist mittlerweile selbst dem politisch desinteressiertesten Bürger offenkundig.

Die ersten Indizien für eine Manipulation der Abgaswerte gab es schon im Jahre 2010. Messungen legten nahe, dass die Luftqualität in Großstädten sich nicht in dem Ausmaß besserte, wie es die von Autoherstellern versprochene Reduktion der Schadstoffe hätte erwarten lassen. Somit wussten die politischen Entscheidungsträger, in diesem Fall die EU Kommission, von den Schummeleien.

Die eigentliche Manipulation beginnt schon an einer anderen, viel grundlegenderen Stelle. Solange fossile kohlenstoffbasierende Treibstoffe in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden, wird es zwangsweise schädliche Emissionen geben. Es ist physikalisch nicht anders möglich. Die Hersteller versuchen, dem Verbraucher durch Werbung und Marketing zu suggerieren, dass ein normaler fossiler „Verbrenner“ umweltfreundlich sein kann.

Doch dem ist nicht so:

Bei der Verbrennung entsteht zwangsläufig Kohlendioxid (CO2),

welches zwar in Grunde ein ungiftiges, jedoch klimaschädigendes Gas ist. Der Treibhauseffekt führt zu unseren nicht mehr wegzudiskutierenden klimatischen Veränderungen auf der Erde – mit all ihren ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen (Klimaflüchtlinge, Hunger, Zerstörungen durch Naturgewalten, Artensterben, Eisschmelze, Missernten etc.),

Ein gewaltiger Trugschluss ist der Glaube, erhöhte CO2 Werte würden im Allgemeinen zu vermehrtem Wachstum unserer Pflanzen führen. Dem ist leider selten so. Ein Grossteil unserer pflanzlichen Biomasse des Planeten kann mit dem zusätzlichen CO2 in der Luft nicht gut umgehen.

In Deutschland alleine werden 150 Millionen Tonnen dieses Gases jährlich in unsere Atmosphäre geblasen.

An zweiter Stelle ist das Kohlenmonoxid CO,

welches durch einen Mangel an Sauerstoff im Motor in gewissen Betriebszuständen entsteht. Das geruchslose Gas blockiert die Sauerstoffaufnahme im Blut und führt somit zum Erstickungstod (wie Unfälle mit z.B. Gasthermen traurigerweise zeigen). In CO-belasteten Umgebungen, wie z.B. in der Stadtluft, können erhöhte CO Werte die Leistungsfähigkeit von Körper und Geist herabsetzen. Bei starker Exposition führt CO zu chronischen Schädigungen, wie z.B. Herzproblemen und kann Depressionen auslösen.

820.000 Tonnen werden davon jährlich ausgestoßen.

Drittens: Stickoxide (NOx)

Sie entstehen durch Luftüberschuss und hohe Temperaturen im Verbrennungsraum (vor allem bei Dieselaggregaten). Stickoxide greifen die Lungen an und führen vor allem bei Asthmatikern zu einer Verengung der Bronchien. Pflanzen leiden durch Nekrosen, Verkümmerungen und schnelleres Altern an NOx-Emissionen. Des weiteren führt dieser Schadstoff zur Übersäuerung unserer Böden und Gewässer.

Jährlicher Ausstoß: 520.000 Tonnen

Vierte Stelle: Flüchtige Aromatische Verbindungen

– vorwiegend bei Benzin durch Verdampfung in die Atmosphäre gelangend. Benzol, einer der Hauptschadstoffe der Gruppe, gilt als hochgradig toxisch und krebserregend. Schon bei Hautkontakt können Vergiftungen auftreten. Beim Einatmen wirkt Benzol stark krebserregend und löst Leukämie (Blutkrebs) aus.

93.000 Tonnen pro Jahr gelangen in unserer Atemluft

Fünftens: Feinstaub und Russ

Ruß entsteht vorwiegend durch ungleichmäßige Verbrennung des Treibstoffes. Eingeatmet gelangen die Rußpartikel durch die Lunge in unseren Blutkreislauf, und lösen teils erhebliche gesundheitliche Schäden aus (Lungenkrebs, Vergiftung des Organismus auf Zellebene mit karzinogenen Bestandteilen der Kleinstpartikel). Weiterer Feinstaub entsteht durch den Abrieb von Reifen und Bremsen. Jüngste Studien erhärten sogar den Verdacht, dass Feinstaub in den menschlichen Stoffwechsel eingreifen und dadurch Fettleibigkeit und Diabetes auslösen kann.

46 Millionen Tonnen Feinstaub gelangen durch den Autoverkehr in unsere Umwelt.

Ein weiterer Aspekt ist der – technisch bedingt – bestürzend niedrige Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren. Mehr als zwei Drittel der im Kraftstoff gebundenen Energie wird im Endeffekt dafür verwendet, um unsere Umgebungsluft aufzuheizen. Otto- und Dieselmotoren haben derzeit einen durchschnittlichen Wirkungsgrad von 25% bzw 33%. Es ist absolut nicht übertrieben, zu sagen, dass heutige Autos fahrende Freiluftheizungen sind. 40 Liter einer 60 Liter Tankfüllung verpuffen einfach ungenutzt.

Wie wir sehen können, fahren wir täglich mit echten „Killermaschinen“ herum, und sind (nicht selten) sogar stolz auf unser fahrbaren Untersatz. Selbstverständlich sind heutige Autos durch moderne computergesteuerte Motormanagementsysteme und Abgasnachbehandlungsmethoden ungleich „sauberer“ als ältere Modelle. Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen.

Es ist eines der offensichtlichsten Beispiele von Unwissen und bewusster Ignoranz, dass wir diesen katastrophalen Zustand einfach als „normal“ hinnehmen, und nicht weiter darüber nachdenken. Weitaus mehr Hirnschmalz wird dafür verwendet, sich zu überlegen, mit welchem Modell man den Nachbarn neidisch machen kann.

Im kommenden Artikel der Serie werden wir uns mit den Folgen der Erdölindustrie auf Natur und Gesellschaft beschäftigen und Alternativen zum derzeitigen Irrsinn aufzeigen.

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Diskussion (Ein Kommentar)

  1. Sehr guter, informativer Artikel! Thx