Ich will doch nur dein Bestes

LebensweltenPädagogik neu gedacht

Wer von Helmut Kentler noch nie gehört hat, Original Play für ein Theaterprojekt hält und hinter Rainbow Kiss etwas Romantisches vermutet, der könnte im Laufe dieses Beitrags, der einen Rückblick auf verschiedene Projekte zur Weiterentwicklung der kindlichen Sexualität gibt, ins Staunen kommen.

So scheint es, dass moderne, fortschrittliche Ideen, um das Erwecken eines gesunden Interesses an Sexualität beim Kind zu verstärken, sich häufig im Rückblick als nicht ungefährlich für das Wohl der Minderjährigen herausgestellt haben, weil diese Ideen auch Schlupflöcher für Menschen bieten, die sich mit erotischen Absichten Kindern nähern möchten und hier einen leichteren Zugang witterten.

Missbrauch liegt nur vor, wenn es nachweislich den Kindern geschadet hat.“

Der 1928 in Köln geborene Helmut Kentler war Psychologe, Sexualwissenschaftler und unterrichtete an der Universität Hannover Sozialpädagogik. Den größten Teil seines Lebens propagierte er Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern, was allerdings ab den 1990er Jahren als bewusste Förderung pädosexueller Aktivitäten kritisiert wurde. Er war der Ansicht, dass nur dann von Kindesmissbrauch gesprochen werden konnte, wenn der Sexualakt nachweislich psychisch oder physisch schädlich für das Kind war.

Kentler war maßgeblich verantwortlich für das nach ihm benannte Experiment, einem Menschenversuch, bei dem im Auftrag des Jugendamtes Berlin, also von öffentlichen Stellen Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren in die Obhut pädophiler Pflegeväter gegeben wurden. Das, so Kentler, sollte eine gemeinsame Resozialisation der Minderjährigen und der erwachsenen Männer bewirken. Man weiß nicht genau, wie lange das Experiment durchgeführt wurde, geht aber davon aus, dass es wohl erst nach etwa 20 Jahren beendet wurde. Laut Rückmeldung der Bildungs- und Jugendsenatorin Sandra Scheers von der SPD werden bundesweit in Deutschland die Fälle aufgearbeitet, bei denen es im Rahmen der Obsorge zu schwerem sexuellen Missbrauch kam. Erste Betroffene wurden finanziell entschädigt.  

1974 verfasste Kentler das Vorwort zu dem Buch „Zeig mal“. „Zeig mal“ ist ein Bilderbuch für Kinder und Eltern. Fotografiert und getextet von Will McBride, erklärt von Helga Fleschhauer-Hardt. Der Bildband zur Sexualauflärung von Jugendlichen enthält 125 teilweise ganzseitige und zumeist in Nahaufnahme fotografierte Bilder sexuell stimulierter Kinder, darunter auch ein erigierter Kinderpenis oder ein Foto von einem Kind mit seinem Finger im Po. Das Buch wurde vom evangelischen Jugenddienst-Verlag, Wuppertal herausgegeben.

Ein Jahr nach „Zeig mal“ erschien „Der große Basar“, ein Buch von Daniel Cohn-Bendit, in dem er auf Basis von Interviews über sein Leben in der Zeit von 1968 bis 1975 berichtet. Darin schwärmt er von dem Gefühl, das es in ihm auslöst, wenn Kleinkinder ihn im Hosenstall streicheln.

„Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: ‚Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder?‘ Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“ (siehe Daniel Cohn-Bendit: Der grosse Basar, München 1975, S. 143)

Im selben Buch auf Seite 140 : „Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen.“ 1982 bestätigte er, damals grüner Abgeordnete des EU Parlaments, erneut, „Wenn ein 5-jähriges Mädchen sich beginnt auszuziehen, ist das ein wahnsinnig erotisches Spiel“. Retrospektiv fordert Cohn-Bendit, dass „nun endlich Schluss ist“, seine Aussagen von damals zu thematisieren. Archivmaterial zu ihm sei bis 2031 gesperrt.

