Mutig, aber realistisch gegen die Klimakatastrophe

Meinung

In der BSA-Onlinediskussionsrunde mit dem Titel „Mutig, aber realistisch gegen die Klimakatastrophe“ diskutieren unter der Leitung des BSA-Vorsitzenden von Döbling, Matthias Vavra, der ehemalige Manager im Energiebereich und nunmehrige Berater Marc Hall und die Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb u.a. über die Gestaltung einer gerechten und emissionsfreien Zukunft sowie ob der Kampf zur Rettung des Klimas im Energiesektor gewonnen oder verloren wird und die Vereinbarkeit von Klima- und Sozialpolitik.

Für Kromp-Kolb ist die Klimakrise die große Chance, Änderungen in all jenen Bereichen vorzunehmen, die veränderungsbedürftig sind. Es geht dabei auch darum, den Blick nicht allein auf CO2-Reduktion, sondern auch auf die Energiefrage allgemein zu richten. Klimaschutz sollte in die nachhaltigen Entwicklungsziele eingebettet werden, Klima- und soziale Aspekte sind gleichzeitig zu berücksichtigen. Es braucht auch soziale Innovation. Das erfordert Mut sowohl vom Einzelnen, als auch von der Politik. Dazu ist eine breite gesellschaftliche Diskussion notwendig, da es vornehmlich um Wertefragen geht. Die Demokratie ist dazu geeignet, aber auch herausgefordert, wichtig sind Diskussionskultur, Bildung sowie saubere Information und kein Propagandakrieg.

Für Hall ist das Klimathema sehr komplex, Lösungen müssen auf den Kern reduziert werden. Es geht darum, eine richtige Einschätzung der Ressourcen vorzunehmen, andere Energieträger bereit zu stellen, so dass der CO2-Einsatz in der Atmosphäre verringert wird. Einen kompletten Umbau innerhalb dieses Jahrhunderts hält er für möglich.

Kromp-Kolb hält eine komplexe Betrachtung des komplexen Themas für wichtig. Am Beispiel Elektroauto erläutert sie, dass es nicht bloß um einen Wandel beim Antrieb und der dazu nötigen erneuerbaren Energie geht, sondern auch um Raumplanung. Denn je weniger Individualverkehr, desto besser. Das bedeutet etwa Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe des Wohnortes, einen Ausbau der Öffis oder auch Car-Sharing.

Marc Hall betont, dass man den Verkehr in seiner Gesamtheit betrachten muss und dann klar wird, dass der größte Emittent nicht der SUV in der Innenstadt sondern der Güterfernverkehr ist. 90% der Energie kommen aus der Verbrennung, nur 10 % sind nicht emittierend, darunter 4% Kernkraft, 2-3% Wasserkraft und je 2 % aus Solar- und Windenergie. Es gilt Erzeugung, Verteilung, Speicherung und effiziente Anwendungen in die Planung der Energiewende einzubeziehen.

Die Prognosen des Club of Rome hält Hall für nicht eingetreten, da fossile Energieträger nicht schon in den 90er-Jahren zu Ende gegangen sind sondern leider noch für mehrere Jahrhunderte vorhanden sind. Ein schneller Ausstieg ist auf diese Weise nicht zu erreichen. Es braucht öffentliche Subventionierung neuer Energieträger und Verbote analog zum Ausstieg aus den FCKWs. Windenergie und Photovoltaik sind für ihn zwar zukunftsträchtig, aber technologisch noch nicht voll ausgereift.

Für Kromp-Kolb geht es nicht bloß um den Ersatz des einen durch einen anderen Energieträger sondern um eine Systemänderung. Denn auch erneuerbare Energien brauchen Materialien für die Umsetzung, die knapp bzw. zunehmend schwierig erhältlich sind. Das Kippen der Finanzwirtschaft ist aus ihrer Sicht eine gute Möglichkeit, Gelder müssen aus der Finanz- in die Realwirtschaft umgepolt werden. Das Mobilitätssystem ist leichter umzustellen, beim Heizen ist es wesentlich schwieriger. Ausdrücklich lobt sie die Bemühungen der Stadt Wien in diesem Bereich.

Einig sind sich Kromp-Kolb und Hall auch darin, dass sie die Notwendigkeit zur Herstellung sozialer Gerechtigkeit sehen. Diese müsste aber von der wesentlich geringeren Zahl der Gestalter zu Gunsten der Mehrheit der „Bedrängten“ hergestellt werden. Wohlstand auf der heutigen Basis benötigt mehr Energie, was wiederum mehr Emissonen bedeutet.

In der abschließenden Runde werden Fragen aus dem Publikum beantwortet und die Ausführungen noch vertieft.

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BSA – Mutig, aber realistisch gegen die Klimakatastrophe Wolfgang Müller 1