Bewusstsein

Kenne dich selbst. Höre auf dich selbst.

Du kennst sicher dieses intensive Gefühl der Zuneigung gegenüber jemanden oder etwas. Aber wie oft ist es dir passiert, dass du genau das auch für dich fühlst? Ist es etwa selbstbezogen, sich selbst zu lieben?

Hast du dir jemals gesagt: „Ich liebe dich„? Nein, nicht wahr? Das klingt ja komisch. Ja, natürlich achtest du auf dich. Aber in welchem Ausmaß? Und wie wirkt sich das auf dein Leben und deine Beziehungen rund um dich aus?

Die Diskrepanz ist groß zwischen dir und deinem „Selbst„. Dein Selbst ist dein Ego, deine Meinung, dein Pulsieren, deine Spontaneität. Hast du jemals in einem bösen Streit etwas gesagt, das du gar nicht wolltest und auch so nicht gemeint hast – aber es fühlte sich trotzdem richtig an?

Warum bereust du es danach? Warum fühlst du dich schuldig? Weil sich dein „Du“ einmischt. Es ist dein Beobachter, der Coach, die Kritik, die deine Gedanken, Wörter, Gefühle und Verhaltensweisen kontrolliert und bestimmt, wie viel deines wesentlichen Selbst für andere sichtbar nach außen dringt.

Aber was tust du nun, wenn dein „Selbst“ so ganz anders ist als dein „Du„? Wenn „Du“ zu kritisch mit deinem „Selbst“ umgehst? Dann entsteht ein Ungleichgewicht – und so setzen wir uns täglich eine Maske auf, die uns das Gefühl von mehr Sicherheit verleiht. Mit dieser Maske, und das wissen wir, akzeptieren uns die anderen. Aber das kann so anstrengend sein und bedeuten, dass wir uns selbst und das, was wir wirklich sind, nicht ausreichend respektieren. Es scheint, als wäre uns die Akzeptanz und die Liebe der anderen wichtiger als die Liebe und die Akzeptanz für uns selbst.

Wir leben in dieser Illusion, dass unser Glück, unsere Laune, unser Gemüt von dem Umfeld, in dem wir leben, abhängt. Aber so ist es nicht. Es ist bloß leichter für uns, die Schuld bei den äußeren Einflüssen zu suchen als bei uns selbst: bei anderen Menschen und deren Verhaltenweisen oder Agitationen, nämlich immer dann, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt (erreicht) werden. Es bedeutet zu viel Arbeit – und vielleicht würde uns das Ganze auch zu sehr irritieren, sich dessen nämlich bewusst zu werden, dass wir gar nicht so genau wissen, wer wir überhaupt sind, und eigentlich nur in eine Wahrnehmung verliebt sind, in ein Ideal von uns selbst.

Nun, der erste Schritt in Richtung Selbstliebe ist mit Sicherheit jener, herauszufinden und zu akzeptieren, dass du gar nicht der bist, der du zu sein dachtest. Und das ist doch vollkommen okay. Das ist sogar großartig. Es bedeutet, dass du dich auf eine wunderschöne Reise begeben wirst. Vedral sagte 1994, dass man sich in Teile zerlegen und schauen solle, woraus man besteht, um sich dann, Stück für Stück, wieder zu sammeln und zusammenzusetzen.

Aber wie entdeckt man sich selbst?
Ich schlage dir eine 7-Tages-Challenge vor, die darauf abzielt, dir deiner selbst so gut als möglich bewusst zu werden. Doch was heißt das, sich bewusst zu werden? Kontrolliere dein Selbst, was es denkt. Sei wachsam. Frage dich, warum du diese Gedanken hast. Halte inne und analysiere sie, lasse sie nicht entschwinden. Schreib jene Gedanken auf, die du dir nicht erklären kannst und die dich stören, aber auch jene, die dir besondere Freude bereiten. Am Ende des Tages wirst du etwas Neues über dein Selbst erfahren. Diese Erfahrung kann auch ganz simpel ausfallen; vielleicht entdeckst du an dir, dass du eigentlich gar nicht so gerne jeden Tag am selben Ort isst und gerne etwas Neues ausprobieren möchtest.