„Sexualverkehr zwischen Eltern und Kindern muss straffrei bleiben“ ist kein Ausspruch von Cohn-Bendit, wird ihm aber häufig in den Mund gelegt. Laut den Recherchen ging es dabei um Forderungen der Partei, der er angehörte, nach „einvernehmlicher Sexualität“ zwischen Erwachsenen und Kindern.

2015 arbeiteten die Grünen dieses Kapitel auf, indem die damalige Vorsitzende Simone Peter ihr Bedauern darüber ausdrückte, dass „die grüne Partei in ihren Anfangsjahren pädosexuellen Aktivisten und ihren Positionen Raum gelassen hat.“ Die Forderungen der Grünen aus den 80er Jahren lauteten, das Sexualstrafrecht zu ändern und Strafbefreiung bei einvernehmlicher Sexualität zwischen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern zu bewirken. Außerdem nahmen sie die Forderung, die Paragrafen zu sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen und sexuellem Missbrauch von Kindern zu streichen in ihr Wahlprogramm zur Landtagswahl NRW 1985 auf.

Nachdem diese aus den 1970er bis etwa 1990er Jahren stammenden Ideen nachträglich zeigen, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist, müsste man meinen, dass weitere Sexualerziehungsprojekte mit deutlich mehr Vorsicht behandelt werden.

Original Play – Kuscheln im Kindergarten mit Fremden

2019 stellte sich das Konzept „Original Play“, das als therapeutisches Spiel in Form von Kuscheln mit fremden Kindern im Kindergarten gedacht war, das Kindern Ängste nehmen sollte, als Aktion heraus, bei der einige der beteiligten Erwachsenen, die an dem Original Play teilnahmen, rote Linien im Umgang mit den Kindern überschritten hatten. Aus Raufen und Herumtollen mit den Fremden wurden Berichten zufolge Handlungen, nach denen die Kinder zu Hause über Schmerzen im Po klagten, weil man ihnen dort einen „Dorn“ hineingesteckt hätte.

Leitfaden für Sexualerziehung der WHO

2011 veröffentlichte die WHO neue Empfehlungen für Sexualerziehung – hier online zu finden. Was auf den ersten Blick als fortschrittlicher Umgang anmutet, könnte bei einem erfahrenen Erwachsenen bei näherer Betrachtung doch die eine oder andere Fragen aufwerfen. So soll es Kindern zwischen null und vier Jahren aktiv ermöglicht werden, die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen auszudrücken, beispielsweise beim „Doktorspielen“ (vgl. S. 42). Wirklich? Ein Kind unter 4 Jahren ist fähig, seine Grenzen auszudrücken, wenn es im Genitalbereich berührt wird?

Manche Kindergärten reagieren auf diese Empfehlung der WHO mit Masturbationsräumen wie ein Bericht vom Jänner 2024 aus der Weltwoche zeigt. Masturbation steht auch im Lehrplan für 6-9 Jährige, wobei in den Institutionen unter anderem über Vergnügen und Lust beim Berühren des eigenen Körpers (Masturbation, Selbststimulation) aufgeklärt werden soll (vgl. S. 46).

Ist es nicht möglich, dass solche Vorgaben einen zu anschaulichen Sexualkundeunterricht auslösen, wie das scheinbar 2021 in Wien passiert ist? Laut Angaben der Tageszeitung „Der Standard“ hat eine Volksschullehrerin an einer Puppe gezeigt, wie Geschlechtsverkehr funktioniert und den Mädchen empfohlen, dafür ihre Finger zu verwenden.

In der Altersgruppe der 9-12jährigen empfiehlt die WHO, Kindern die Fähigkeit zu vermitteln, bewusst zu entscheiden, ob sie sexuelle Erfahrungen machen wollen. (vgl. S. 48)

Die in den Schulen abgehaltene Sexualkunde führt immer wieder zu Beschwerden, weil dabei – so ein Elternbericht – beispielsweise Kondome über Holzpenisse gestülpt werden oder Kinder, wie hier zu lesen, von Sexualpraktiken wie etwa dem „Rainbow Kiss“ erfahren. Leser mögen mich für ungebildet halten, aber ich musste selbst googeln, was damit gemeint ist. Nachdem ich mich darüber informiert hatte, war ich nicht im Mindesten verwundert, dass ein Schulkind solche Informationen verstörend fand.

