Dr. Matthias Strolz „Das Alte geht…” (Eröffnungsrede zu den 36. Internationalen Sommergesprächen)

Zu Beginn seiner Eröffnungsrede zu den 36. Internationalen Sommergesprächen der Waldviertel Akademie (WaVaK) beglückwünscht Dr. Matthias Strolz die Weitraner zu ihrem – gerade in Corona-Zeiten – zauberhaften Schloß, in dem die Veranstaltung stattfindet.

Das 4-tägige Symposium der Waldviertel Akademie hat den Titel “2020… ZeitenWende – WendeZeit”, ein Titel der bereits vor dem Ausbruch der Coronaviruskrise festgelegt wurde und sich 2020 als visionär herausstellt. Der Autor und Publizist Dr. Strolz hat seinen Vortrag „Das Alte geht, das Neue ist noch nicht ganz da – Zwischenräume, Krisen, Perspektiven“ benannt und gleich zu Beginn stellt der Impact-Unternehmer fest, dass wir zweifellos in einer Krise leben. Krisen sind allerdings seit jeher Bestandteil des menschlichen Lebens, denn sie sind quasi „Hebammen fürs Neue“. Sie lösen Veränderungen aus – oft solche, die zuvor lange verzögert wurden.

Dr. Strolz geht weiters auf die aus der Psychologie bekannten Phasen der Krisenbewältigung ein: Verdrängung, ausgelebte Gefühle (Wut, Trauer), Verarbeitung etc. Die Folgen der aktuellen Krise werden wir wohl noch jahrelang verarbeiten müssen und der langjährige Politiker bringt dazu das Beispiel der langjährigen Effekte der Finanzkrise 2008.

Sicher ist, dass es nach dieser Phase wieder besser wird: Innovation wird für alle sehr viele Türen öffnen – auch wenn dies nicht alle erkennen werden.

Vor seiner politischen Karriere hat Strolz gemeinsam mit der Uni Wien meherere Faktoren definiert, die in einer komplexer werdenden Welt unsere Handlungsfähigkeit erhalten: Identität (erkenne Dich selbst), Beziehungsfähigkeit, Signalresonanz (erkennen von Chancen), Widerspruchstoleranz (überlebensnotwendig in einer entgrenzten Welt).

Der Gründer der NEOS macht klar, dass wir uns auch ohne Corona in einer Wendezeit befinden: weltweit läßt sich ein Trend zur Regression, zum Rückzug auf das (positiv erlebte/besetzte) Vor/Gestern, feststellen. Wie es dazu kam? Seit der 68er-Bewegung gibt es laut Dr. Matthias Strolz eine Hegemonie des linksliberalen Politikfeldes: konservative Parteien mußten Minderheitenrechte, Abtreibung, LGBTQ und viele weitere linke Themen akzeptieren und in ihr Parteiprogramm mitaufnehmen. Doch ist der linksliberale Hegemon durch Überhöhung und Doppelmoral pathologisch geworden – und dies ist immer mehr Menschen aufgefallen. Donald Trump hat diese Regressions-Bewegung an effektivsten für seine Zwecke ausgenutzt: er hat erkannt, daß er sagen und tun kann, was er will: Hauptsache er macht die Vertreter der linken Hegemonie regelmäßig fertig.

Tägliche Entgleisungen, die vor Trump zum sofortigen Rücktritt des US-Präsidenten geführt hätten, verschrecken seine Wähler nicht. Die “cancel culture”, die in den USA ihre Runden macht, wird daran sicher nichts ändern: im Gegenteil – sie bestätigt jene Wähler die Hillary Clinton 2016 als die Beklagenswerten (“deplorables”) bezeichnet hatte und die in Trump Ihren Rächer sehen und daher könnte es auch 2020 zu einer Wiederwahl Trumps kommen.

Wie lange wird diese Regression anhalten? Der Impact-Unternehmer geht nicht davon aus, dass diese Phase lange dauern wird, da die Zeit sehr schnelllebig ist. Eine Variante wäre, dass sich das linksliberale Spektrum gesundet – Ansätze dafür waren bei den Deutschen Grünen vor Corona zu erkennen. Ein neues, integrales Politikverständnis, das die ständige Polarisierung hinter sich läßt, wäre eine weitere künftige Entwicklungsmöglichkeit – die der Ex-Politiker Dr. Strolz favorisieren würde.

Was können wir Bürger, was kann die Politik tun?

Viel, wie die Coronaviruskrise gezeigt hat. Milliarden Menschen wurden quasi über Nacht kaserniert – also ist die Politik durchaus handlungsfähig, wenn sie mit Überzeugung auftritt. Arbeitsmarktreformen, Umweltpolitik, Transaktions- und Digitalsteuer, verbesserte Lebensqualität – alles ist möglich. Neue Antworten sind notwendig. Und wir werden sie finden davon gibt sich der quirrlige Vorarlberger überzeugt.

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ZeitenWende – WendeZeit Wolfgang Müller CC BY SA 4.0