Wie schaffst du das mit der Akzeptanz?
Ändere dein Verhalten. Gehe zum Essen an einen neuen Ort. Wie fühlst du dich, plötzlich beschlossen zu haben, deine Komfortzone zu verlassen und dass du woanders deine Nahrung einnimmst? Was genau musstest du dafür opfern? Welche Konsequenzen lassen sich daraus ziehen? Welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen? Falls es ein Reinfall gewesen ist, dann akzeptiere auch das und sag Danke, denn es bedeutet, dass du dich nun besser kennst. Wir brauchen diese kleinen Experimente, in denen wir unsere Hauptvariable sind.

Und das Geheimnis ist, keine Erwartungen zu haben und nur dankbar zu sein, für dich, deine Existenz und die Tatsache, dass du einzigartig bist. Akzeptiere dein eigenes Design. Es gibt schließlich keine andere Person wie dich auf dieser Erde.

Also wieso sich nicht selbst hochleben lassen? Warum darauf warten, dass das jemand für uns übernimmt? Friedman sagt, dass der Maßstab des Selbstwertes durch das Wissen über sich selbst bestimmt würde und nicht über die Meinungen der anderen, Und Rupi Kaur – eine junge Poetin – schrieb:“ So wie, du dich selbst liebst, wirst du anderen lehren, dich zu lieben“, und dass du niemandem sonst genügen würdest, genügst du dir nicht selbst.

Mit diesen letzten Worten verabschiede ich mich. Nimm sie in dich auf. Denke über sie nach. Versuche, bewusst zu sein. Und schau, ob diese Worte Wirkung haben auf dein künftiges Verhalten oder auf deine künftigen Gedanken.

Und sag: Ich liebe mich!

Übersetzung Englisch-Deutsch: Anna Dichen

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Bewusstsein Bewusstsein Davidboyashi CC BY-SA 4.0

Diskussion (2 Kommentare)

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  1. Selbstliebe ist ein wesentlicher Teilaspekt des umfassenderen Selbstwertgefühls, das in einem hohen Maße nicht nur das Selbstbild eines Menschen bestimmt, sondern auch Basis eines wertschätzenden Umgangs mit anderen Menschen ist. Die Interaktion mit der Umwelt wird zu einem wesentlichen Teil durch die Selbstliebe einer Person geprägt. Eine andere, für Sozialkontakte fast ebenso wichtige Selbstwert-Komponente ist Selbstvertrauen, d. h. das Vertrauen in die Fähigkeit, das eigene Leben gestalten und selbst gesteckte Ziele erreichen zu können.Die in diesem Sinne verstandene Selbstliebe ist abgegrenzt von Überheblichkeit und Narzissmus. Die verschiedenen psychologischen oder theologischen Standpunkte gehen mit unterschiedlicher Betrachtungsweise an das Verhältnis von Selbstliebe zu Narzissmus heran, einige sehen es als sich gegenseitig ausschließend.
    Narzissmus:
    Entsprechend der ausschließenden Sichtweise von Selbstliebe und Narzissmus verhält sich der Narzisst egozentrisch und wichtigtuerisch, weil er sich nicht liebt und für minderwertig hält. Zitat nach Erich Fromm: „Es stimmt, dass selbstsüchtige Menschen unfähig sind, andere zu lieben; sie sind jedoch genauso unfähig, sich selbst zu lieben.“

    1. Danke für deinen Kommentar, lieber Michael. Die Autorin spricht kein Deutsch, aber vielleicht magst du ihr auch etwas auf Englisch im englischen Teil schreiben. Ich für meinen Teil habe mir schon endlos viele Gedanken über den Unterschied von Selbstliebe und Narzissmus gemacht. Im Laufe meines Lebens bin ich auch schon selbst den unterschiedlichsten Formen von Egozentrik begegnet, musste dann auch gewisse Züge an mir selbst bemerken, die ich mir aber tunlichst wieder abgewöhnte, denn das bin ja nicht ich gewesen. Ja, es ist ein schmaler Grat. So wie alles eigentlich, das in übertriebener Form ausgelebt wird. Selbstliebe, schön und gut, aber bitte nicht über Leichen gehend sozusagen 🙂