Pflege mit Herz und Verstand – Kerstin Buxbaum

Soziales

Zu Beginn ihres Interviews bei Michael Winkler und Reiner Wein erzählt die mobile Kranken- und Altenpflegerin Kerstin Buxbaum, wie sie ihre Berufung ereilt hat: ihre Schwester wurde durch einen Schicksalsschlag querschnittgelähmt. Als ältestes Kind half sie ihren Eltern bei der Pflege der Schwester und machte nebenbei die Ausbildung zur Altenpflegerin.

Die Gründerin des Vereins Lebenswert – Pflege mit Herz und Verstand arbeitete 11 Jahre in staatlichen Pflegeheimen, machte dort aber durchwegs negative Erfahrungen: die schlechte Organisation und der ständige Bereitschaftsdienst haben ihr viel Energie geraubt. Für 20 demente Patienten waren zwei Pfleger zuständig – und wenn einer krank wurde, musste man die aufwendige Arbeit alleine stemmen. Eine adäquate Betreuung sei unter diesen Umständen nicht möglich und habe zu hohem emotionalem Stress geführt, da Buxbaum wusste, dass sie auf Grund der knappen Ressourcen und der wenigen Zeit keine umfassende Betreuung bieten konnte. Menschen, die diesen Job mit Herzblut ausüben, geraten früher oder später in einen Burnout.

Nach zwei weiteren Versuchen bei anderen Anbietern, bei denen sie die gleichen Erfahrungen machen musste, entschied sie sich 2018 für die Selbständigkeit. Gemeinsam mit einer Kollegin führt sie den Verein und kümmert sich privat um Pflegefälle. Da Patienten in Pflegeheimen finanziell wesentlich besser unterstützt werden (Pflegestufe etc), als jene in privater Pflege, verdient Buxbaum auch entsprechend weniger, obwohl sie eine bessere (weil individuell angepasste) Leistung bietet. Auch nehmen Pflegeheime selten Fälle auf, deren Pflegestufe niedriger als 4 ist – eben um einen möglichst hohen finanziellen Zuschuss zu erhalten.

Ohne Eltern und Schwiegereltern, die sich um ihre beiden Söhne kümmerten, hätte die geschiedene Mutter nie ihrer Arbeit nachgehen können. Den Stress nahm sie in Kauf, denn sie übte ihren Beruf sehr gerne aus. Mittlerweise helfen ihre Söhne auch bei der Pflege mit.

Obwohl ihr Verein keinem staatlichen Anbieter Kunden wegnimmt, sondern im Gegenteil bei Kapazitätsengpässen oft einspringt, wird ihr und ihrem Verein ständig Steine in den Weg gelegt, wie sie am Beispiel der Parkerlaubnis in Klagenfurt schildert. Mittlerweile bietet sie ihre Dienste gemeinsam mit einer Kollegin an drei Standorten in Kärnten an.

Während der Coronapandemie wurden mehrere pflegebedürftige Menschen, die im Krankenhaus an Corona erkrankten, zur privaten Pflege nach Hause geschickt. Einen Vollkörperschutz zu tragen, wie er in Krankenhäusern verwendet wird, ist in der privaten Altenpflege nicht möglich. Entsprechend wurde das Risiko der Erkrankung auf Buxbaum und ihre Kollegen abgewälzt.

Da die Regierung weiß, dass Pflegepersonal eine geringe Streikbereitschaft aufweist, da die Pfleger ihre Patienten nicht im Stich lassen wollen, schiebt sie Reformen in diesem Bereich immer vor sich her und hofft, dass das Problem erst in der nächsten Legislaturperiode schlagend wird.

Der Umgang mit studierten Kollegen, die auf Grund ihrer Ausbildung ihre Position im Pflegebereich „überschätzten“, die Kündigung vieler Kollegen auf Grund der Impfpflicht, die Auswirkung der Impfung auf ihr Leben und ihre Arbeit, und die Notwendigkeit, die Politik immer wieder und konsequent an das Thema zu erinnern (Bezahlung, Arbeitsbedingungen etc) sind weitere Themen dieses Gesprächs.

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Kerstin Buxbaum-YOUTUBE Wolfgang Müller 1

Diskussion (Ein Kommentar)

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  1. Dem ist wirklich nichts mehr hinzu zufügen, alles gesagt, vor allem einfach und klar definiert, dass die Pflege am Randes des Kollaps steht!!!!
    Und das nicht erst zurzeit der Pandemie, Manager und Politiker bestimmen was die Pflege braucht, haben aber keine Ahnung, kennen die Arbeit nicht und fragen auch nicht die Menschen die an der Basis arbeiten und die eigentlichen Systemerhalter sind!!!!