Jetzt mal ohne Krise: Reden wir über Bildung!

Die Geschäftsführerin der Waldviertel Akademie Simone Brodesser berichtet zu Beginn des Gespräches über die bisherigen Erfahrungen in ihrem relativ neuen Beruf und den Umgang mit der Coronakrise. Da noch nicht absehbar ist, wann die Krise endet, werden alle Angebote der Walviertel Akademie so geplant, dass sie online abgehalten werden können. Brodesser hofft, dass ab Juni wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden können. Der Onlinebereich soll aber auch ohne Corona weitergeführt werden: Hybridveranstaltungen und gemischte Lehrpläne werden stark nachgefragt, wie auch eine Umfrage unter Studierenden der IMC Fachhochschule Krems, an der Brodesser berufsbegleitend studiert, gezeigt hat.

Der Austausch von Argumenten in der Gruppe und das gemeinsame Lösen von Problemen vertieft Lernerfolge. Auch deshalb ist physische Präsenz im Lernprozess wichtig; denn ab 5 bis 6 Personen wird eine Diskussion über Online-Tools schwierig bis aussichtslos. Die besten Argumente zu würdigen und Kompromisse zu finden ist ein wichtiger Baustein gesellschaftlichen Zusammenlebens. Kooperatives Lernen führt auch dazu, dass lernschwache Gruppenmitglieder eine erhöhte Chance haben, den Lerninhalt besser zu verstehen.

Frontalunterricht und Lehrstoff auswendig lernen für eine Prüfung sind Methoden, die kaum noch zukunftstauglich sind. Es gilt klarzumachen, warum bestimmtes Wissen gelehrt wird und wie man dieses für sich künftig anwenden kann. Das Rüstzeug zum Lösen von Problemen muss praxisnah vermittelt werden, nicht (nur) die Theorie dahinter. Dann erkennen auch die Lernenden, dass sie nicht für die Note, sondern für das Leben lernen. Die Lehrenden sind nicht mehr (nur) die reinen Inhaltsvermittler, sondern sie unterstützen ihre Schüler aktiv beim Prozess der Lösungsfindung.

Leistung müsse man individuell betrachten: nicht jeder Mensch hat die gleichen Ziele im Leben; und nicht jeder misst sich an den gleichen Maßstäben.

Auch wenn das Internet (als Beispiel für den technischen Fortschritt) uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, so dürfen wir nicht verlernen, Fragen zu stellen und selbständig zu forschen und Antworten zu finden.

Die Waldviertel Akademie ist zwar stark mit dem ländlichen Raum verwurzelt, strebt aber auch eine Zusammenführung mit den urbanen Zentren an, zB hat der wissenschaftliche Beirat seinen Sitz in Wien. Die Entschleunigung des Lebens, die Corona gebracht hat, ist laut Brodesser nur ein temporärer Effekt. In Konzepten wie den Dorfunis von Franz Nahrada, wo die Institutionen zu den Menschen am Land kommen, sieht sie großes Potenzial. Die technischen und bildungspolitischen Voraussetzungen dafür müssen aber erst geschaffen werden.

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Simone Brodesser – RW Simone Brodesser 1

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