Thomas im Klassenzimmer

Projekt Sao Bien – Schulen für Vietnam

Die Idee, im Ausland als Volunteer arbeiten zu wollen, hatte ich schon lange. Aber es war erst zu Jahresbeginn 2016, dass ich endgültig diesen Entschluss fasste, ohne genau zu wissen, was auf mich warten würde.

Und so war ich Anfang April auf dem Weg nach Hanoi, Vietnam, um dort Kindern und Studenten Englisch zu unterrichten.

Ich lebte in einem Haus für internationale Volunteers, in Zimmern mit drei Stockbetten, die aber (zum Glück) nicht immer alle belegt waren. Mittag- und Abendessen wurde von einer vietnamesischen Köchin vorbereitet.

Da die Volunteers unterschiedlichen Projekten zugeordnet waren, herrschte ein ständiges Kommen und Gehen.

Die schlichte Unterkunft tat der guten Stimmung der Helfer aus allen Kontinenten keinen Abbruch, sondern half mit, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.
Hanoi selbst ist eine aufregende Stadt mit einer tollen Altstadt in unmittelbarer Nähe zum Hoan Kiem Lake, dem Treffpunkt von Studenten und Touristen, etlichen Pagoden und Tempeln und einer unglaublichen Zahl an Motorrädern, die im täglichen Stau die Gehsteige zur Straße umfunktionieren.

Trotz aller dieser Attraktionen wird mir Hanoi aber aufgrund seiner Menschen in bester Erinnerung bleiben – mit einer verblüffenden Freundlichkeit und Offenheit wird eine unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gelebt.

Kinder winken fröhlich zu und bemühen sich mit ihren wenigen Englischvokabeln um ein kurzes Gespräch. Und immer wieder wird man von Menschen, die man noch nie gesehen hat, spontan auf einen Tee eingeladen.

Die Volunteerstätigkeit war abwechslungsreich, und die Arbeit mit den Kindern („Pascal Secondary School“) und Studenten („Hanoi University of Industry“) wirklich inspirierend. Ein „Danke“ möchte ich an dieser Stelle auch den Organisatoren des Volunteeringprojekts, Ubelong und VPV, aussprechen, die mitgeholfen haben, diese Erfahrung so besonders zu machen.

Einer dieser inspirierenden Momente war, als mir Studenten, die ich nach ihren Träumen und Zielen fragte, erzählten, dass das Studium nicht wichtig, sondern nur notwendig wäre – notwendig, um Geld zu verdienen und dann ihrem Heimatdorf helfen zu können!!

Und so entstand die Idee, diese dringend erforderliche Hilfe nicht den Studenten zu überlassen, sondern „mitanzupacken“.

Als ich nach sechs Wochen nach Wien zurückkehrte, hatte ich zwei Entscheidungen bereits getroffen: Dass ich unbedingt nach Vietnam zurückkehren wollte und dass ich dem Land mehr helfen wollte als „nur“ durch Volunteering.

Wenn ich nach meiner Rückkehr nach Wien von meiner – vielleicht tatsächlich etwas absurden – Idee, als Österreicher in vietnamesischen Bergdörfern Schulen bauen zu wollen, erzählte, war das Feedback durchaus gemischt.

Während die Sinnhaftigkeit einer Investition in Grundbildung und auch die Wahl Vietnams als hilfsbedürftiges Land praktisch nie in Frage gestellt wurde, musste ich regelmäßig die Frage beantworten, wie ich denn in einem Land mit rund 94 Millionen Einwohnern mit ein paar Schulen etwas bewirken würde wollen.

Und so erzählte ich immer wieder eine Geschichte, die ich vor vielen Jahren gehört habe, und die diese Frage besser beantwortet als jedes Argument es tun könnte:

While walking along a beach, an elderly gentleman saw someone in the distance leaning down, picking something up and throwing it into the ocean.
As he got closer, he noticed that the figure was that of a young man, picking up starfish one by one and tossing each one gently back into the water.
He came closer still and called out, “Good morning! May I ask what it is that you are doing?”
The young man paused, looked up, and replied “Throwing starfish into the ocean.”
The old man smiled, and said, “I must ask, then, why are you throwing starfish into the ocean?”
To this, the young man replied, “The sun is up and the tide is going out. If I don’t throw them in, they’ll die.”
Upon hearing this, the elderly observer commented, “But, young man, do you not realise that there are miles and miles of beach and there are starfish all along every mile? You can’t possibly make a difference!”
The young man listened politely. Then he bent down, picked up another starfish, threw it into the back into the ocean past the breaking waves and said, “It made a difference for that one.