Gelegenheit macht Diebe

Wir sehen also, dass in den letzten Jahrzehnten immer wieder aufgeschlossene Projekte zur Sexualerziehung in Institutionen zur Förderung einer positiven sexuellen Entwicklung von Kindern initiiert wurden. Jeder Einwand dagegen wurde schnellstmöglich als Kommentar eines vorurteilsbeladenen, altmodischen Mitmenschen geframed, denn es gehe natürlich immer nur um das Wohl der Kinder und beteiligten Erwachsenen pädophile Absichten zu unterstellen, wäre ungerecht und abwegig. So lange, bis der nächste Skandal in den Medien erscheint. Und derer haben wir viele!

Kaum ein Tag vergeht ohne in den Medien von sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen, Pädophilie oder sexueller Gewalt gegen Minderjährige zu lesen und das auf der ganzen Welt. Die Ereignisse nehmen Ausmaße an, die unüberschaubar sind und sich in sämtlichen Milieus und Gesellschaftsschichten abspielen.

Scheinbar sind sich Eltern immer mehr dessen bewusst, dass Übergriffe in Einrichtungen oder im privaten Bereich kein bedauerlicher Einzelfall mehr sind und dass vermehrt Vorbereitungen und Maßnahmen getroffen werden müssen, um ihre Kinder zu schützen.

Es ist meiner Meinung nach daher weder Intoleranz noch eine bösartige Unterstellung gemeint, dass sich biologische Männer im Damenoutfit an kleine Kinder ranmachen würden, wenn, wie vor ein paar Monaten in Wien, Mütter und Väter mit Widerstand gegen das von der Stadt Wien mit Steuergeld finanzierte Vorlesen von Büchern im Kindergarten durch Drag Queens in Strapsen und mit unverhülltem Po reagieren.

Es ist die Sorge verantwortungsbewusster Eltern, dass ihre Kinder zu früh mit dem Thema Sex in Verbindung kommen, dass ihrer eigenen individuellen Entwicklungsgeschwindigkeit vorgegriffen wird und dass wenn Sexualität schon so früh etwas so Präsentes im Leben der Kinder ist, sie leichter Opfer von Missbrauch werden, sollte sich ihnen doch jemand mit unsittlichen Absichten nähern wollen.

Es ist schön, das Gute im Menschen zu vermuten. Zum Glück ist es oft der Fall. Sehr viele Menschen haben das Herz am rechten Fleck und kommen gar nicht auf die Idee, sich an Kindern zu vergreifen. Aber die private Sammlung eines Schauspielers mit über 76.000 Datenträger zu sexueller Gewalt an Kindern oder 70.000 Medien eines Antifa-Aktivisten sind nur zwei von hunderten Meldungen aus den Medien vom vergangenen Jahr.

Sobald es der Exekutive weltweit gelungen ist, sexuelle Kriminalität auszumerzen, wenn es keine entführten, vergewaltigten, erniedrigten, missbrauchten und gehandelten, manchmal sogar getöteten Kinder mehr gibt, dann können möglicherweise Projekte zur frühkindlichen Sexualerziehung mit größter Vorsicht, Sorgfalt und Vorausschau neu gedacht werden.

Aber solange es der Fall ist, dass Projekte zu Sexualerziehung von Kindern dazu führen, dass Minderjährige massiv zu Schaden kommen könnten, ausgenützt, ausgebeutet und für den Rest ihres Lebens geprägt werden, bin ich persönlich gegen Experimente auf Kosten unserer Kinder.

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PNG – 022-DE-IPHP Wolfgang Müller CC BY-SA 4.0
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