 Quelle: The Starfish Story: You can make a difference

Die Umsetzung meiner Idee, in besonders armen Bergdörfern durch den Bau von kleinen Schulen mehr Kindern regelmäßigen Schulzugang zu ermöglichen, erforderte die Gründung einer non-profit Organisation.

„Sao Bien“ ist das vietnamesische Wort für Seestern – und so entstand der Name der Organisation, als stetige Erinnerung daran, dass wir etwas bewirken können. Yes, we can make a difference!

Das Ziel der Organisation ist die Förderung der Bildung, allen voran durch den Bau von Schulen. Häufig sind die nächstgelegenen Schulen aufgrund der Entfernung und der fehlenden Straßen unerreichbar oder die bestehenden Schulen sind zu klein. Manchmal stehen die Gebäude aus anderen Gründen nicht durchlaufend als Schule zur Verfügung oder sind nicht stabil, so dass bei Regen oder Sturm kein Unterricht stattfinden kann.

Mit tatkräftiger Unterstützung des @Verein für Soziale Gerechtigkeit und Idealism Prevails gelang es tatsächlich, Spenden für die ersten Schulprojekte aufzustellen.

Ein kleines Team unterstützte mich bei der (durch die Bürokratie in Österreich nicht gerade einfachen) Vereinsgründung und bildet einen hervorragenden Vorstand, der mir viel Freiraum für meine Ideen lässt, ohne seine Kontrollfunktionen zu vernachlässigen. Ein „Danke“ natürlich auch an Euch für Eure großartige Arbeit!

Nach exakt zwei Monaten kehrte ich also zurück nach Hanoi. Neben meiner Volunteerstätigkeit – diesmal community classes und Englischunterricht an der University of Natural Resources and Environment – widmete ich viel Zeit der Suche nach einem lokalen Partner, der uns bei der Standortsuche sowie der Kommunikation mit den lokalen Behörden und dem Bau der Schulen helfen sollte.

Die Suche erwies sich als überaus erfolgreich, und so reiste ich bereits im August nach Lai Chau, einer Provinz im Nordwesten Vietnams, um potenzielle Standorte für unser Projekt zu besichtigen.

Bereits die Anreise war durchaus erzählenswert – mit einem Nachtbus ging es von Hanoi nach Lai Chau, mit einem kleineren Bus dann weiter nach Muong Te, wobei es zu einem längeren Stopp kam, da ein Felsen den Weg blockierte, und mit Mofas weiter in die größte Stadt der Community.

Dort gibt es eine staatlich finanzierte Schule, und viele Kinder, denen eine tägliche Anreise aus ihren umliegenden Heimatdörfern nicht zuzumuten ist, wohnen auch auf dem Schulgelände.

Der Bau von Schlafsälen bei den Schulen und der Bau sogenannter Satellitenschulen, also von Schulen in den umliegenden Dörfern selbst, sind zwei Möglichkeiten, den Schulzugang auch für Kinder dieser kleinen Dörfer zu ermöglichen.

Nach einer Besichtigung der Schule wollte ich jenes Dorf besuchen, in dem wir die Schule zu bauen planten. Da das Dorf nur 15 Kilometer entfernt ist, schien mir das um 16 Uhr auch bei leichtem Nieseln ein machbares Unterfangen, doch die ortskundigen Lehrer rieten strikt davon ab.

Also verschoben wir die Abfahrt auf den nächsten Tag 5:30 Uhr in der Früh. Um 5:35 Uhr wusste ich, warum eine Anreise am Vortag tatsächlich unmöglich war.

Auf dem Motorrad – glücklicherweise nur als Beifahrer – kämpften wir uns schlammige Hügel rauf und runter, umrundeten große Steine und ebenso große Löcher, und durchquerten kniehohe Bäche.

Gerade diese schwere Erreichbarkeit, die große Armut und der Umstand, dass diese bergige Gegend im Norden Vietnams Heimat einiger ethnischer Minderheiten ist, macht eine Hilfe dort besonders wichtig!
Trips in diese Region zeigen in bedrückender Weise gleichzeitig landschaftliche Schönheit und unglaubliche Freundlichkeit, aber auch Armut.

Nach rund einer Stunde erreichten wir das Dorf und die Schule, die im Wesentlichen aus einigen Holzstehern und dazwischen aufgespannten Plastikplanen bestand.

Ähnlich war auch meine zweite Exkursion in die Provinz Son La. Die Schule dort ist ein altes Holzgebäude, das mit zahlreichen Stützen abgesichert ist, da Termiten das Holz weitgehend zerstört haben. Auch die Toilette (Bild unten) zeigt deutlich, wie dringend hier Hilfe notwendig ist.

Die vietnamesischen Behörden zeigten sich kooperativ und begrüßten offenbar die Hilfe. Die Zusammenarbeit mit unseren vietnamesischen Partnerorganisationen funktioniert hervorragend, und auch sonst erfährt das Projekt sehr breite Unterstützung.

Zahlreiche Angebote zur Mitarbeit sowie bald 1.300 Likes auf unserer Facebook Seite nach nur rund zehn Wochen dienen uns als zusätzliche Motivation. Derzeit arbeiten wir an der Homepage und hoffen, dass diese heuer noch online gehen wird.

Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung des Botschafters Dr. Vu (Foto), vietnamesischer Botschafter in Wien, sowie von Dr. Loidl, österreichischer Botschafter in Hanoi, bei denen ich mich nochmals ganz besonders für ihr Vertrauen bedanken möchte.

Wie geht es jetzt weiter?

Im November 2016 war ich erneut in Son La, um die Baustelle unseres ersten Projekts zu besichtigen. Das alte Schulgebäude ist bereits abgerissen worden, und derzeit wird gerade das Fundament vorbereitet.

Noch vor dem Lunar New Year Fest („Tet“) im Jänner 2017 soll die zweite Schule (in Lai Chau) fertiggestellt werden.

Für den Rest von 2017 haben wir uns den Bau von (mindestens) vier weiteren Schulen vorgenommen, und bereits in den nächsten Wochen werde ich mit Exkursionen beginnen, um die Standorte persönlich anzusehen – auf @saobienroomforeducation werde ich davon ebenso wie von den Bauaktivitäten und den hoffentlich bald bevorstehenden ersten Schuleröffnungen selbstverständlich berichten!

Ich hoffe, Euch auch bald von einigen anderen Ideen und Plänen erzählen zu können, die aber derzeit noch in den Kinderschuhen stecken.

Gleichzeitig suchen wir natürlich weitere Sponsoren und Spender, um unser Projekt fortsetzen zu können, und jegliche Kontakte, die uns helfen können, das Projekt bekannter zu machen.

Selbst wenn die erste Schule bereits dieses Monat fertiggestellt werden soll, ist die Idee noch keine sechs Monate alt. Ich sehe das Projekt daher nach wie vor in einer Entwicklungsphase und freue mich über alle Ideen und jede Art von konstruktiver Rückmeldung… because we can make a difference!

Wenn Euer Interesse geweckt ist, folgt doch einfach Sao Bien’s Facebook Page für laufende Updates!

Und bitte denkt daran: Jedes LIKE hilft, durch Spenden die Errichtung weiterer Schulen zu ermöglichen.

Danke.

Credits

Image Title Autor License
Fahrrad an der Wand Fahrrad an der Wand Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Thomas im Klassenzimmer Thomas im Klassenzimmer Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Essenszeit Essenszeit Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Zimmer mit Stockbetten Zimmer mit Stockbetten Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Fahrrad mit Früchten Fahrrad mit Früchten Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Nachtleben Nachtleben Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Mopedgang Mopedgang Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
beleuchtetes Hochhaus beleuchtetes Hochhaus Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Herzskulputur Herzskulputur Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Thomas in einem Lokal Thomas in einem Lokal Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Thomas mit Schülerinnen Thomas mit Schülerinnen Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Schulklassenfoto Schulklassenfoto Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Schüler vor dem Haus Schüler vor dem Haus Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Schülerinnen schaukeln Schülerinnen schaukeln Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Baustelle Baustelle Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Moped quert Fluss Moped quert Fluss Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Frau mit Kind mit Kühen Frau mit Kind mit Kühen Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Mann auf Ochse Mann auf Ochse Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Frau mit Holz am Rücken Frau mit Holz am Rücken Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Fluss von oben Fluss von oben Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Bergblick Bergblick Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Klassenzimmer Klassenzimmer Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Schulgebäude von außen rotes Dach Schulgebäude von außen rotes Dach Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Schulgebäude Veranda Schulgebäude Veranda Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
kleiner Holzverschlag kleiner Holzverschlag Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Projekt Sao Bien - Schulen für Vietnam Projekt Sao Bien – Schulen für Vietnam Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
letter of support letter of support Thomas Farthofer CC BY-ND 4.0
Baustelle Bagger und Menschen Baustelle Bagger und Menschen Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0
Baustelle Bagger Baustelle Bagger Thomas Farthofer CC BY-SA 4.0

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